Donnerstag, 27. Juli 2017

Rezension: Heartware von Jenny-Mai Nuyen

HeartWare 

von Jenny-Mai Nuyen

Genre: Spionage-Technik-Thriller

Verlag: Rowohlt
Seitenzahl: 416
Taschenbuch: 14,99 €
Ebook: 12,99 €

1. Auflage: Juli 2017





"In ihrer Struktur mag die Natur reine Mathematik sein, streng geordnet nach Gesetzen,
aber wo Leben entsteht, da bäumt es sich gegen die Ordnung auf. 
Da kommt die Freiheit ins Spiel!" S. 317


Klappentext
 

Adam Eli hat seine Chance genutzt: Er ist erfolgreicher Ghostwriter, tut alles, um seine kriminelle Jugend vergessen zu machen. Eines verbindet ihn noch mit seinem alten Leben: Seine große Liebe Willenja. Die letzte Begegnung liegt lange zurück, bis heute weiß er nicht, ob sie es war, die ihn damals verriet.
Antwort darauf verspricht der Internettycoon Balthus - wenn Adam sich an der Suche nach Willenja beteiligt. Denn die junge Frau hat den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen. Um Geld zu erpressen? Oder vielleicht sogar einen Terroranschlag zu verüben?
Eine atemlose Jagd von den Urwäldern Boliviens über Dubai bis Tokio beginnt …




Meine Meinung
 

Der Name der Autorin war mir schon bekannt, allerdings hatte ich bisher immer nur Bücher in Richtung Fantasy in ihrem Zusammenhang gesehen. Der neue Thriller hat mich deshalb sehr gereizt - zum einen weil ich eh schon immer etwas von ihr lesen wollte und zum anderen, inwieweit sie einen Thriller schreibt, da vor allem ihr atmosphärischer Schreibstil meist hervorgehoben und gelobt wird. Auf diese Mischung und wie das zusammenpasst, war ich sehr gespannt!

Die Atmosphäre jedenfalls war durchwegs sehr einnehmend und fesselnd. Ich hab von Anfang an einen Sog gespürt, mich weiter in der Geschichte fallen zu lassen. Schon der Prolog, der zwar verrät, wohin das ganze letztendlich führen wird, hat meine Neugier geweckt - umso gespannter war ich, dass trotzdem alles noch offen war. Überhaupt ist der Aufbau sehr geschickt gemacht, denn man weiß eigentlich sehr lange nicht, wie das ganze zusammenhängt. 

Adam Eli, ein sehr in sich gekehrter junger Mann, der in seiner Vergangenheit lebt, gefangen in der Erinnerung zu seiner einzigen großen Liebe, die er nie vergessen kann. Seine Obsession drängt ihn in die Einsamkeit, in den Verzicht auf alles menschliche, weil er auf das Gefühl aus der Vergangenheit einfach nicht verzichten kann. Durch ihn lernt man dann auch Will kennen, ein Mädchen, deren Tragweite größer ist, als man anfangs glauben mag. Auch wenn scheinbar sämtliche Geheimdienste hinter ihr her sind, bleibt es lange Zeit ein Rätsel, welche Rolle sie tatsächlich spielt.
Und dann natürlich Mariel Marigny, auch ihr Part bleibt mysteriös, denn hinter ihrer Suche steckt auch mehr, als man anfangs vermutet.

Während man zwar tiefe Einblicke in alle Charaktere bekommt, da die Perspektiven zwischen ihnen wechseln, kommt man der Wahrheit nur langsam näher; gerade im letzten Drittel steigt die Spannung immer mehr an und es gab einige Überraschungen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte!

Es ist insgesamt eher ruhiger, mit einer sehr intensiven Stimmung, die durch die Figuren geprägt ist: ihre Ängste, Zweifel und undurchsichtigen Beweggründe. Das zieht sich durch die gesamte Handlung und hat mich jeden Moment eindinglich spüren lassen. Groß angelegte Action darf man hier nicht erwarten, aber eine eindringliche und sehr tiefgreifende Geschichte über die Menschen, ihre Absichten und Gefühle - und über den Fortschritt der Technik, der uns Freiheit verspricht, aber zwischen Korrelation und Abhängigkeit gefangen hält. 

