Samstag, 10. Juni 2017

Rezension: Steamtown - Die Fabrik von C. Steenbergen und T. S. Orgel

Steamtown

Die Fabrik

von Carsten Steenbergen und T. S. Orgel

Genre: Steampunk Krimi

Verlag: Papierverzierer
Seitenzahl: 424
Taschenbuch: 14,95 €
Ebook: 2,99 €

1. Auflage: Mai 2015



Klappentext 
 

Auf den Stufen der Bakers Hall von Steamtown liegt eine bestialisch zugerichtete Leiche. Der junge Agent Eric van Valen wird zusammen mit dem abgehalfterten Pater und Ætheromanten Siberius Grand und dem seltsamen Forensiker Mister Ferret vom Ministerium Seiner Majestät beauftragt, den Mörder zu finden - oder wenigstens jemanden, der schuldig genug aussieht. Doch was als simple Mordermittlung in der Unterwelt der von Plasmalicht und Kohlefeuer erhellten Stadtmetropole beginnt, scheint tiefer zu gehen und konfrontiert sie mit ihren düstersten Albträumen. Albträume, in denen höllische Geschöpfe auf die drei Ermittler lauern, dunkle Vergangenheiten und eine Verschwörung, die die Stadt Steamtown in ihren Grundfesten erschüttert.



Meine Meinung
 

Auf das Buch war ich richtig neugierig, weil ich schon die Fantasyreihe der Autorenbrüder T. S. Orgel über die Blausteinkriege kennen- und lieben gelernt habe. Der Ausflug ins Steampunk Genre war ein großer Anreiz, den in dem Bereich hab ich noch viel zu wenig gelesen.

Den Anfang empfand ich ehrlich gesagt etwas schleppend - aber vielleicht war ich auch zu ungeduldig. Die Vorstellung zwei der Protagonisten zog sich irgendwie, obwohl ich dann festgestellt hatte, dass es gar nicht so viele Seiten waren, aber es war auch nötig, um ihr Verhalten im Verlauf zu verstehen. 
Die große Schrift im Buch ist super - dafür waren die Zeilenabstände sehr eng, das erste Mal, das mir sowas auffällt. Das war zuerst etwas anstrengend, aber ich hab mich sehr schnell dran gewöhnt.

So, jetzt hab ich ein bisschen gemeckert, aber ich fand das Buch wirklich toll! Als ich nach dem etwas plätschernden Einstieg in die Geschichte reingekommen bin, konnte ich gar nicht mehr aufhören! Die drei Hauptcharaktere sind in ihrer eigenwilligen Art so toll beschrieben und mir auch ans Herz gewachsen, auch wenn sie jetzt keine wirklichen Sympathieträger sind.

Agent Eric von Valen ist noch am "nettesten". Ein junger Agent des Ministeriums, der seinen ersten Mordfall zu klären hat. Natürlich ist er noch unerfahren und unsicher in seinem Tun, aber entschlossen, dem Täter auf die Spur zu kommen. Er gibt sich immer korrekt, aber er hat tief in seiner Erinnerung ein Geheimnis vergraben, das

Pater Siberius Grand - ein Mann der Kirche, aber ein gefallener Mann. Warum - darauf möchte ich hier nicht eingehen, das müsst ihr selbst herausfinden! Aber ich fand ihn einfach herrlich! Entgegen der Vorstellung eines "Gottesmannes" wirkt er vom Aussehen her eher wie ein Schläger und ist auch mit seinen knapp über 50 Jahren noch top in Form. Er sagt was er denkt und ist dabei auch mit seiner Wortwahl nicht zimperlich und handelt sich damit regelmäßig Ärger ein. Mit seinem Auftreten schafft er sich seinen "Platz" und seinen Respekt, hat aber auch eine vortreffliche sarkastische Ader.

Der dritte im Bunde, der den Mordfall aufklären soll ist der Forensiker Mister Ferret. Er kommt sehr unscheinbar und unauffällig daher, ist aber auch nicht auf den Mund gefallen und glänzt mit einem gleichgültigen, trockenen Humor, der im Zusammenspiel mit Siberius Grand äußerst amüsant ist! Mister Ferret hat einige verborgene Talente, die das Team aus einigen bösen Überraschungen retten wird.

