Dienstag, 11. August 2020

LeserStimmen - über was dürfen Autoren schreiben?

LeserStimmen: Über was dürfen Autoren schreiben?


Tjoa, an sich über alles.

Ich finde diese Frage ja recht seltsam, stolpere aber immer wieder darüber, letztens bei der Aktion "Montagsfrage" -> Ob Frauen lieber aus weiblicher Perspektive schreiben sollen, da sie die ja definitiv besser kennen als die männliche ...

Mal ganz abgesehen davon dass jede Frau, jeder Mann, ja, ich würde mal sagen: jeder Mensch anders fühlt und denkt, dürften Bücher aufgrund solcher seltsamen Fragestellungen nur noch Autobiografien sein ^^

Jede Geschichte, jede Figur darin, entspringt der Fantasie und der Vorstellungskraft des Autors oder der Autorin, ob da jetzt andere Geschlechter drin vorkommen, Kinder, alte Menschen, psychische Krankheiten, körperliche Krankheiten, verschiedene Hautfarben, usw. - das wird natürlich nie jedem Einzelnen gerecht. Jeder, der das Buch liest, wird es anders wahrnehmen aufgrund seines eigenen Charakters und seiner Erfahrung. 

Genauso wie Autoren aus ihrer eigenen Persönlichkeit heraus "ihre" Geschichten zu Papier bringen und dort ihre eigenen Erfahrungen einfließen lassen. Inwieweit das dann realitätsbezogen ist oder der allgemeinen Meinung entspricht, ist natürlich die andere Frage. 
Aber ich finde es schon wirklich seltsam, dass solche "Anforderungen" immer wieder auftauchen. 

Das ist doch gerade menschlich, sich in andere einzufühlen, zu schauen wie Figuren reagieren, interagieren und mit schwierigen Situationen umgehen.
Wie gesagt, ob jeder Schreiberling damit "gut" umgeht ist immer subjektiv. Man erkennt, wenn man genauer hinschaut, recht schnell wie "der Autor" tickt bzw. welche Botschaften er in der Geschichte transportiert. Damit mag ich konform gehen oder nicht, allerdings würde ich nie verbieten, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
Eine so allgemein formulierte Einschränkung, worüber man schreiben darf und worüber nicht finde ich sehr bedenklich.

Zur Zeit gibt es eh schon so viele Zensuren und Meinungen, die man nicht öffentlich sagen "darf" ohne schief angeschaut zu werden, was ich ganz schlimm finde. Nach Toleranz und Freiheit wird ja immer gerufen und gepredigt, im Endeffekte aber nur akzeptiert, wenns die eigene Meinung unterstützt.
Ich teile natürlich auch nicht jede Meinung, aber ich gestehe jedem seine eigene zu. Ob sie mir gefällt und ob ich mit demjenigen dann meine Zeit verbringen will (ob persönlich oder in den Büchern) ist die andere Frage, aber ich akzeptiere jeden wie er ist. Ich kann ja in keinen reinschauen und sehen, warum derjenige so denkt. Wenn es mich interessiert kann ich nachfragen und überlegen, ob ich es nachvollziehen kann ... aber das weitet das Thema jetzt zu sehr aus und ich hab ein bisschen den Faden verloren *lach*

Jedenfalls gerade im Bezug auf die Sichtweise einzelner Figuren darf jeder ausprobieren, wie es sich anfühlt, diese Person zu (er)leben und das in Geschichten weiterzugeben. Es gibt so eine Vielzahl und damit Vielfalt an Menschen, und eine Einteilung weder in Rasse, Gesundheit, Geschlecht finde ich hier (nicht immer) maßgeblich, auf unserer Welt ist alles vertreten in Bezug darauf, sich nicht einfühlen zu können. Wirklich empfinden wie ein anderer können wir sowieso nie, aber wir können es versuchen ;)
"So etwas würde so jemand nie sagen oder tun", das gibt es - zumindest für mich - einfach nicht, weil ich da schon zu viel erlebt und gesehen habe, das ich von solchen Gedanken abgekommen bin.

Ein etwas schwieriges Thema, um es in Worte zu fassen, ich hoffe, ich hab mich verständlich ausgedrückt, denn natürlich mag ich auch keine beleidigenden, rassistischen oder ähnlich angehauchte Bücher, aber die muss ich ja nicht lesen. 

