Samstag, 29. Oktober 2016

Rezension: Noah von Sebastian Fitzek

 
Noah
von Sebastian Fitzek

Genre: Thriller

Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 588
Hardcover: 19,99 €
Taschenbuch: 9,99 €
ebook: 8,49 €

1. Auflage: Dez 2014





Klappentext

Zur Geburt Jesu Christi lebten 300 Millionen Menschen auf unserem Planeten.
Heute sind es sieben Milliarden.
Wie viel ist zu viel?

Er kennt seinen Namen nicht. Er hat keine Ahnung, woher er kommt. Er kann sich nicht erinnern, warum er in Berlin ist, seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah: Dieser Name ist in seinen rechten Handballen tätowiert. Für Noah wird die Suche nach seiner Identität zu einem Alptraum. Denn wie es scheint, ist er das wesentliche Schlüsselelement einer globalenVerschwörung, die bereits zehntausende Opfer gefordert hat und nun die gesamte Menschheit bedroht ...

Meine Meinung

Das ist so ein Buch, das mich momentan echt sprachlos macht, während es in meinem Kopf unentwegt rattert und ich am liebsten jeden Menschen darauf ansprechen und sagen möchte: Lies bitte dieses Buch! Ich liebe solche Geschichten, die in eine spannende Handlung eine Thematik einbauen, die auf aktuelle Problematiken hindeuten und zum Nachdenken anregen.

Manch einer hat in seiner Rezension geschrieben, dass es zu politisch wäre - aber wenn man sich das Thema anschaut, geht es nicht ohne und Politik an sich kam hier so gut wie gar nicht vor. Oder ich verstehe was anderes darunter; ich weiß es nicht genau ... Der Plan, den Fitzek hier entworfen hat, hat natürlich viel mit den Missständen unserer Erde zu tun und vor allem mit unserem grotesken Verhalten! Darauf hinzuweisen ist in dem Zusammenhang natürlich ein Muss und das mag so mancher vielleicht nicht vor Augen gehalten bekommen. Dabei wurde das ganze sehr geschickt in die Handlung eingewoben, die die Spannung durchweg und konstant hochgehalten hat! 

Es sind mehrere Charaktere involviert, aus deren Sichtweise abwechselnd erzählt und so durch kleine Cliffhanger die Spannung hochgehalten wird. Anfangs tappt man wie Noah noch im Dunkeln, aber es zeichnet sich immer mehr durch kurze Blitzlichter ab, was dahinter steckt: Erinnerungen, die Hinweise geben, Zusammenhänge erklären und gleichzeitig neue Fragen aufwerfen. Sebastian Fitzek hat hier wirklich ein großartiges Zusammenspiel zwischen Fakten und Fiktion geschaffen und den Figuren, die hier mehr oder weniger freiwillig eine Rolle spielen, ein persönliches Statement aufgedrückt. Jeder für sich wirkt authentisch und zeigt verschiedene Sichtweisen, die man alle irgendwie nachvollziehen kann.
Einzig die Aufklärung zu den Hintergründen von Noah gegen Ende fand ich schon sehr konstruiert, aber das ist nur ein winzig kleiner Punkt gegenüber dem ansonsten wirklich überzeugenden Werk!

Wichtig sind hier natürlich vor allem die Fragen, die der Autor aufwirft, auch wenn er im Nachwort natürlich unterstreicht, dass es ein "Unterhaltungsroman" ist; nichtsdestotrotz ist es ihm hervorragend gelungen, viele der wirklich grausamen Verhältnisse aufzuzeigen, die tagtäglich auf der Erde passieren: mit uns Menschen, mit den Tieren und mit unserer Umwelt. Wir alle wissen davon, aber wir haben gelernt, wegzuschauen, es nicht zu beachten oder sind einfach hilflos und überfordert, weil man keinen Weg sieht, der woanders hinführt. Weg von einer Zukunft die wir uns alle nicht wünschen, vor allem nicht unseren Kindern, denn der Verbrauch, den wir täglich konsumieren, übersteigt die Ressourcen unserer Mutter Erde schon lange bei weitem!

Massenproduktionen, Verschwendung, überproportionaler Konsum, Wegwerfgesellschaft, Raubbau der Natur, hungernde Kinder, Kriege, Flüchtlinge ... alles Auswirkungen der Überbevölkerung? Prinzipiell ja, aber nicht wirklich, denn der Lebensstandard ist die eigentlich Ursache. 

"Würden wir alle so leben wie die Indianervölker Brasiliens, könnte unsere Erde 
zwölf Milliarden Menschen und mehr aushalten. Doch wenn alle den Lebenstil 
von uns Amerikanern oder Deutschen adaptieren, 
bräuchten wir schon heute vier Planeten." S. 538

Das Thema spukt mir schon seit Jahren im Kopf rum und ich gebe zu, ich verdränge es auch oft, weil dieses ganze Elend einen runterzieht und man nicht weiß, wie man es ändern kann. Lest dazu bitte auch unbedingt das Nachwort des Autors, denn er erklärt hier einiges zu den Standpunkten, die er in dem Roman eingeflochten hat. 
Schaut auch mal bei footprint-deutschland.de vorbei, wie ihr und euer Verhalten sich auf unseren Planeten auswirkt!

