Montag, 23. März 2020

Rezension zu Ans andere Ende der Welt von Philip Pullman

The Book of DustAns andere Ende der Welt von Philip Pullman


Lyra, die Heldin aus Philip Pullmans Erfolgsserie "His Dark Materials", ist nun eine junge Studentin. Doch die Abenteuer ihrer Kindheit lassen sie nicht los. Ihr Dæmon, Pantalaimon, wird Zeuge eines brutalen Mordes, der Lyra an ihrer eigenen Vergangenheit zweifeln lässt und einen tiefen Zwist zwischen ihr und Pantalaimon auslöst.
Lyra macht sich auf die Suche nach einer Stadt, in der Dæmonen herumgeistern sollen, und einer Wüste, die angeblich die Wahrheit über den geheimnisvollen Staub birgt. Wird Lyra das Rätsel endlich lösen können?
(Klappentext)




"Ihr werdet nicht verstehen, was es mit der Fantasie auf sich hat, wenn ihr nicht erkennt,
dass es nicht darum geht, sich etwas auszudenken, sondern darum, etwas wahrzunehmen."
Zitat Seite 187


Meine Meinung
✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

Was habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass Philip Pullman eine Fortsetzung zur Trilogie um den goldenen Kompass schreibt! So oft habe ich mir überlegt, wie die Geschichte um Lyra wohl weitergehen könnte - aber ich hatte auch Bedenken, ob der Autor nach 20 Jahren wieder so gut an die Handlung anschließen kann: Ja, er kann! Ich bin mega begeistert!

Lyra ist mittlerweile 20 Jahre alt, eine junge Erwachsene, und immer noch im Jordan College in Oxford integriert. Ihre besondere Beziehung zu ihrem Dæmon Pantalaimon hat sehr gelitten, was nicht nur an den früheren Ereignissen liegt, sondern auch an der Entwicklung, die Lyra momentan durchmacht. Es kursieren zwei kontroverse Bücher, die die Rationalität als einzig gültige Weltsicht propagieren, als auch den profanen Standpunkt, das nichts mehr ist als das, was es ist.
Das klingt jetzt vielleicht im ersten Moment nicht wirklich verhängnisvoll, wird aber in Beziehung gesetzt mit dem Glauben an Magie, an Vorahnungen, dem Gefühl für das Außergewöhnliche, dem Staunen über das Unbegreifliche, dem Glauben an die Fantasie.
Dieser Streitpunkt treibt eine tiefe Kluft zwischen Lyra und Pan und führt zu einer folgenschweren Entscheidung.


"Du lebst in einer Welt voller Farben, doch du willst sie in Schwarz-Weiß sehen.
Als wäre Gottfried Brande eine Art Zauberer, der dich alles vergessen ließe, was du geliebt hast,
alles Geheimnisvolle, alle Orte, wo sich die Schatten aufhalten." Seite 216

Natürlich spielt auch die mächtige Organisation des Magisteriums wieder eine wichtige Rolle und ein rätselhaftes Rosenöl, dessen geheimnisvolle Wirkung die Aufmerksamkeit verschiedener Parteien auf sich zieht.

Pullman wechselt zwischen verschiedenen Sichtweisen, so dass man Lyras aufgewühltes Gefühlsleben gut miterleben kann, den Weg, den Malcom auf sich nehmen muss (den man aus der Vorgeschichte "Über den wilden Fluss" kennt) und die Intrigen der hohen Regierungsbeamten, die ihre gebeutelte Machstruktur wieder aufbauen wollen.
Die Gedanken über die Philosophie des Lebens, die Fantasie, den Glauben - Wahrheit oder Wirklichkeit - spielt hier wieder eine tragende Rolle. Auch wenn ich den Austausch in den Dialogen nicht immer gleich durchblickt oder verstanden habe, was dahintersteckt, spürt man in jedem Gespräch eine tiefe Bedeutung mitschwingen, was mich ungemein fasziniert!

Ich fand auch das Thema Freundschaft sehr schön demonstriert, wie sie sich verändert, wenn man sich weiterentwickelt, wie Diskussionen und Meinungen Personen zusammenführen können, oder sich immer weiter voneinander entfernen lassen.

Auch gibt es neue Entwicklungen in der Beziehung Mensch und Dæmon, die ja in Lyras Welt wesentlich und eine Trennung der beiden -eigenlich- nicht möglich ist. Die Idee der Dæmonen hat mich ja an der Reihe schon immer begeistert, dieses Seelentier als Begleiter, der ein Teil von dir ist und doch ein eigenständiges Wesen, das keine Einsamkeit zulässt oder durch das man sich verstanden fühlt.

Noch ist ja nichts absolut geklärt, da noch ein weiterer Band folgen wird, aber die vielen Anspielungen, Andeutungen und aufgeworfenen Fragen haben mich zum Nachdenken angeregt und zum Rätseln, wohin er uns damit führen möchte.