Wie gesagt, es schwingen ja auch immer Botschaften mit in den Geschichten, die sehr wohl fragwürdig sein können, aber prinzipiell Menschen abzusprechen, worüber sie schreiben "können", find ich eine ganz verquere Richtung.
Was meint ihr dazu?





 

Kommentare:

  1. Guten Morgen Aleshanee :)

    Von der Diskussion lese ich auch immer wieder. Per se bin ich voll und ganz deiner Meinung: jeder sollte das Schreiben können, was er gerne möchte. Und jeder sollte seine Meinung in den Werken vertreten dürfen. Ob mir das dann gefällt oder nicht, steht da auf einem anderen Blatt. Ich muss es ja auch nicht mögen, aber ich finde es auch verquer, den Leuten vorschreiben zu wollen, was sie schreiben sollen.

    Eine Einschränkung hab ich aber dann doch - wobei Einschränkung auch nicht das richtige Wort ist, eine Bitte vielleicht: Recherche. Egal, um welches Thema es sich handelt, es sollte gut recherchiert sein. Es geht ja doch manchmal der Turnus um, dass AutorInnen nur das Schreiben sollen, was sie selbst erlebt haben (seien es Krankheiten, Sportarten, LGBTQ, etc). Das finde ich Schwachsinn. Aber trotzdem würde ich mir wünschen, dass man gerade bei solchen Themen sich die Zeit nimmt und es gut recherchiert. Ich finde es nämlich immer schade, wenn jemand, der bspw eine Sportart nicht gemacht hat, aber darüber schreiben will, Fehler einbaut, wo sich einem Kenner die Haare sträuben. Was man mit guter Recherche vermeiden könnte.

    Viele Grüße
    Andrea

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    1. Komisch, dass diese Diskussion immer wieder auflebt oder? Obwohl ich sie ja jetzt selbst angeregt hab *lach* Aber ich finde diese Frage/Forderung einfach so irrelevant, das ich sie einfach auch mal selbst in den Raum werfen musste :D

      Ja, Recherche finde ich schon auch wichtig. Aber an sich sollte es gar nicht erwähnenswert sein sondern selbstverständlich ^^
      Ob eine logisch aufgebaute Handlung, eine stimmige Fantasywelt oder reale Schauplätze / Vergangenheiten / Städte / Sportarten, da sollte natürlich eine fundierte Recherche bzw. ein zuverlässiges Wissen vorhanden sein, das schlüssig ist und sich nicht widerspricht. Ich denke du weißt was ich meine und da sind wir uns auf jeden Fall einig ;)

      Mir fällt das ja oft gar nicht so auf, zum Glück? ^^ Aber wenn ich es merke bin ich schon auch enttäuscht. Wenn ich ein Thema in eine Geschichte einbaue sollte es mir schon so wichtig sein, dass ich mich darüber informiere.

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    2. Hehe^^ ich lese sie eben oft in einer Gruppe über LGBTQ-Bücher, gerade wenn es um solche Themen wie Transsexualität geht. Da wird öfter gemeint, dass man nur darüber schreiben sollte, wenn man das auch kennt. Wobei "kennen" hier meistens so weit gefasst wird, dass man einen Menschen mit dem "Problem" kennt.

      Ich finde es auch selbstverständlich, aber irgendwie stößt man dann ja doch wieder auf ein Buch, wo diese mangelhaft ist. Meistens fällt einem das ja gar nicht auf, nur wenn man sich selbst mit dem Thema ein bisschen auskennt.

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  2. Dimitrios Zafiris11 August, 2020 08:39

    Das ist einer dieser Beiträge bei dem ich bereits vor dem Lesen weiß, dass ich kommentieren werde. Leider ist es auch ein Beitrag bei dem ich nach dem Lesen nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es kann gut sein, dass ich etwas am Thema vorbeischieße :)
    Vorweg gesagt: Ich stimme dir vollkommen zu. Wenn man diese Denkweise zuende führt, gäbe es nur noch Autobiografien, denn die eigene Lebensgeschichte kennt man definitiv besser, als jede erdachte. Darf ich mir trotzdem welche ausdenken und sie publizieren? Oh yes, solange ich ein Impressum dazu schreibe, damit man mich zur Not verklagen kann.
    Aber jetzt mal im Ernst, ich weiß wirklich nicht, was ich von solchen "Ratschlägen" halten soll. Ich glaube, da hat jemand den Schreibtipp "write what you know" ein wenig zu genau genommen ... oder ist ihn vollkommen falsch angegangen. Bei fiktionalen Werken geht nicht darum, eigene Erfahrungen 1:1 abzubilden oder eigene Gedanken ungefiltert auf die Seiten zu klatschen. Ersteres ist gar nicht möglich, zweiteres in meinen Augen ein Betrug an die Leser.

