Mittwoch, 5. März 2014

Rezension: Der dunkle Thron von Rebecca Gablé


Genre: Historischer Roman
Band 4 der Waringham Saga

Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 955
Hardcover: 24,99 €
ebook: 9,99 €

1. Auflage: Sept 2011

Website der Autorin






Die Saga geht weiter: Nicholas Waringham in den Wirren der Reformation im London des 16. Jhds



Klappentext

London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie – und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die „Papisten“, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater …

Meine Meinung


Der vierte und vorerste letzte Teil der Waringham Saga.
Man merkt sofort, dass seit dem letzten Band einige Zeit vergangen ist – in der Handlung, aber auch im Schreibstil. Da ich Band 3 ja grade erst gelesen habe, hat es einige Seiten gedauert, mich mit dem neuen Stil zurecht zu finden, denn auch wenn geschichtlich „nur“  ca. 70 Jahre vergangen sind, hat sich doch schon einiges anders entwickelt - vom Mittelalter zur Renaissance. Der Umgang der Menschen untereinander, die alten Adelsgeschlechter, die durch die Rosenkriege sehr dezimiert wurden, der lüsterne König Henry, mit einem wahrhaften Verschleiß an Gemahlinnen und natürlich die Kirchenreform, die sich in diesen Jahren immer mehr durchsetzt.
Ich bin froh, die beiden Bände hintereinander gelesen zu haben, so dass ich die älteren Namens- und Verwandtschaftsverhältnisse noch im Kopf hatte und die kleinen Anmerkungen zu früheren Begebenheiten schnell einordnen konnte.

Nicholas Waringham hat es nicht leicht, denn dieses Mal geht es bei den Intrigen und Machtkämpfen am Hof nicht um die Feinde außerhalb, sondern innerhalb des Landes. Als Nicks Vater, wegen Ketzerei angeklagt, im Tower of London landet, ahnt er schon, dass noch etwas anderes dahinter steckt. Und er wäre kein Waringham, wenn er nicht mit Ehre und Pflichtgefühl seinem Glauben treu bleiben und dem Königshaus, vor allem der jungen Prinzessin Mary, bis zum bitteren Ende beistehen würde. Stur und eigensinnig bleibt er seinen Prinzipien treu und es dauert nicht lange, bis er in das Visier des Königs gerät.
Noch dazu muss er sich um das herunter gewirtschaftete Gut Waringham und die geliebte Pferdezucht kümmern, was nicht leicht ist, wenn die verhasste Stiefmutter ständig dazwischen pfuscht.

Aber auch die anderen Charaktere sind wieder sehr anschaulich und authentisch. Der kränkliche König Henry, der Lord Chancellor Thomas Cromwell, der aufopfernde Mentor von Nick Waringham Thomas More, die aufsässige Prinzessin Mary, um nur einige zu nennen. Ein bunt gemischter Haufen in einer farbenprächtigen Zeit, in der viele Veränderungen und Neuerungen stattgefunden haben.
Es herrscht große Umbruchstimmung zu der Zeit - die sog. "Ketzer" erheben das Wort, Martin Luther wird bekannt und viel Altbewährtes gerät mehr und mehr in den Hintergrund; einiges an Etikette und Bräuchen fällt dem "Fortschritt" zum Opfer. Gerade zwischen Teil 3 und 4 spürt man eine deutliche Entwicklung zu dieser Zeit.

Einige Namen haben mich sofort an die Matthew Shardlake Reihe von C. J. Sansom erinnert. Die historischen Krimis spielen zur gleichen Zeit und viele Namen habe ich wiedererkannt, was ein besonderes Vergnügen für mich war :)

Insgesamt wieder ein imposantes Werk aus einer Zeit, deren Umstände und Sitten wir uns kaum noch vorstellen können. Doch obwohl es strikte Vorschriften bezüglich des Standes und harte Sanktionen gab, schienen sich die Menschen besser als gedacht damit zu arrangieren. Jeder fügte sich in seine „gottgegebene“ Rolle in der Gesellschaft ein und versuchte, sie so gut es ging zu erfüllen.

Ich freue mich sehr, dass ich auf der Website der Autorin gelesen habe, dass es mit der Saga weitergehen wird!

Fazit
 

Mal wieder hat es die Autorin gemeistert, uns eine schwierige, unbeständige Zeit im englischen Mittelalter  in einem wunderbar spannenden Roman zu präsentieren. Mit einem König, der mit seinen ständig wechselnden Launen das Volk aufwiegelt, den Reformern, die einen Widerspruch zur christlichen Lehre fördern und den Papisten, die an den altbewährten Glaubensrichtlinien festhalten wollen – und mittendrin Nicholas Waringham, der seinen Ahnen mit Loyalität und Pflichtbewusstsein wieder alle Ehre macht.


Bewertung


© Aleshanee


Über die Autorin:  Jahrgang 1964, in einer Kleinstadt am Niederrhein geboren, studierte nach mehrjähriger Berufstätigkeit Anglistik und Germanistik mit Schwerpunkt Mediävistik in Düsseldorf. Sie wirkte an einem Projekt zur Erforschung anglonormannischer Manuskripte mit. Diese Forschungsergebnisse flossen in ihre weitere literarische Arbeit mit ein. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Literaturübersetzerin. Ihr erster Roman "Jagdfieber" wurde 1996 für den Glauser-Krimipreis nominiert. Wenn sie nicht gerade an einem Roman schreibt, reist sie gern und viel, vor allem in die USA und nach England, oft auch zu Recherchezwecken. Außerdem gehört sie dem Autorenkreis historischer Romane "Quo Vadis" an. Neben der Literatur gilt ihr Interesse der (mittelalterlichen) Geschichte, dem Theater und vor allem der Musik, in fast jeder Erscheinungsform. Rebecca Gablé spielt Klavier, Gitarre, Cello und singt seit vielen Jahren in einer Rockband. Mit ihrem Mann lebt sie unweit von Mönchengladbach auf dem Land.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag


Waringham Saga

1 ~ Das Lächeln der Fortuna
2 ~ Die Hüter der Rose
3 ~ Das Spiel der Könige
4 ~ Der dunkle Thron
5 ~ Der Palast der Meere (ET Sept 2015)

   

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