Montag, 3. April 2017

Rezension: Smoke von Dan Vyleta

Smoke 
von Dan Vyleta

aus dem amerikanischen von Katrin Segerer
Genre: historische Mystery mit der existenziellen Frage nach der Berechtigung von Gut und Böse

Verlag: carl´s books
Seitenzahl: 624
Taschenbuch: 16,99 €
ebook: 9,99 €

1. Auflage: März 2017





Verlagsinfo
 

Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre?
Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht. Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen.
Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und welche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan ...



Buchtrailer
 




"Wie die meisten Bücher, die vorgeben, von der Vergangenheit zu handeln, 
handelt auch dieses von der Gegenwart. die Vergangenheit dient ihr zugleich 
als Leinwand und Kontrastfigur: ein Schattenriss, der das Nachdenken über uns selbst 
spannender macht und von den Fesseln der Vernunft befreit." S. 617

Meine Meinung
 

Das Zitat stammt aus dem Nach/Dankeswort des Autors und genauso hab ich diese Geschichte auch empfunden. Das ganze war völlig anders als erwartet, denn ich hatte nach dem Klappentext ein Abenteuer erwartet, ein unterhaltsames, viktorianisches Abenteuer mit einem Hauch Mystik. Doch es ist so viel mehr!

Schon der Anfang hat sehr gut die Atmosphäre eingefangen, die zurzeit der Geschichte in England herrscht, bzw. vom Rauch beherrscht wird. Jeder böse Gedanke, jede böse Tat wird durch den Rauch offenbar, der den Menschen aus den Poren strömt und so für jeden sichtbar gemacht wird. Doch es gibt Ausnahmen, wie immer und vor allem gibt es die Adeligen, die Reichen: die Reinen. Anhand ihrer Kleidung schnell zu erkennen, denn sie ist nicht rußgeschwärzt vom Rauch der Sünde, sondern blütenweiß. 

Thomas und Charlie sind beide auf einem Eliteinternat, denn auch ihre Eltern zählen zur Oberschicht. Dort geht es aber auch eher zu wie in einem Gefängnis, denn es gibt strikte Regeln und harte Konsequenzen. Ihr Leben dreht sich einzig um Kontrolle und Disziplin - was natürlich auch unter den jungen Männern selbst zu Rivalitäten führt. Aber die Angst sitzt viel zu tief und so folgen sie den Doktrinen, die ihnen von Geburt an aufgezwungen wurden.

"Wir sind einsame Geschöpfe," hat meine Mutter immer gesagt.
Wir leben in unseren Köpfen." S. 75

Thomas aber ist anders. Und mit ihm sein bester Freund Charlie, die auf ihrer Suche nach der Wahrheit hinter dem Rauch auf ungeahnte Geheimnisse stoßen, die ihre Sichtweise auf die Welt völlig verändern. 
Dabei setzt der Autor geschickt Perspektivenwechsel ein, aber nicht nur von den beiden Jungen, sondern auch andere relevante Figuren kommen zu Wort - und so erfährt man ihre Gedanken und Gefühle, die nach außen hin alle im Verborgenen bleiben. Die Atmosphäre ist sehr düster, das Tempo eher ruhig und der Schreibstil großartig mit vielen anschaulichen Details und stilgerechten Metaphern. Mir hat er jedenfalls sehr gefallen, aber dieses langsame Anschleichen und Erzählen muss man mögen. Es wird jedenfalls nie langweilig, weil immer wieder etwas passiert oder neue Entdeckungen über den Rauch gemacht werden, die einen zum Nachdenken bringen. Denn ist es wirklich das Böse, das der Rauch so offen zeigt? Und für welches Leben entscheiden sich diejenigen wirklich, die dem Rauch vollkommen abgeschworen haben? 