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    1. Haha, deine Einleitung trifft es sehr gut! *lach* Ich wusste bei dem Montagsfrage Thema auch sofort, dass ich das gerne zur Diskussion stellen möchte - wusste aber überhaupt nicht so recht wie ich das ganze in Worte fassen soll :D

      In Prinzip kann man ja nur "aus eigenen Erfahrungen" heraus schreiben, andere hat man ja nicht gemacht. Aber dafür haben wir ja auch die Fantasie, die Vorstellungskraft, das Mitgefühl, das uns befähigt, schöpferisch zu sein. Eine große Kraft die sich gerade in Geschichten widerspiegelt! In der Erklärung der Welt in diesen Geschichten die es schon gibt seit Menschen sich irgendwie ausdrücken können - zumindest glaube ich das :)

      Hier irgendwelche Riegel vorzuschhieben ist total schwachsinnig, um es beim Namen zu nennen und man merkt ja als Leser selbst recht schnell, ob einem die Sichtweise/der Stil einer Geschichte gefällt und wie gut man darin mitgehen kann. Natürlich gefällt nicht alles, aber das ist ja in allen Dingen so ;)

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  3. Hallo Aleshanee,

    ja, die Frage kommt immer wieder auf, kann aber sehr vielschichtig sein. Bei meiner Antwort auf die Montagsfrage bin ich z.B. auch kurz auf das Verhältnis von männlichen un weiblichen Autoren eingegangen, finde aber, dass jeglicher Zwang (eine weibliche Autoren sollte bitte schön auch weibliche Fguren in ihrem Roman einbauen) in der Literaturwelt unangebracht ist.

    Etwas ähnliches ist mir bei dem Buch "American Dirt" über den Weg gelaufen. Dort wurde der Autorin vorgeworfen, dass sie gar nicht über das Leben mexikanischer Migranten hätte schreiben dürfen, weil ihre Wurzeln gar nicht mexikanisch sein. Klar, die Kritik wurde hauptsächlich in den USA ausgesprochen, die bekanntlich ja gern in Extremen leben, aber dennoch geht es in die gleiche (falsche) Richtung.

    Ich versuche dann in meinen Rezensionen für ein bisschen mehr Toleranz und Freiheit zu werben, denn ich sehe das wie Du, dass dies sehr hohe und wertvolle Güter sind, die wir in Deutschland sehr schätzen sollten. Ich glaube, dass das manchmal verloren geht, dass wir in einem außergewöhnlichen komfortablen und toleranten Land leben. Ein Blick in die Welt zeigt tagtäglich, dass dies mittlerweile (leider) zu einem Luxus geworden ist.

    Viele Grüße zurück aus der Sommerpause :)
    Frank

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    1. Ich denke, jeglicher Zwang irgendwohin ist hier fehl am Platz. Geschichten entstehen (für mich) aus einem inneren Bedürfnis heraus, etwas loszuwerden oder zu verarbeiten und da ergibt es sich von selbst, über was geschrieben wird ... zumindest sollte es so sein meiner Ansicht nach. Oder einfach aus Spaß daran, seiner Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen :D

      Hm, gutes Beispiel mit "American Dirt" - warum sollte sie nicht darüber schreiben dürfen, wenn sie sich ein Bild davon gemacht hat ... ist natürlich ihr eigenes Bild, aber das darf sie ja weitergeben! Natürlich können dadurch Diskussionen zustande kommen, aber das ist ja grade das schöne daran!

      Ah, zurück aus der Sommerpause! :D Dann Welcome back!

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    2. Zwang ist immer schlecht und fehl am Platz, egal in welchem Bereich (selbst in der Erziehung ;)). Bei der Ausübung seines Hobbies aber noch viel mehr, was u.a. auch das Verfassen von Rezensionen betrifft. Hier versuchen ja auch immer wieder einzelne Gestalten "vorzuschreiben" wie eine gute Rezension auszusehen hat.

