Freitag, 25. Juni 2021

Rezension zu Die Kinder von Nebra von Ulf Schiewe

 
Das Mysterium der Himmelsscheibe, eine Hochkultur im Herzen Europas und der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse – ein großer historischer Roman mit unvergesslichen Figuren, ausgezeichnet mit dem Goldenen Homer 2021!
Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...

Auf einem Hügel bei Nebra stießen Sondengänger Ende der 1990er-Jahre auf eine bronzene Scheibe. Sie zeigt Mond und Sterne, gilt heute als die erste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte. Ein Sensationsfund, den die Finder zunächst an Hehler verscherbelten. Erst 2002 kam die Himmelsscheibe in die kundigen Hände von Archäologen. Seither wird sie erforscht – und hat das Bild unserer Vorfahren geändert. Ulf Schiewe lässt ihre unbekannte Kultur auferstehen und spinnt um sie einen großen, epischen Roman. (Verlagsinfo)


Meine Meinung
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Mit "Land im Sturm" hatte ich ja schon ein historisches Werk des Autors versucht und bin nicht so recht warm geworden damit. Allerdings war das eher ein Episodenroman über mehrere Zeiträume und Generationen, weshalb es vielleicht auch daran lag, dass es keine zusammenhängede Geschichte war.
 
Mit Die Kinder von Nebra wollte ich aber dem Autor nochmal eine Chance geben, da wir hier in der Zeit ziemlich weit zurückgehen und es recht wenige historische Romane gibt, die in dieser Epoche spielen, was mich sehr gereizt hat.

Vielleicht hab ich zuviel erwartet - definitiv aber etwas anderes. Denn auch wenn der Autor mit wirklich viel Liebe zum Detail das Leben der Menschen damals beschreibt und sich auf die Funde stützt, mit denen die Historiker arbeiten, hatte ich nicht das Gefühl, so weit in der Zeit zurückversetzt zu werden. 
Zum einen durch den Schreibstil, der mir zu gezwungen erscheint. Ich weiß nicht genau wie ich es ausdrücken soll - als wäre jedes Wort auf die Goldwaage gelegt worden. Vor allem aber durch die Dialoge, die sehr an den "neuzeitlichen" Sprachgebrauch erinnern. Ebenfalls die Struktur der Klans und das Patriarchat hat mich etwas enttäuscht, einfach weil ich mir hier mal neue, andere Ideen erhofft hatte, wie das Zusammenleben funktioniert hat.
 
Angetan hat es mir dafür der Götterkult. Sehr schön beschrieben ist, wie die Menschen sich damals die Natur und das Schicksal als "gottgelenkt" vorgestellt haben, wie man es ja aus zahlreichen Mythen und Sagen kennt. Heilige Stätten, Rituale und Priesterinnen stehen dabei im Mittelpunkt, denn hier sind die Frauen die Wissenden und Mächtigen. Anschauliche Details zeigen, wie ihre Kraft ihren Glauben lebendig gemacht haben. 
Sehr passend dazu auch die Kapitelüberschriften mit einem kleinen Beitext zu den jeweiligen Göttern, die perfekt den folgenden Handlungsabschnitt eingeleitet haben. 
 
Ebenso interessant fand ich die vielen überlebenswichtige Handfertigkeiten zum leben und überleben, die immer wieder passend eingeflochten wurden, so dass man sich die mühevolle Arbeit der Menschen sehr gut vorstellen konnte. 
Besonders schön fand ich den kurzen, aber bedeutenden Vergleich zwischen den "Alben" (den Waldbewohnern) und den Klans, in denen Rana lebt. Auf der einen Seite die Jäger und Sammler, die ein friedfertiges Leben in der Natur leben und einen Hauch des Göttlichen in allem sehen - und auf der anderen Seite die Menschen, die sesshaft geworden sind, Felder bestellen, Viehzucht betreiben und damit eine völlig neue Lebensart einläuten, die sogenannte Zivilisation.

Natürlich spielt auch die Himmelsscheibe eine große Rolle in der Geschichte. Da müsst ihr euch aber selbst überraschen lassen :) 

Die Protagonistin Rana. Einerseits eine sehr wichtige und antreibende Persönlichkeit, aber ich kam einfach nicht so ganz mit ihr klar. Die Aufmüpfigkeit erinnerte oft eher an ein kleines Kind und ihr Verhalten war von trotziger Pubertät geprägt; dazu kommt, dass sie sich in Gedanken ständig wiederholt und über die immer gleichen Probleme nachgrübelt... sowas finde ich leider immer etwas nervig und abgenutzt und kennt man zur Genüge aus YA Büchern.
Geheimnisse sollte man ihr auch keine anvertrauen, denn trotz Versprechungen und Schwüren plaudert sie jedes Mal dann doch alles wieder aus.
Dennoch hat sie ein gutes Herz und kämpft für ihre Überzeugungen. 
 
