Freitag, 4. Juni 2021

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch

Ein Fall für Leopold von Herzfeldt

Wenn in Wien der Tod umgeht, gibt es nur einen, der ihm alle Geheimnisse entlocken kann

1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. 
 
Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. 
Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? 
Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun …
 
 
 
Meine Meinung
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Ich bin ein großer Fan der Henkerstochter Reihe und deshalb war ich natürlich neugierig auf den neuen kriminalistischen Auftakt mit dem Ermittler Leopold von Herzfeldt und dem Totengräber Augustin Rothmayer.

Gleich zu Beginn wird man direkt mit dem Fund einer Frauenleiche konfrontiert und obwohl Herzfeldt, grade frisch aus Graz in Wien eingetroffen, noch gar nicht im Dienst ist, möchte er sofort mit seinem Wissen und den neuesten Methoden zur Aufklärung auftrumpfen.
Das lässt ihn bei den Kollegen allerdings recht schlecht dastehen und so hat er von Anfang an Gegenwind bei der Polizeidirektion. 
Dass Herzfeldt aus einer jüdischen Familie kommt, die auch noch vermögend ist, schüttet zusätzlich Öl ins Feuer, denn Ausländer und Juden sind bei vielen Wienern nicht gerne gesehen. Das leider immer noch aktuelle Thema wird nur am Rande angeschnitten, trägt aber eine wichtige Botschaft in sich, die auch gut ankommt.

Die Frauenleiche jedenfalls wird nicht die einzige Tote bleiben, doch Herzfeldt wird zuerst mal von den Ermittlungen zurückgenommen. Er soll sich um einen eher unwichtigen Selbstmord kümmern und das ruft schließlich den Totengräber auf den Plan. Ich hatte mich anfangs nämlich etwas gewundert, da es etwas dauert, bis der titelgebende Totengräber Augustin auf den Plan kommt. 
Dafür gibt es am Anfang der Kapitel kleine Ausschnitte seines Almanachs, dessen Bedeutung sich im Laufe der Handlung erschließt. Die vielen kurzen Informationen fand ich faszinierend, wenn auch morbide - dennoch gehört das Sterben und der Tod zum Leben dazu. Wie der Autor auch sehr schön im Nachwort betont. Allzu oft wird das Thema sehr abgegrenzt, was den Tod so abstrakt werden lässt, dabei gilt

"Wer den Tod nicht versteht, kann auch das Leben nicht verstehen."
Zitat Kapitel 17

Während Leopold mit seiner arroganten Art aneckt, ist Augustin Rothmayer eher bescheidener Natur. Sein Häuschen auf dem Zentralfriedhof ist abgelegen und er widmet sich dort ganz seiner Arbeit. Er wirkt etwas sonderlich und schroff, hat aber ein gutes Herz und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Außerdem ist er nicht auf den Kopf gefallen und bringt Leopold auf die ein oder andere wichtige Spur. 
Er war mir jedenfalls sofort total sympathisch, was bei von Herzfeldt erst nach und nach kam. Sein Selbstmitleid und Hochmut stehen ihm oft im Weg, aber er entwickelt einen initiativen Tatendrang, der diesen verstrickten Fall schließlich zur Aufklärung bringt.

Das war wirklich sehr verwickelt und man hat durch die Details zwar Zusammenhänge erahnt, wusste aber nie so recht, wie es aufzulösen wäre. Definitiv sehr spannend zum mitraten!

Eine vielseitige und raffinierte Helferin stellt sich schließlich auch noch ein, über die wir im nächsten Band sicher noch mehr erfahren. Ihre Rolle mochte ich sehr, hat man über sie auch viel über die damaligen Verhältnisse der "Frauenrollen" in Wien erfahren. 
Überhaupt hat der Autor wieder sehr gut recherchiert und die alte Zeit in der Kaiserstadt aufleben lassen. Die ersten Telefone, die ersten Automobile, Kameras und Fahrräder kommen in Mode und viele andere Details haben das Leben anschaulich und farbenfroh beschrieben. Auch gerade die Einzelheiten zum Zentralfriedhof in Wien fand ich sehr interessant.
Was davon der Wahrheit nahekommt und wo Oliver Pötzsch sich Freiheiten herausgenommen hat, kann man im Nachwort nachlesen. 
Unterstrichen wird die Atmosphäre noch durch die Dialekte in der wörtlichen Rede. Das wienerisch ist ja geschrieben ähnlich dem bayerischen, also meiner Heimatsprache - aber es ist nicht zuviel, so dass es nervig oder umständlich zum verstehen wäre, sondern nur bei ausgesuchten Charakteren. Ich hätte es mir sogar noch etwas mehr und intensiver gewünscht.
Etwas weniger dagegen hätten die konstruierten Entwicklungen sein können, das wirkt an vielen Stellen zu viel durch.

Ich fand den Auftakt sehr gelungen, auch wenn der Fall schon etwas viel in sich hatte: verschiedene Tathergänge, die zusammengeführt wurden, prominente Namen und schließlich die oppulenten Hintergründe - mehr mag ich dazu nicht verraten. Ansonsten aber ein durchweg unterhaltsames und spannendes Lesevergnügen und ich hoffe, bald die Fortsetzung lesen zu können!
 

Meine Bewertung
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Vielen Dank an Netgalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider. 


Ebenfalls rezensiert von

 
 
 
 
 

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch

 
Band 1 der Reihe Die Totengräber - Ein Fall für Leopold von Herzfeldt
Genre Historischer Krimi - Österreich 1893
 
Verlag Ullstein --- Seitenzahl 448
1. Auflage Mai 2021
 
 
 

Kommentare:

  1. Ich habe erst mit dem Buch angefangen, aber bisher gefällt es mir ganz gut. Ich finde Leopold von Hertzfeld und Augustin Rothmayer sehr interessante Charaktere. Auch das Wiener Flair finde ich sehr atmosphärisch. Das ist mein erstes Buch von Oliver Pötzsch ... aber wenn das so weiter geht wird das nicht das letzte sein.
    LG
    M

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    1. Freut mich dass es dir gefällt!
      Er schreibt wirklich gute Bücher, seine Henkerstocher Reihe ist auch klasse, die wird dir sicherlich ebenso taugen :)

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    2. es gibt so viel zu lesen ... und so wenig zeit...

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