      Es gibt natürlich Themen, die sehr schwierig sind in einer Geschichte einzubauen, aber hey, wieviele schlechte Bücher gibt es, bei denen es nicht geklappt hat? Dennoch sollte niemand den Autoren verbieten Schund zu schreiben, was auch immer sie antreibt, dies zu tun. Scheint ja manchmal ein Akt der Befreiung zu sein, aber das ist ein anderes Thema :D

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    3. Ja, da hast du definitiv recht!
      Bei Rezensionen, da ist es tatsächlich so dass oft gesagt wird, wie eine "richtige" Rezension aussehen soll. Aber das gibt es einfach nicht, da sollte auch jedem überlassen sein, wie er das handhabt...

      Haha, ja so sehe ich das auch! :D

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  4. Hallo liebe Aleshanee,

    meiner Meinung nach DARF jed*r schreiben, worüber er*sie möchte (Meinungsfreiheit und so, wobei ich auch finde, dass Meinungsfreiheit da ihre Grenzen hat, wo andere Personen verletzt werden, und dann darf man eben andere mit den eigenen Worten nicht verletzen, klingt an sich logisch, ist aber nicht so simpel und anerkannt, wie es wirkt), die Frage sollte eher sein, was SOLLEN Autor*innen schreiben.
    Und ich persönlich finde, jede*r Autor*in sollte sich damit auseinandersetzen, dass er*sie eine Verantwortung hat. Gegenüber den Leser*innen, die vielleicht vermittelte Werte unreflektiert aufnehmen (ich habe zum Beispiel bis heute ein völlig falsches Bild von romantischen Beziehungen) und, wenn man über marginalisierte Gruppen schreibt, auch gegenüber diesen. Denn eine falsche Darstellung kann verletzen, kann Vorurteile verstärken und retraumatisieren, und damit, vielleicht auch ungewollt, Diskriminierung forcieren. Und meiner Meinung nach sollte das jedem*r Autor*in bewusst sein - und das ist es ja eigentlich auch, worauf Kritik abzielt, wenn zum Beispiel weißen Autor*innen davon abgeraten wird, den Kampf einer Schwarzen Hauptfigur mit Rassismus darzustellen. Nicht, weil er*sie es nicht schreiben DARF, niemand wird da die Polizei vorbeischicken, sondern weil er*sie es nicht sollte, weil es da Diskriminierungsstrukturen gibt, die er*sie schwerlich nachempfinden kann. Weil wir schnell rassistische Denkmuster reproduzieren, dennen wir uns vielleicht nicht bewusst sind.
    Dass die Sache komplexer ist, ist klar, denn umgekehrt ist es wichtig, divere Bücher zu haben. Auch weiße heterosexuelle cis Autoren sollten diverse Charakere inkludieren, aber dann sollten sie bitte auch recherchieren, evt. Sensitivity Reader zurate ziehen und sich Mühe geben, eine nicht verletztende Repräsentation zu schaffen. Wenn ich über Vampire schreibe, recherchier ich ja auch vorher die Legenden, und da bin ich nicht in Gefahr, reale Gruppen von Menschen ungewollt durch mein Schreiben zu verletzen.
    Vorausgesetzt natürlich, dem*der Autor*in liegt etwas darin, mit seinem*ihren Werk nicht zu verletzen.
    Und als Leser*in wünsche ich mir dann einfach, dass der*die Autor*in recherchiert hat, sich Gedanken gemacht hat und reflektiert hat, wenn er*sie marginalisierte Gruppen einbaut. Weil es für mich etwas anderes ist, mich in einen Charakter hineinzuversetzen, der einen anderen Beruf hat, als in einen, der anders rassifiziert ist.
    Von daher nervt mich dann auch, wenn manche sich aufregen, was man denn noch schreiben dürfe. Es gibt keine Zensur. Es gibt nur Menschen, die Autor*innen kritisieren, weil sie Darstellungen verletzend finden, es ist Teil der Meinungsfreiheit, dass sie das dürfen, und jede*r, der*die publiziert, muss Kritik akzeptieren. Leser*innen dürfen kritisieren, worüber geschrieben werden sollte oder nicht, ihrer Meinung nach. Sie dürfen abraten, empfehlen und Wünsche äußern. Und das ist nicht dasselbe, als wenn Bücher geschwärzt erscheinen.