Die Handlung insgesamt geht etwas langsam voran. Obwohl ich anfangs noch zu sehr gefangen war von den Eindrücken und Kennenlernen des Schauplatzes und der Figuren, hätte es dann doch etwas mehr Spannungen geben und vom Tempo her anziehen können. 
Es war mir oftmals auch einfach etwas zu "rund", es lief zu glatt und hatte wenig Überraschungen parat.
Grade auch die Charaktere, die entweder gut oder böse waren, dazwischen gab es kaum Feinheiten. Da hätte ich mir mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Das Nachwort sollte man unbedingt auch lesen, um einiges über die Entstehung zu dieser Geschichte zu erfahren. Auch gibt es ein Glossar mit Erklärungen zu den Klans, den Göttern und einzelnen Personen.

Ihr seht, ich bin sehr hin- und hergerissen mit dieser Geschichte. Solide und schön zu lesen ist sie allemal, mir persönlich aber zu glatt und vorhersehbar. Überraschungen gab es für mich kaum, worunter deshalb auch die Spannung gelitten hat. Dennoch waren die Einblicke in das Leben zur damaligen Zeit definitiv interessant.

Meine Meinung
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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.



Ebenfalls rezensiert von





Die Kinder von Nebra von Ulf Schiewe


Genre Historischer Roman - Nebra vor 4000 Jahren
Verlag Lübbe -- Seitenzahl 619
1. Auflage März 2020




8 Kommentare:

  1. Hi Aleshanee,

    aufgefallen ist mir das Buch auch schon. Ich fand die Thematik recht spannend. Aber irgendwas hat mich bisher zögern lassen und ich glaub, dass ich es eher nicht lese - es gibt genug anderen Stoff ;)

    Viele Grüße
    Frank

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    1. Ich würde es dir jetzt auch nicht unbedingt empfehlen ... es gibt zwar wenig Bücher in der Zeit, aber ein anderes ist vielleicht authentischer

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  2. Liebe Aleshanee,
    mit den Längen gebe ich dir recht. Das Gefühl hat sich bei mir auch eingeschlichen, vorallem zu Beginn.
    Dass die Sprache nicht der zeit angepasst werden kann, ist logisch. Villeicht hat das Präsens für dich nicht so gepasst. Ich habe auch bei sabine gelesen, dass es sie gestört hat. Im Nachhinein kann ich das jetzt nicht wirklich mehr festmachen.

    Du kannst bei meiner Bewertung übrigens 4/5 nehmen, denn ich habe bei den anderen Portalen abgerundet.

    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Also anfangs fand ich es gar nicht zäh, erst, als ich so richtig "angekommen" war in der Geschichte, da zog es sich für mich etwas dahin.

      Das Präsens stört mich überhaupt nicht!
      Die Dialoge allerdings und überhaupt den Stil, kann man schon etwas anpassen. Das merkt man ja auch bei mittelalterlichen Romanen oder Krimis. Da ist die Atmosphäre direkt anders.
      So wir hier teilweise miteinander gesprochen wurde wirkte es auf mich wie in der Gegenwart ;)

      Deine Bewertung hab ich dazu geschrieben!

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  3. Liebe Aleshanee,

    ich kann deine Eindrücke sehr gut verstehen. Ich fand das Buchin der zweiten Hälfte dann aber doch spannend, daher die bessere Bewertung. Aber über die moderne Sprache haben wir ja schon gesprochen.

    Den Götterkult fand ich auch sehr gut ausgearbeitet - das hat Ulf Shciewe richtig toll hinbekommen!

    LG Sabine

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    1. Ja, es hat dann definitiv Spannung aufgebaut, konnte mich aber nicht wirklich überraschen - das ist dann immer etwas schade wenn man alles schon vorausahnt und der Weg dahin einfach nur noch, hm, absolviert wird.
      Mich hat hauptsächlich wirklich der Sprachstil gestört, der mich einfach nicht in diese Zeit zurückversetzen konnte.
      Ich hab ja doch schon einiges gelesen was in früheren Jahrhunderten spielt und da war das um einiges besser ...

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  4. Hi Aleshanee,

    ach, das ist ein historischer Roman. Für mich hörte sich das von den Namen her total nach Fantasy an. Das Buch reizt mich irgendwie gar nicht und da du jetzt auch nicht so begeistert bist, kann ich es ja ganz getrost aus den Augen verlieren :)

    Liebe Grüße,
    Rebecca

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    1. Haha, ja, alleine vom Titel her könnte man schon was in Richtung Fantasy vermuten :)
      Wenn es dich eh nicht reizt, hast du nix verloren ;)

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