Außerdem möchte ich euch gerne noch das Schlusszitat zeigen, mit dem der Autor sein Nachwort geschlossen hat - frei nach dem Motto Romain Rollands:

"Der Pessimismus im Kopf schließt den Optimismus des Wollens nicht aus." S. 556


Fazit
 

Ein sehr wichtiges, aktuelles und globales Thema, dass Sebastian Fitzek hier aufgearbeitet hat und dem wir uns mittlerweile nicht mehr entziehen können! Jeder sollte es lesen oder sich zumindest informieren und dann vielleicht sogar versuchen, sich der Problematik zu stellen. Ein spannender Thriller, der der eine nachhaltige Botschaft in sich trägt.


Bewertung


© Aleshanee









Kommentare:

  1. Guten Tag
    Das Buch hört sich sehr gut an. Wie Du schreibst, ist es wirklich wichtig, dass man sich seinem Lebensstil bewusst ist. Aber die Thematik kann einen auch ganz schnell ohnmächtig machen.
    Das Buch kommt auf meine Wunschliste. Mal sehen, wie ich es vertrage und vielleicht hilft es mir ja, mich noch weiter bei der ein oder anderen Verhaltensweise der Nachhaltigkeit anzunähern.
    LG Tabea

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    1. Ich denke, das sind viele auch: ohnmächtig. Und sie sind sich dem nicht mal bewusst. So viele ignorieren ja all das, wahrscheinlich eben aus Angst, weil sie einfach nicht wissen, was sie machen sollen. Das Gefühl ist ja auch ziemlich übel, aber vom wegschauen alleine wird es auf jeden Fall nicht besser ...

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  2. Hey Alex =)

    Oh, ja ein sehr brisantes Thema, dass mich immer wieder mitnimmt. =( Ich habe mich schon oft damit auseinander gesetzt und meinen persönlichen Konsum in den letzten Jahren stark verändert. Wir leben leider in einer "Wegwerf" Gesellschaft und viele Menschen haben vergessen wo und wie eigentlich ihr Essen und andere Produkte in ihre Einkaufstaschen kommen. Gerade die Massentierhaltung ist ein grausames Spektakel vor dem die meisten Menschen die Augen verschließen.

    Eine gelungene Rezension.

    Ganz liebe Grüße
    Katie♥

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    1. Ich bin auch seit Jahren dabei, mich zu verändern. Ich schaffe nicht alles, was ich mir vornehme, aber es wird ;)
      Wenn alle mal anfangen würden, zumindest darüber nachzudenken und etwas zu versuchen, wäre schon einmal ein großer Schritt getan!

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  3. Ich fand "Noah" auch sehr packend. Nicht nur wegen der Handlungen, sondern auch nur das Thema an sich. Danach wollte ich das Buch auch jedem empfehlen, um sich mal ein wenig mit dem eigenen Leben zu beschäftigen.

    Das mag ich an Sebastian Fitzek: er schriebt spannende Thriller, bringt aber auch immer wieder mal aktuell, eher moralische Themen auf den Punkt.

    Liebe Grüße
    Ela

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    1. Ich kenne ja von Fitzek nicht viel, das war erst mein drittes Buch - aber eben genau meine Wellenlänge. Ich mag sowas auch super gerne und kenne das bisher nur von Eschbach.

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  4. Hey :D

    na es hat dich ja richtig begeistert, wie schön! Ich fands auch nicht schlecht (hab ihm glaube ich 4 Sterne gegeben) und kann mich deiner Rezi im Grunde nur anschließen. Die Thematik hat mir auch sehr gefallen und ich fands gut, dass Fitzek die Probleme so direkt anspricht und bin wie du der Meinung, dass jeder sich mal näher mit dem Thema beschäftigen sollte. Tolle Rezi!

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Er hat das echt gut gemacht, direkt aber indirekt. Ich finde, er hat dem Leser alles so offen vor die Nase geknallt, dass man im ersten Moment einfach nur erschüttert, erschrocken oder erstaunt war ... und erst so nach und nach das Nachdenken kam und wie das alles zusammenhängt.
      Von Eschbach kenne ich ja einige solche Bücher und ich finde das "Bearbeiten" gesellschaftlicher Themen in dem Stil wirklich großartig! Es erreicht einfach viele Menschen durch die spannende Handlung nebenher und hat gleichzeitig einige große Fragen bzw. Botschaften im Gepäck.

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  5. "Noah" habe ich erst kürzlich als Hörbuch gehört und fand die Geschichte wirklich gut. Und wie du schon sagst, regt eindeutig zum Nachdenken an.

    Liebe Grüße

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