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Was "Sollen" Autor/innen schreiben finde ich ähnlich ... jeder sollte darüber schreiben, was ihm wichtig ist und worüber er/sie sich mitteilen möchte ;)

      Hm, also so ganz sehe ich das nicht so was du da beschreibst.
      Das ist auch so ein Thema mit "prägenden" Büchern. Natürlich nimmt man viel an von dem, was man liest, ob positiv oder negativ, aber es beeinflusst einen auch nur insoweit, wie zuvor schon ein Nährboden dafür in uns da ist.

      Verletztend oder rassistisch, das steht außer Frage, sowas möchte ich nicht lesen und braucht auch niemand. Wenns keiner kauft/liest findet sich dafür ja auch kein Markt. Aber es spiegelt halt auch wider was in den Köpfen "der Gesellschaft" so vor sich geht.

      Kritik üben dürfen Leser natürlich, die Meinungen auszutauschen ist ja für uns Menschen eins der wichtigsten Dinge, egal über was. Anderen etwas vorschreiben zu wollen finde ich nur grundsätzlich nicht richtig, denn ich kann mich ja davon distanzieren.
      "Verbote" an sich haben meiner Meinung nach nie etwas gebracht bzw. falsch ausgedrückt: ich empfinde es als den falschen Weg um in eine andere Richtung zu weisen ;)

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    2. Ich finde ehrlich gesagt schon, dass es Dinge gibt, die Autor*innen nicht schreiben sollten. Rassistische oder sexistische Darstellungen zum Beispiel. Unreflektierte Romantisierung ungesunder Beziehungen. Schlecht recherchierte Perspektiven marginalisierter Gruppen.
      Und ich finde, sie sollten es nicht, weil sie in der Gesellschaft bestehende Vorurteile damit verstärken können, weil sie betroffene Personen damit verletzen und weitere Diskriminierung tragen.

      Nicht jede*r ist reflektiert genug, um problematische Inhalte zu erkennen. Ich war als Teenager definitiv nicht reflektiert genug, um zu erkennen, dass eine Beziehung ungesund ist, wenn der männliche Part den weiblichen die ganze Zeit abweist und verbal verletzt und dann erwartet, dass sie ihm trotzdem treu ist, und sie ihm ihr ganzes Leben unterordnet. Ich war auch nicht reflektiert genug, um rassistische Beschreibungen zu erkennen und entsprechende Exotisierungen oder Konnotation wie "unzivilisiert" nicht ungewollt zu verinnerlichen.
      Und ja, das kommt aus der Gesellschaft, aber gesellschaftliche Werte bleiben nur dadurch bestehen, dass sie weiter getragen werden, und dann würde ich mir einfach von Autor*innen wünschen, dass sie versuchen, sie NICHT weiterzutragen. Weil das eine Chance ist, um zum Beispiel das Bild gesunder Beziehungen, respektvoller Repräsentationen etc. zu vermitteln.

      Ich finde, Autor*innen sollen nichts schreiben, was bewusst diskriminierende Strukturen reproduziert, toxische Inhalte vermittelt und verletzt. Sie können es tun, es wird sie niemand davon abhalten, aber ich werde es nicht gut finden und ich werde nicht sagen, sie sollten es tun.
      Weil jede*r, der*die veröffentlicht, eine Verantwortung hat. Weil Medien uns beeinflussen. Und weil nicht alle sich problematischer Inhalte bewusst sind und es eben doch verkauft wird, siehe Twilight.

      Und es schreibt ja niemand jemandem etwas vor, alle können schreiben, was sie wollen. Aber viele äußern sich dazu, was geschrieben werden sollte, wenn man respektvoll sein und niemanden verletzen will als Autor*in.
      Das ist kein Verbot, es anders zu machen. Jede*r kann weiter Rassismus, Sexismus, Ableismus, Heterosexismus und so weiter reproduzieren, ungesunde Beziehungen schreiben, was auch immer, es wird gemacht, niemand wird davon abgehalten. Aber Meinungsfreiheit bedeutet auch, dass nicht alle das toll finden müssen und sich dazu äußern dürfen, wie es anders gemacht werden kann.

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    3. (Es tut mir leid, jetzt ist das wieder so lang geworden. :'D)

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    4. Ich hab nix gegen lange Kommentare, das zeigt, das ihr euch mit dem Thema beschäftigt ;)

      Solange es noch Menschen gibt, die darüber schreiben, scheint es einfach immer noch (Gesprächs)Thema in der Gesellschaft zu sein. Es reflektiert die Meinungen, was es alles für Bücher gibt und worum sie sich drehen. Ich möchte das niemandem verbieten, aber ich weiß natürlich, was du meinst, und es heißt auch nicht, dass ich es gut finde.
      Aber grade auch diese ganzen "toxischen" Beziehungen grade in der New Adult Riege - dass darüber so viele Autorinnen schreiben, sagt ja schon einiges aus, zumindest für mich. Und dass es so viel gelesen wird, noch mehr...