"Um den ganzen Erdball knisterte das Geplapper und dehnte sich mit jeder Sekunde weiter aus, deckte noch mehr ab, machte sich zur absoluten Oberfläche der Menschheit: 
Sie bestand hauptsächlich aus süßen Tierbabyfotos, Selfies und Pornos. 
Ein in Milliarden Bits übersetzter Schrei nach Liebe." S. 219

Die Frage nach der Unterwerfung stellt sich, nach der Abhängigkeit der Handys, Tablets, PCs und sämtlichen anderen technischen Errungenschaften, die uns das Leben zwar leichter machen, aber dafür auch eingeschränkter. Wir wissen nicht, was dahinter schlummert, wohin es führen wird und trotzdem setzen wir alles daran, weiter zu forschen und unser Wissen zu vermehren - um die Welt zu begreifen? Um den Sinn zu erfassen? Ob er tatsächlich mittels Hardware zu finden ist, oder nicht doch mit "Heart", mit dem Herzen? 

Mit dem Ende war ich nicht ganz so zufrieden, aber vielleicht musste es so enden, denn schließlich ist die Zukunft nicht eindeutig, sondern ein sich ständig entwickelnder, neu erschaffender Prozeß.


Zusammengefasst
 

Thematik: Menschliche Abgründe und die Zukunft der Technik
Schreibstil: Fesselnd, spielerisch nüchtern, und mit einer dichten Atmosphäre
Charaktere: Sehr essenziell und mit ungeschminkter Wahrheit authentisch
Tempo/Spannung:  Eher ruhig, aber mit Sogwirkung
Umsetzung: Großartiger Aufbau und intensive Charakterstudie mit einer faszinierenden Zukunftsvision


Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/4%2F5%20Sonnen



© Aleshanee


Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar


Über die Autorin: Jenny-Mai Nuyen wurde 1988 als Tochter deutsch-vietnamesischer Eltern in München geboren. Geschichten schreibt sie, seit sie fünf ist, mit zehn folgte das erste Drehbuch, mit dreizehn ihr erster Roman. Seit ihrem literarischen Debüt «Nijura – das Erbe der Elfenkrone» gilt sie als eine der größten Entdeckungen der letzten Jahre. Nach einem Filmstudium an der New York University lebt Jenny-Mai Nuyen heute in Berlin, studiert Philosophie und widmet sich dem Schreiben. 
Quelle: Rowohlt Verlag

Kommentare:

  1. Huhu Alex :)

    ach man. Das kannst du doch nicht machen. Jetzt landet schon wieder ein Buch auf der Wunschliste... Hört das auch mal auf? xD
    Haha, schön, dass es dir so gut gefallen hat. Von der Autorin wollte ich auch schon immer mal was lesen. Danke für die tolle Rezi ;).

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Hihi, freut mich, dass ich dich neugierig machen konnte :)
      Sie schreibt schon sehr speziell und das muss man mögen - mich hat sie jedenfalls total erwischt :D

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  2. Guten Morgen,

    bei dem Buch habe ich erst überlegt ob ich es auch lesen mag. Hatten mich aber wegen des hohen SuBs dagegen entschieden.
    Die Thematik reizt mich natürlich und nachdem du geschrieben hast das eis eine Sogwirkung hat, werde ich es mir vielleicht doch noch überlegen ;-)

    Liebe GRüße,
    Vanessa

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    1. Es ist echt schwer einzuschätzen, wem das Buch gefallen könnte - es ist schon sehr speziell aufgebaut und man muss die Charaktere mögen bzw. interessant finden.
      Vielleicht hast du ja die Möglichkeit, mal reinzulesen?

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