Montag, 28. Juni 2021

#FragEinenMönch von Pater Nikodemus Schnabel

Als im Dezember 2019 das YouTube-Video #FragEinenMönch erschien, in dem der Benediktiner Nikodemus Schnabel auf vorher gesammelte Fragen zum Leben als Mönch antwortete, war das Echo begeistert: Ein Mönch und Katholik, der offen, ehrlich und reflektiert auch auf schwierige und persönliche Fragen eingeht und einen klaren Standpunkt vertritt! Und dass, ohne andere zu verurteilen oder ihnen seine Meinung aufzudrücken. Allgemeines Credo der über 1 Million Zuschauer: "Mit dem würde ich gern mal ein Bier trinken und über Gott und die Welt reden!" und: "Wenn mehr Menschen in der Kirche so wären, würde ich vielleicht wieder eintreten!"

- Was tragt ihr eigentlich unter der Kutte?
- Glaubst du wirklich alles, was in der Bibel steht?
- Vermisst du manchmal dein altes Leben und die Freiheiten?
- Habt ihr im Kloster W-LAN?

In diesem Buch greift Nikodemus diese und noch viele weitere Fragen auf, die in den viel zu kurzen 15 Minuten des Videos nicht zur Sprache kamen. Mit festem Glauben, einem weiten Horizont und jeder Menge Humor. 
(Verlagsinfo) 


Meine Meinung
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Ich bin ja in keiner Religion verhaftet und in Glaubensfragen immer am Zweifeln - aber was ich immer gerne hätte wäre mal eine Diskussion oder so eine Fragerunde an einen Mönch, einen Rabbi oder ähnlich glaubensfesten Menschen und deshalb hat mich das Buch sofort regelrecht angesprungen!
Ich hatte von dem youtube Video nichts mitbekommen, das im Dezember 2019 erschienen ist, hab mir das aber erstmal angeschaut: und Pater Nikodemus ist mir gleich so sympathisch gewesen! Er hat so strahlende Augen, die eine Zufriedenheit und innere Ruhe rüberbringen und er antwortet offen und menschlich auf alle Fragen aus der Community - da wollte ich natürlich wissen, welche anderen Antworten in diesem Buch zusammengefasst wurden.
 
Das Vorwort von Gregor Gysi hätte man sich meines Erachtens ersparen können, das war irgendwie "nichtssagend". Dafür war die kurze Einleitung von Pater Nikodemus selbst gleich perfekt einstimmend und ich finde es faszinierend, wie einem durch ein kurzes Video oder ein paar Zeilen ein Mensch gleich so sympathisch sein kann. Vor allem da er hier gleich eine Lebensweisheit mit einbringt, die ich sehr wichtig finde:
 
Ich glaube, dass wir vielen Problemen einfach entgegenlachen können, denn Humor gibt Menschen Kraft und kann auch ein Schutz sein.
Zitat Seite 22
 
Die Fragen wurden übrigens von Pater Nikodemus selbst und dem Journalisten Sascha Hellen zusammengestellt - er hat sich also nicht die "einfachsten" rausgepickt, sondern zu einer bunten Vielfalt an unterschiedlichsten Themen Stellung genommen. 

Sehr schön finde ich z. B. seine Antwort auf Zweifel, dass man diese nicht als Gegner sehen sollte, sondern als Herausforderung, als Fragen, die neue Gedanken zulassen. Ebenso wie er gerade mit Atheisten gerne diskutiert oder Menschen, denen Religion und der Glaube an einen Gott völlig egal sind. Weil sie Anregungen bieten, für beide Seiten.
Auch dass Mönche keine Heiligen sind und durchaus ihre kleinen Laster haben und eben nicht immer und zu jeder Zeit fromm und gelassen sind, auch mal lügen, unachtsam sind oder gehässig, eben menschlich.
Der Verzicht ist selbstbestimmt - was einen großen Unterschied ausmacht zu jenen, die Armut, Enthaltsamkeit oder Gehorsam auferzwungen bekommen. Das macht ihn frei und ich kann ihn da teilweise sehr gut verstehen. Der Besitz, der Konsum, das alles füllt ja eine Leere, die mit "Dingen" nicht aufzuwiegen sind. Was uns hier fehlt nennt er die erfüllende Sehnsucht nach Gott, zumindest hab ich es so verstanden. 
Ganz so sehe ich es zwar nicht, aber ich weiß, was er meint. 

Der Ordensgründer Benedikt hat gesagt: "Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht." 
Ein Ausspruch, den Pater Nikodemus leben möchte, den Genuß des Lebens selbst, was für ihn nicht im Widerspruch steht mit seinem Leben im Kloster, das ihn erfüllt. 
Allerdings sagt er auch, dass er das nie für alle Menschen als Ziel sehen würde, dafür sind wir zu unterschiedlich und der Zölibat würde dann der Menschheit auch bald ein Ende setzen ;)

Bei manchen Fragen hatte ich das Gefühl, dass er etwas ausweichend antwortet, oder (un)bewusst seine Worte in eine andere Richtung lenkt. Manches ist auch wirklich schwer mit wenigen Worten auszudrücken, manches möchte er auch vielleicht einfach für sich behalten, wozu er ja auch jedes recht hat.

Ich fand dieses "Interview" auf jeden Fall spannend durch die vielen kleinen Einblicke und Infos, die ich bislang nicht wusste über das Leben als Mönch, witzig und sehr erfrischend in der Art, wie der Pater mit den Fragen ganz offen umgeht; mit ihm würde ich gerne mal zusammensitzen und über Gott und die Welt diskutieren. Etwas schade sind natürlich die Kürze der Antworten, da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, oder ja, einen Dialog, aber vielleicht kommt in dieser Richtung ja auch noch etwas in einer anderen Art von Format. 
Auf jeden Fall hat es ein neues Verständnis für diese Lebensentscheidung mitgebracht.


Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.




#FragEinenMönch von Pater Nikodemus Schnabel

und Sascha Hellen

Genre Philosophie / Glaube / Gesellschaft

Verlag Adeo --- Seitenzahl 192
1. Auflage Juni 2021



Neugierig? Dann schaut doch mal ins Video ;)
(Beim Abspielen verbindet ihr euch mit youtube)





16 Kommentare:

  1. Hallo liebe Aleshanee,

    egal ob Mönch/Nonne oder eine, andere Glaubenrichtung...da sage ich immer leben und leben lassen....es ist jedem, seine Eigene Entscheidung..

    In diesem Sinne einen, schönen Tag uns allen...LG...Karin..

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    1. Das sag ich auch :)
      Trotzdem ist es mal interessant hinter die Kulissen zu blicken. Wann hat man schon mal die Möglichkeit einen Mönch (oder eine Nonne) solche Fragen zu stellen ;)

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  2. Hi Aleshanee,

    es wundert mich, dass Du solch ein Buch liest und vorstellst ;) Klingt aber interessant, merke ich mir vor ...

    Viele Grüße
    Frank

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    1. Oh warum wundert dich das? :)
      Ich hab in philosophischen Fragen immer offene Ohren! Ich bin selbst ja keiner Religion angehörig, aber gerade deshalb faszinieren mich viele Fragen, Antworten und Gespräche mit gläubigen Menschen sehr. Wenn sie offen sind, kann man großartig mit ihnen diskutieren.

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    2. Du stellst sehr selten Sachbücher auf Deinem Blog vor - das vermittelt den Eindruck, als wären Welten jenseits von Drachen und Elfen zumindest in Form von gedruckten Seiten eher nichts für Dich. Wer sich allerdings nur in Form von Buchrezensionen und ein paar Beiträgen zu den Verückheiten der Buchblogger kennt, erhält sicherlich ein leicht bis stark verzerrtes Bild von dem Menschen, der hinter dem Blog steckt, wenn Du verstehst, was ich meine :)

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    3. Jaaaa, das ist natürlich richtig. Sachbücher hab ich hier sehr selten und lese sie leider mittlerweile auch selten. Das war früher anders. Aber grade die Gesellschaft, Philosophie und Physik (die hängen sehr nah beieinander) interessieren mich ja sehr. Das ist ja auch das, was mich in den High Fantasy Gesellschaften fasziniert.

      Da ich nicht gläubig bin interessiere ich mich sehr für Menschen, die gläubig sind. Ihre Beweggründe und ihre Meinungen zu vielen Themen. Aber man trifft selten jemanden, vor allem keinen Mönch oder eine Nonne :D Deshalb war ich sofort neugierig, auch wenn hier die Antworten natürlich sehr knapp ausfallen. Da wäre ein richtiges Gespräch oder ein Vertiefen der Fragen/Antworten noch besser.

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    4. Ist zwar jetzt etwas off-topic, aber da kann ich Dir empfehlen, mal für ein paar Tage in ein Kloster zu gehen. Es gibt ein paar, die bieten das an und sind dann auch offen für tiefergehende Gespräche.

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    5. Ich finde es passt perfekt und ja, davon hab ich tatsächlich schon mal gehört. Das würde mich tatsächlich echt mal interessieren, aber momentan hab ich "keinen Kopf" dafür.
      Vielleicht, wenn alle Kinder mal aus dem Haus sind und ich wieder, eigentlich das erste Mal in meinem Leben *lach*, für mich sein kann, vielleicht zieht es mich dann tatsächlich mal zu so einer Herausforderung :)

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    6. Ja, ich denke auch an solch eine Entschleunigung, wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind. Dauert bei mir nur ein bisschen länger (mein Jüngster ist sieben) ...

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    7. Joa, das dauert dann wohl noch ein bisschen *g* meine "Jüngste" wird morgen 19 xD

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    8. Na, dann unbekannterweise einen herzlichen Glückwunsch :)

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    9. Werde ich weiterleiten, wenn ich sie heute zwischendurch kurz sehe *lach* Dankeschön <3

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  3. Großartig und bewundernswert dieser Mönch.
    Nur so hat die Kirche in der heutigen Zeit eine Chance.

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    1. Durch seine offene und sympathische Art auf jeden Fall interessant, wenn man mal ein "richtiges" Gespräch mit ihm führen könnte :)

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  4. Hallo Aleshanee,

    ein sehr sympathisches Buch oder eher einen sympathischen Herrn, den du hier vorstellst. Ich gebe zu, ich bin neugierig geworden und deine Worte zu dem Buch habe ich total gern gelesen. Für mich haben Mönche und Nonnen immer was Heiliges oder von einem guten Omen oder so. XD Immer wenn ich einen Mönch oder eine Klosterschwester sehe, denke ich mir, dass es ein gutes Zeichen ist. Warum auch immer. :)

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Na das ist doch schön :) Erinnert mich an Kaminkehrer *lach*
      Aber solche "Omen" oder Aberglauben kann durchaus etwas gutes sein und gutes bringen. Alles was einen positiv beeinflusst, ob direkt oder indirekt, hat meist eben auch positive Auswirkungen.
      Ich mag Glaubensdiskussionen sehr, grade wenn man verschiedener Meinung ist (und natürlich alle offen sind für andere), das öffnet den Geist und bringt viel Verständnis.

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