      Nein, natürlich greift man grade als Jugendlicher viel auf, aber moralisch und unmoralisch erkennt man in dem Alter eigentlich schon. Man probiert in dem Alter natürlich viel aus, aber wenn was in der Partnerschaft grade bei den Teenies nicht klappt liegt es nicht an den Büchern, dieses Ungleichgewicht hatte man ja schon vorher in sich, das kam ja nicht über Nacht, nur weil man ein Buch gelesen hat...

      Wünschen würde ich mir natürlich auch, dass das nicht in den Geschichten ständig wiederholt und reflektiert wird, aber dass es der Fall ist zeigt, wie sehr die erwachsenen Frauen immer noch mit diesen Mustern kämpfen - und wahrscheinlich ist es den meisten von ihnen gar nicht bewusst. Ich denke das kann man ihnen dann auch gar nicht vorwerfen, weil sie es selbst noch gar nicht als "falsch" erkannt haben.

      Wenn keine Leser mehr da sind für solche Themen, wird es vielleicht auch weniger - Angebot und Nachfrage ist da ja auch so eine Sache ...

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  5. Hallo Aleshanee,

    hm, also bei einem katholischen Pfarrer kommen mir persönlich ernste Zweifel, wenn da jemand Tipps zur Familie und Ehe als Buch veröffentlichen würde.

    Als Mann des Zölibat erscheint er mir zumindest als unglaubwürdig und nicht wirklich kompetent dazu/dafür.

    O.K. das war meine Meinung...LG..Karin..

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    1. Wenn man Zweifel hat muss man es ja nicht lesen ;) Aber mir käme nie in den Sinn, so jemanden vorzuschreiben, dass er darüber nichts schreiben dürfte ...
      und seine Vorstellungen zu dem Thema sind ja vielleicht auch ganz interessant. Vielleicht trifft er ja ins Schwarze, weil er so viel erlebt hat mit Familien, vielleicht liegt er auch völlig daneben - das kann alles sein ;)

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  6. Huhu,
    ich bin auch schon mehrmals auf diese Disskussion gestoßen, insbesondere in Bezug auf Black Lives Matter, Krankheiten und LGBT. Da fordern doch tatsächlich manche, dass z.B nur Schwarze über Schwarze schreiben dürften.
    Absoluter Blödsinn, wenn du mich fragst. Sicher, wenn man als Weißer über Schwarze schreibt, sollte man gut recherchieren und vor allem auch mit Schwarzen reden, um nicht bewusst oder unbewusst rein Weiße Perspektiven in dem Buch zu haben, ähnlich bei den anderen Themen. Bei guter Recherche sehe ich aber überhaupt kein Problem, dass auch autoren, de nicht diesen Hintergrund haben, darüber schreiben.

    Es ist doch gerade wünschenswert, dass sich Weiße mit Rassissmus oder Heteros mit Homophobie ernsthaft beschäftigen und andere sensibilisieren. Wenn wich also jemand seriös und gut recherchiert damit beschäftig und aufarbeitet, ist den Bewegungen doch viel geholfen, egal wer der Autor ist

    Liebe Grüße, Sandra

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    1. Sehr schön gesagt, liebe Sandra, das kann ich nur so unterschreiben :)

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  7. Hey Aleshanee,

    ein spannendes Thema! Ich stimme mit Dir überein, dass ich auch niemandem vorschreiben würde, worüber er/sie schreiben darf und worüber nicht. Allerdings finde ich auch, dass man detailliert recherchieren sollte, wenn man sich der Herausforderung stellt, über etwas zu schreiben, was man selbst nicht erlebt hat.

    Ich denke da z. B. an LGBTQ+ oder Themen wie Essstörung etc. Wenn jemand z. B. über Transgender schreiben möchte, dann sollte er vielleicht auch mit Menschen sprechen, die selbst Transgender sind. Sonst könnte es nach hinten losgehen oder zu oberflächlich etc. wirken.