Am Anfang hab ich mich ja noch gefragt, warum da eigentlich ein Zug auf dem Cover ist, aber die Reisen spielen dann tatsächlich jede für sich eine wichtige Rolle, auch wenn es nicht bei jedem gleich ersichtlich ist. Pullman spricht auch andere aktuelle Themen an wie z. B. die Flüchtlingskrise und anderes, und ich hab in einigen (englischen) Rezensionen gesehen, dass manche Standpunkte angeprangert wurden bzw. aus meiner Sicht nicht wirklich verstanden - das verstecke ich euch hier aber im


Zum einen geht es darum, dass Malcolm, mittlerweile 31 Jahre alt, seit einiger Zeit starke Gefühle für Lyra empfindet - und zwar seit sie Studentin ist. Zumindest habe ich das so rausgelesen. Das scheint einigen sehr zuwider zu sein, ich aber gut nachvollziehen kann, so wie Pullman das hier eingebaut hat. Malcolm behält diese Gefühle für sich, geht Lyra so gut es geht aus dem Weg und spürt vor allem jetzt, da sie mehr Kontakt haben, wie tief seine Gefühle tatsächlich zu ihr sind (sie ist mittlerweile übrigens 20 Jahre alt)
In dem Zusammenhang ist mir sofort die doch recht bekannte Inspektor Lynley Reihe von Elizabeth George eingefallen, in der ein Simon St James sein Mündel heiratet, dass er sozusagen mit aufgezogen hat und ein größerer Altersunterschied besteht - hier habe ich noch nie irgendwelche Empörung darüber gelesen ...
Der zweite Punkt ist die Beinahe Vergewaltigung von Lyra durch Soldaten. Ob das jetzt eine Notwendigkeit für die Handlung war steht noch nicht fest, aber die Kritik, dass Pullman hier Frauen insgesamt mehr als "Objekte" beschreibt finde ich absolut nicht zutreffend. Er hat einige starke Frauenrollen in dieser Geschichte und auch Lyra weiß sich tatkräftig zu wehren. Sie ist in dieser Situation auch nicht das "typische Opfer", wie ebenfalls kritisiert wird, sondern zeigt, dass man unabhängig vom Aussehen oder Verhalten Opfer werden kann.

Auch scheint einigen die Einordnung als Jugendbuch gegen den Strich zu gehen, nicht nur wegen mancher Szenen sondern auch wegen dem Verständnis der tiefgründigen Philosophien. Das war allerdings auch schon im Goldenen Kompass so, aber die Handlung wirkt hier definitiv eher an Erwachsene gerichtet - wobei eben auch schon in der vorherigen Trilogie das Denken herausgefordert wird, was durchaus schon Jugendliche schaffen ;)

Wichtig finde ich hier wirklich, dass man die Bücher der Reihe nach lesen sollte, am besten so, wie ich es unten in der Liste aufgeführt habe. Ohne Vorkenntnisse ist "Ans andere Ende der Welt" sicher schwer zu verstehen. Vor allem kommen auch viele Charaktere aus den vorherigen Teilen vor und ich denke nicht, dass man die Zusammenhänge verstehen würde. 


Meine Bewertung
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http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen


Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.


Ebenfalls rezensiert von

Nicoles Bücherwelt 4/5

   

Ans andere Ende der Welt

von Philip Pullman

Fortsetzung der Trilogie His Dark Materials
Im Original The Secret Commonwealth / The Book of Dust #2
übersetzt von Antoinette Gittinger

Verlag Carlsen // Seitenzahl 752 // 1. Auflage März 2020




Die Reihe

1 - Der goldene Kompass - His Dark Materials #1
2 - Das magische Messer - His Dark Materials #2
3 - Das Bernsteinteleskop - His Dark Materials #3
0 - Über den wilden Fluss - The Book of Dust #1
4 - Ans andere Ende der Welt - The Book of Dust #2
5 - noch nicht erschienen - The Book of Dust #3


Kommentare:

  1. Oh, es gibt eine Fortsetzung. Ist mir gar nicht aufgefallen. Die ersten beiden Bücher haben mir noch sehr gut gefallen, die anderen beiden dann weniger. Das lässt mich immer ein wenig unschlüssig werden, ob ich solche neuen Bücher lesen soll oder nicht ...

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    1. Das ist sehr schade ... aber wenns dir dann nicht mehr gefallen hat ist klar, dass dich das jetzt nicht so sehr reizt.

      Du meinst dann "Das Bernsteinteleskop" und "Über den wilden Fluss", die dir nicht mehr so gefallen haben? Dabei war Band 3 der Trilogie ja mega für mich :)

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    2. Ich fand, dass schon "Das Bernsteinteleskop" nicht an die ersten beiden Teile herankam und "Über den wilden Fluss" empfand ich ein wenig ideenlos. Wir können ja nicht immer einer Meinung sein :D

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  2. Huhu Aleshanee :)

    Klingt wirklich gut, was du schreibst. Jetzt bin ich doch ein wenig neugierig auf die Geschichte geworden. Ich finde es ja auch mal ganz gut, wenn Jugendbücher ein bisschen tiefgründiger sind und auch mal philosophische Sachen eingebaut werden.
    Aber ich fürchte, ich werde die Trilogie nochmal lesen müssen, weil ich mich ehrlich gesagt nicht mehr wirklich an was erinnern kann. Das wenige, was ich noch weiß und vor Augen habe, stammt aus dem Film. Da sollte ich meine Erinnerungen defintiv auffrischen, vor allem wenn du sagst, das man das Vorwissen braucht.

    Lieben Gruß
    Andrea

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    1. Oh ja, also seine haben ja sehr tiefgreifende Hintergründe - die hab ich damals, als 14jährige, gar nicht alle durchblickt ... aber manches spürt man da schon. Beim re-read kam das alles nochmal umso deutlicher "hoch".

      Ich denke wirklich, dass es besser ist die vorherigen Bücher zu kennen. Ganz frisch ist natürlich am besten, aber zumindest soll man die Hintergründe einigermaßen noch im Kopf haben, dann geht es schon ;)

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  3. Hallo Alex,

    das freut mich, dass es Dir so gut gefallen hat. Ich freue mich auch schon auf das Buch, werde aber noch warten. Im Moment ist es mir viel zu teuer.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Ja, teuer ist es definitiv! Aber ich bin gespannt was du zur Geschichte sagen wirst, wenn du sie liest <3

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