"Ich hätte einfach gehen können. [...] Aber das macht man ja nicht, oder?
Man sitzt im Dunkeln und erduldet es." S. 545

Das Böse, die Sünde, alles Schlechte offenbart sich hier in den rußgeschwärzten Atemzügen der Menschheit - aber wie tugendhaft kann man sein, während man gleichzeitig noch ein lebenswertes Leben lebt. Ein stetes Rinnsal nichtssagender Momente wäre es doch ohne die Leidenschaft, egal aus welchem Anlaß sie geboren wird. Denn was macht den Menschen, was macht das Leben denn aus, wenn man nichts erlebt, was tiefer geht. Was die Gefühle aufleben lässt, wenn sie uns überrollen und eintauchen lassen in eine Welle der Unvernunft; ein berauschendes Gefühl ohne Scham und Schuld, ein Moment, der ein einfaches Verlangen stillt und uns mit Glück erfüllt. 
Geht das? Oder haben wir es verlernt, im Laufe der Jahre, die wir uns anpassen und uns in einer Welt aus Korruption und Macht einer Scheinheiligkeit unterwerfen, die uns glauben machen soll, dass andere immer besser sein werden als wir selbst?

"Du versuchst, eine Heilige zu sein. Aber das passt nicht zu dir."
"Soll das heißen, dass ich im Grunde meines Herzens ein schlechter Mensch bin?"
Er schweigt, länger als angenehm. "Nicht schlecht, nein. Einfach du selbst." S. 254

In jedem von uns steckt Menschlichkeit, stecken Gefühle, die ein wahres Kaleidoskop von der Vielfältigkeit zum Besten geben, die unser Leben so erfüllt und ja, faszinierend macht. 

Ich denke, ich habe verstanden worauf Dan Vyleta hinauswollte, was ihn bewegt hat zu zeigen, dass das leidenschaftliche Gefühl nichts schlechtes ist, die Unbefangenheit, mit der wir noch als Kinder in den Tag hinein lebten, und die wir immer mehr unterdrücken, je älter wir werden. 
Wir leben nur einmal und da sollte doch eins unserer ersten Ziele sein, glückliche und erfüllte Tage zu leben und sie nicht mit Einschränkungen und Dogmen zu beschneiden. 

Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen


 © Aleshanee 




Über den Autor: Dan Vyleta wurde 1974 als Sohn tschechischer Einwanderer in Gelsenkirchen geboren. Nach dem Abitur studierte er in England und Wien Geschichte und promovierte am King’s College in Cambridge. Er hat bisher drei z.T. preisgekrönte Romane veröffentlicht, die in über zehn Ländern erschienen sind und von der Presse begeistert aufgenommen wurden. Nach vielen Jahren in Kanada lebt Dan Vyleta im Moment in England.
Quelle: Carl´s books

Kommentare:

  1. Huhu

    Das Buch steht ganz oben auf meiner wuli. Ich habe neulich eine ganz begeisterte Rezi davon gelesen und jetzt deine noch dazu. Ich muss es lesen :D

    LG Sonja

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    1. Das freut mich! Es gibt ja einige doch eher negative Meinungen - das Buch ist auch sehr speziell ... aber wenn man sich davon einfangen lässt, ist es super! :)

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  2. Huhu ^^

    das du wirklich schön geschrieben. Was die Aussage des Buches angeht, kann ich mich nur anschließen. Da stecken großartige Gedanken in dem Buch. Auch die Ideen und den Schreibstil des Autors fand ich wirklich super.
    Für mich hat es sich leider zum Ende hin etwas verloren, wie du weißt, aber trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre :). Die Zitate die du dir rausgeschrieben hast, sind auch wirklich passend ^^. Schöne Rezi mal wieder ♥.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Dankeschön :)

      Ja, es war schon sehr abgedreht am Ende, aber das fand ich nicht schlimm, irgendwie hat das schon für mich so gepasst gehabt. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass es anderen eben anders geht.
      Das ist sehr individuell ... aber ich finde eben auch die grundlegenden Themen, die hier angesprochen wurden, und vor allem wie, total interessant!

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  3. Hallo,
    also ich wollte das Buch ja auch noch unbedingt haben - deine Rezension bestärkt mich wieder darin. Denn mittlerweile habe ich auch ganz schlechte Rezies gelesen ... das bringt mich dann immer etwas zu nachdenken.
    Liebe Grüße Anett.

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    1. Da muss du abwägen ;)
      Manchmal halten mich negative Rezis ab von einem Buch, manchmal machen sie mich erst recht neugierig. Es kommt halt immer drauf an, was genau drinsteht, was nicht gepasst hat ...

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  4. Liebe Aleshanee,
    ich war so frei und habe deine Rezension in meinem Wochenrückblick mit verlinkt:
    http://anettsbuecherwelt.blogspot.de/2017/04/plauderei-mein-wochenruckblick-und.html

    Liebe Grüße Anett

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