    Ich denke, wenn man diese ganzen Themengebiete sensibel anpackt und sich informiert, dann ist es kein Problem, wenn man über Dinge schreibt, die man selbst nicht erlebt hat/erfahren kann.

    Ich finde es immer spannend, während des Lesens zu recherchieren, ob das Buch möglicherweise autobiographische Züge hat :)

    Liebe Grüße Melli

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    1. Ja, recherchieren sollte man natürlich unbedingt, wenn es da hakt, egal bei welchem Thema, ist es eh schwierig etwas "gut" hinzubekomkmen ;)

      Recherchieren tu ich tatsächlich so gut wie nie, also über den Autor oder die Autorin und was von der Geschichte vielleicht mit ihm/ihr zusammenhängt. Allerdings finde ich dass alle Bücher etwas von dem Schreibenden in sich tragen, sie "erwachsen" ja aus ihren Gedanken und Gefühlen :)

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  8. Hallo liebe Aleshanee,

    ich habe deinen Beitrag schon vor einer Weile gelesen. Heute möchte ich ihn dann auch mal kommentieren :o)

    Ich finde du sprichst hier ein sehr interessantes Thema an. Deine Meinung teile ich in groben Zügen. Mir fällt da im ersten Moment die Überschrift "künstlerische Freiheit" zu ein.

    Ich finde es wichtig, dass Themen nicht tabuisiert werden. Gerade, wenn man sich eine eigene Meinung bilden will, dann muss man doch zuvor auch andere Ansichten einmal angehört haben. Wie soll man Dinge begreifen, wenn man sie nicht in irgendeiner Form nähergebracht bekommt?

    Zu der Frage, ob ein bestimmer Autor/eine bestimmte Autorin, über ein gewisses Thema vielleicht besser nicht schreiben sollte: Sprich Themen, mit denen sie/er sich nicht auskennt: Ich denke in solchen Fällen ist es wichtig, dass der Autor/die Autorin sich zuvor mit dem Thema mittels Recherche auseinandersetzt.

    Wenn man sich so gar nicht mit einer bestimmten Thematik auskennt, dann kann die Geschichte unglaubwürdig werden oder - im schlimmsten aller Fälle - kann sie bei z.B. sensiblen Themen dazu führen, dass ein von dieser Problematik betroffener Leser sich unverstanden fühlt.
    Ich hoffe, ich konnte zum Ausdruck bringen, was ich damit meinte, sonst versuche ich es mal mit einem Beispiel ;o)))))

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hi Tanja! Schön dass du nochmal vorbeigeschaut hast :)

      Natürlich sollte sich der Autor mit dem Thema seiner Geschichte auseinandersetzen, sowas ist für mich gar nicht fraglich, sondern gehört dazu. Ich weiß, dass manche das anscheinend nicht machen, was natürlich doof ist, aber das sollte sich dann in den Rezensionen und Käufen widerspiegeln ...

      Wenn es aber heißt, eine Frau darf nicht über einen männlichen Protagonisten schreiben, also das ist dann schon einfach fragwürdig. In den Geschichten tauchen so viele verschiedene Figuren auf, das ist ja grade die Phantasie mit der gespielt wird und das macht jeder Schreibende anders, eben auf seine Art und Weise. Hier was zu beschränken finde ich einfach doof ;)

      Wie gesagt, ob das dann realistisch oder nachvollziehbar ist, ist immer Ansichtssache - nur von Grund auf es in Frage zu stellen finde ich falsch.

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    2. Hallo liebe Aleshanee,

      ich glaube wir haben exakt die gleiche Meinung. Da gibt es einfach nichts mehr hinzuzufügen ;o)

      Nur noch eine kleine Randnotiz vielleicht: Es kann auch völlig anders kommen. Ich habe vor Kurzem ein Buch gelesen, bei dem sich der Autor/die Autorin mit der Thematik seines Buches auseinandergesetzt hat (das habe ich dem Nachwort ziemlich gut entnehmen können). Die Umsetzung war aber relativ ... fragwürdig. Es geht also auch anders.

      Dieses Beispiel bekräftigt also auch nochmal die Aussage, dass man nicht jeden Autor/jede Autorin über einen Kamm scheren darf :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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    3. Ja, das ist halt der menschliche Aspekt ;) Es können sich 100 Leute mit einem Thema tief auseinandersetzen und trotzdem gibt es hinterher 100 verschiedene Meinungen, Gefühle, Aussagen darüber ... natürlich geht das eben mnachmal auch nach hinten los, aber das ist eben die Freiheit der Vielfältigkeit.