Man merkt recht schnell, dass der Mord prekäre, politische Bedeutung hat und es hier einiges zu vertuschen gilt. Doch die drei lassen sich nicht unterkriegen und jeder auf seine Art

Der Schreibstil ist erfrischend locker, teilweise flapsig gerade in den Dialogen und beim wörtlichen Schlagabtausch, was die doch recht düstere Atmosphäre zu einem unterhaltsamen Schauspiel macht; aber dabei nicht den Ernst der Lage außer Acht lässt. Bei den Männern geht es nunmal in einem etwas raueren Ton zu und Handgreiflichkeiten und Brutalität sind öfters vonnöten. Denn es ist gefährlich im fiktiven Steamtown und der viktorianische Einschlag wird sehr schön mit den typischen Elementen aus dem Genre verbunden: Plasmalichter, Ikonographen, Aetheromanten und viele kleine Details - dazu Ausflüge in die von Unrat überschwemmte Kanalisation und das düstere Sanatorium.
Und! Die Geschichte kommt wunderbar ohne den unnötigen Zusatz einer Romanze aus!

Die Handlung entwickelt sich dabei mit einem guten Tempo und die Spannung wird auch immer wieder angetrieben. Die Zusammenhänge formen sich langsam zu einem Bild, lassen aber noch genug Spielraum zum Rätselraten - vor allem auch durch überraschende Wendungen.
Der Epilog hält dann auch noch einen bösen Zug bereit, wodurch sich noch Stoff für eine Fortsetzung ergeben würde. Ich würd mich jedenfalls darüber freuen!


Bewertung 
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/4%2F5%20Sonnen

Idee/Thematik: ✮✮✮✮✰
Umsetzung: ✮✮✮✮✰
Schreibstil: ✮✮✮✮
Charaktere:✮✮✮✮✮
Atmosphäre: ✮✮✮✮✰ 
Tempo/Spannung: ✮✮✮✮
Lesespaß: ✮✮✮✮✰


© Aleshanee


Über die Autoren:

Der Mönchengladbacher Autor Carsten Steenbergen mit niederländischen Wurzeln wurde 1973 in Düsseldorf geboren und arbeitet heute als Softwarebetreuer und Programmierer.
Seine Begeisterung für Literatur begann bereits als jugendlicher Vielleser. Jahre später kam schließlich der unbändige Drang hinzu, selbst spannende Abenteuer zu verfassen. Seitdem publiziert er Romane und Hörspiele und bringt diese auch gerne multimedial auf die Bühne. Seine Leidenschaft gehört hierbei der Phantastik, der Retrofuturistik wie Steampunk und dem Thriller, sowie einigen anderen Genres.

T. S. Orgel ist das gemeinsame Pseudonym der Brüder Tom und Stephan Orgel.
Tom Orgel studierte Grafik-Design an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Er lebt im unterfränkischen Spessart und arbeitet als selbständiger Grafik-Designer und Texter.
Stephan Orgel ist Verlagskaufmann und studierte Betriebswirtschaft. Er lebt und arbeitet in Hessen. Neben einer Reihe von Kurzgeschichten, die von Horror über Mystery und Fantasy bis Humor ein weites Feld abdecken, erscheint seit 2012 ihre High-Fantasy-Trilogie »Orks vs. Zwerge« bei Heyne, für deren ersten Band sie im Oktober 2013 den Deutschen Phantastik Preis erhielten. »Steamtown« war ihr erstes gemeinsames Projekt mit Carsten Steenbergen und ihr erster Ausflug in die Welt des Steampunk. Mit Sicherheit aber nicht der letzte.


Quelle: Papierverzierer Verlag

Kommentare:

  1. Hi Aleshanee,

    ich habe dich zum Bookshelf-Tag getaggt, vielleicht willst du ja mitmachen. :)

    http://fluesterndewortebuecherblog.blogspot.de/2017/05/bookshelf-tag.html

    Liebe Grüße
    Sani

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  2. Hi,

    ich muss ja zugeben, dass ich schon eine ganze Weile um das Buch rumschleiche. Ich bin ein riesen Fan der Blausteinkriege, alleine schon deshalb sollte ich es wahrscheinlich lesen :/

    Aber jetzt, wo ich deine Rezi so lese, bin ich vielleicht doch mutig und versuch es einfach. Deine Rezi klingt toll, da kann ja fast nix schiefgehen ;)

    Ganz liebe Grüße und einen schönen Abend an Dich!
    Jacqueline

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    1. Die Blausteinkriege hatten mir auch total gut gefallen und deshalb war ich sehr neugierig, wie sie hier in dem Genre - vor allem auch in Zusammenarbeit mit einem anderen Autor - schreiben ... also es ist schon sehr "rustikal" *lach* Ein sehr herber Ton und eine raue Gesellschaft in Steamtown.
      Aber wenn dich das nicht abschreckt, würd ich es auf jeden Fall versuchen!

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    2. na das klingt doch perfekt! Ich mag es, wenn es mal herber zugeht. Bücher können ruhig mal was derber sein XD

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