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  9. Ein tolles Thema, mit dem ich mich im Moment auch viel beschäftige! Einerseits als Schreiberin: Habe ich das Recht Figuren zu schreiben, die andere ethnische/sexuelle/gesundheitliche/religiöse Hintergründe haben als ich? Ich gehe da wirklich sehr vorsichtig vor, denn ich möchte niemandem misrepräsentieren. Aber wenn ich nur über Menschen schreiben würde, die so sind wie ich, wäre das ein ziemlich langweiliges Buch. Ich verstehe das Argument, dass man damit vielleicht die Own Voices Autoren verdrängt, aber gleichzeitig wollen wir ja alle diversere Bücher, dann muss man doch Leuten auch erlauben über Dinge zu schreiben, von denen sie nicht selbst betroffen sind. Andererseits achte ich als Leserin auch mehr darauf, ob die Autoren zu der Gruppe gehören, über die sie schreiben. Z.B. habe ich gerade Royal Blue gelesen, eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, geschrieben von einer Frau und offensichtlich auch an Frauen gerichtet. Da habe ich mir schon überlegt, ob sie einfach nur den "Schwulen-Hype" ausnutzen will. Davon abgesehen war das Buch aber hervorragend und manchmal ruinieren solche Überlegungen dann das Leseerlebnis. Also ich weiss nicht, finde deine Einstellung aber sehr befreiend.

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    1. Ich verstehe was du meinst - aber wenn man sich schon mit Vorsicht an Figuren herantasten muss, weil, wenn, aber ... dann finde ich das echt extrem einschränkend.
      Ich weiß ja nicht, welche Themengebiete du da im Auge hast - wenn es um ein sehr sensibles (persönliches) Thema geht, okay, aber diese ganze Beschränkungen grade die um sich greifen, auch in der Sprache, die werden mir schön langsam etwas zuviel...

      Das ist genau was ich meine, also dein Beispiel: sich vorher drüber Gedanken zu machen oder gar umzuhören, was den Schreiberling angeht? Das ist wirklich sehr neu, da hab ich noch nie drüber nachgedacht!
      Man merkt ja eigentlich selber auch sehr schnell ob ein Buch gefällt oder nicht, ob es authentisch rüberkommt oder nicht - ob der Autor da jetzt bei einer Hype-Welle mitschwimmen möchte, ist mir dann relativ egal.

      Die Hype-Welle der Elfen und Zauberer dauert ja mittlerweile auch schon Jahrzehnte, und hört nicht auf :D

      Natürlich sollte man achtsam sein, aber wenn es zuviel wird und man alles und jedes hinterfragt, das ist für mich (also vor allem für mich persönlich) der falsche Weg.

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    2. Hier muss ich mich doch mal kurz in die Diskussion einbringen:

      Ich sehe das genauso wie du @Aleshanee: Wenn man jeden kleinen Punkt kritisch hinterfragt, dann verliert man vermutlich auch irgendwann die Freude am Schreiben.

      Ich verstehe aber auch Sunitas Bedenken.

      Auch hier habe ich nochmal ein interessantes Beispiel: Das Buch "Als ich Amanda wurde". In diesem Buch schreibt die Autorin über das Thema Transsexualität. Im Nachwort erwähnt sie, dass persönliche Erfahrungen mit in die Geschichte eingeflossen sind. Sie schreibt, dass sie einige Punkte für den Leser/die Leserin "verblümt" ausgeführt hat, um es eben der Masse an Lesern leichter zu machen sich mit dem Thema Transsexualität auseinanderzusetzen.
      Das hat mich damals zum Nachdenken gebracht.

      Liebe Grüße
      Tanja

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    3. Hi Tanja, vielen Dank für deine Rückmeldung.
      Ja, das kommt eben drauf an, auf so vieles ... das sind Sachen die man nicht verallgemeinern kann und eben erst recht keine starren "Regeln" aufstellen.
      Selbst Menschen, die etwas bestimmtes nicht durchlitten haben (ich denke grade an die Kämpfe und Schmerzen im Fantasybereich ^^) können das durchaus lebhaft und nah an der Realität schreiben und rüberbringen. Natürlich gibt es Grenzen wenn gewollt verletzt wird, aber das ist ja klar und steht (eigentlich) nicht zur Diskussion ;)

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