Samstag, 27. August 2016

Rezension: In einer anderen Welt von Jo Walton


In einer anderen Welt 
von Jo Walton

Genre: Jugendbuch - Urban-Fantasy

Im Original: Among Others
Übersetzt von Hannes Riffel

Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 416
Taschenbuch: 9,99 €

1. Auflage: Aug 2016




"Letztlich brauchen wir nur uns und unsere Fantasie." S. 40


Klappentext

Morwenna ist auf der Flucht vor der Erinnerung an den Tod ihrer Zwillingsschwester. Nun muss sie auch noch ihre Heimat, das märchenhafte Wales, verlassen und damit ihre einzigen Freunde. In einem Mädcheninternat hofft sie, wieder zu sich selbst zu finden, doch die Schülerinnen machen es ihr alles andere als einfach. Verzweifelt greift Morwenna daher zu der Magie, die sie seit ihrer Kindheit begleitet, und zu ihren Büchern. Denn diese öffnen Tore zu anderen Welten – und das nicht nur im übertragenen Sinne …


Meine Meinung
 

Die Rezension fällt mir etwas schwer, weil ich mir durch das Cover und den Klappentext etwas anderes erwartet hatte und letztendlich doch etwas enttäuscht war.

Die Geschichte wird anhand von Tagebucheinträgen durch Morwenna aus der Ich-Perspektive erzählt, bis auf das erste Kapitel, in dem es eine kleine Rückschau gibt. Den Anfang fand ich toll, denn es gibt einen kleinen Einblick auf die beiden Schwestern, als sie 10 Jahre alt sind. Sie wachsen in Wales auf und sind völlig vernarrt in Geschichten und Bücher, die sie auch in ihren Spielen nochmal durchleben; doch die Magie, die sie erleben, geht noch einen Schritt weiter.

Dass Morwenna allerdings hofft, in dem Mädcheninternat zu sich selbst zu finden, ist so nicht richtig.
Nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester ist sie von zu Hause ausgerissen, denn ihre Mutter scheint seltsam, ja gefährlich zu sein und da die Behörden ihr nicht erlauben, bei ihren Großeltern zu wohnen, landet sie bei ihrem Vater Daniel. Dieser ist abgehauen, als die beiden Schwestern noch Babys waren und Morwenna hat keinerlei Bezug zu ihm. Dass er selbst noch bei seinen 3 Schwestern wohnt trägt nicht dazu bei, dass sie sich ihm irgendwie annähern kann, vor allem, da sie recht schnell in das Internat in England abgeschoben wird. Nur die Liebe zu Büchern verbindet sie mit Daniel und gibt ihnen die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen.

Und ja, es geht um Bücher, viele Bücher. Was ja für uns Leseratten natürlich ein schönes Thema ist und es soll zeigen, wie die Welten, in die Morwenna abtaucht, ihr aus dem heillosen Chaos herauszuhelfen, das über sie hereingebrochen ist - aber es war einfach zu viel. Ständig werden Bücher aufgelistet, die sie noch lesen möchte, die sie grade liest, oder gelesen hat; und die Titel bzw. die Bemerkungen haben mir meistens nichts gesagt, da ich diese Bücher nicht kenne. Das trägt natürlich nicht zum Verständnis bei und wenn man den Sinn dahinter nicht versteht, langweilt es dann doch recht schnell.
Genauso die vielen Ausflüge in ihre Familienchronik, die sie erzählt, was bis zu den Urgroßeltern zurückgeht: wer hat wen geheiratet, wer hatte welchen Beruf, wer hatte welche Kinder und welche Beziehungen ... ich weiß nicht, zu welchem Zweck da seitenweise darauf eingegangen werden müsste?
Zwei Drittel des Buches fand ich ehrlich gesagt doch recht langweilig.

Ihre Erfahrungen im Internat als Außenseiter wurden allerdings sehr gut beleuchtet. Da die meisten Mädchen dort aus guten Verhältnissen stammen und sich da schon eine gewisse Hierachie gebildet hat, war es für die Protagonistin natürlich nicht einfach, dort Fuß zu fassen. Allerdings bleiben mir die Figuren allesamt etwas zu blass.

"Klassenzugehörigkeit ist nichts Greifbares, und wie sie unser Leben beeinflusst,
lässt sich nicht wissenschaftlich analysieren, und eigentlich soll es sie gar nicht geben,
aber sie ist mächtig und allgegenwärtig. Sehen Sie? Wie Magie." S. 86

Den Bezug zu Harry Potter mit den vier Häusern, den Punkten, die sammeln müssen, um einen "Hauspokal" zu ergattern - da bin ich mir auch nicht so sicher, was ich davon halten soll.
Interessant wurde es erst im letzten Drittel, als sie außerhalb des Internats einige Freunde kennenlernt, die natürlich alle ihre Buchsucht teilen. (also darauf wurde mir ehrlich gesagt doch zuviel herum geritten) Aber immerhin tat sich endlich einmal was und es ergaben sich auch einige interessante Details, für mich aber doch recht spät.

Einige Aspekte fand ich aber doch spannend und waren kleine Lichtblicke, die der Eintönigkeit etwas Farbe verliehen haben.

Die Magie wird ja nicht wirklich erklärt, aber es gibt kleine Rituale, die Morwenna durchführt und immer mit dem "Glauben" daran verknüpft sind. Dazu kommt, dass es nie einen richtigen Beweis dafür gibt, denn es hängt alles davon ab, wie man Magie deutet: ist sie das Ergebnis von dem, was man sich gewünscht hat, oder wäre alles sowieso passiert, egal, was man getan oder sich erhofft hätte?
Genauso die Bedeutung von Gegenständen, was ich sehr schön fand. Im Bezug zur Massenproduktion und dem Konsum verlieren wir ja die Wichtigkeit von Dingen, die einem wirklich am Herzen liegen und denen dadurch ebenfalls eine gewisse Magie innewohnt.
Ganz besonders beeindruckend ist auch ihre Sicht auf die Beziehungen der Menschen untereinander, das auch hier eine gewisse Art von Magie im Spiel ist, das wurde sehr schön umgesetzt.

"Man findet so gut wie immer eine Abfolge von Zufällen, die widerlegt, 
dass Magie zur Anwendung gekommen ist. 
Warum? Weil sie ihre Wirkung nicht so entfaltet wie in den Büchern." S. 49

Aber natürlich auch Morwennas Flucht in die Welt der Bücher, um den Fragen auszuweichen, die ihr wehtun würden. Der Tod ihrer Schwester hat da verständlicherweise gewisse Fragen aufgeworfen und sie fängt an, an gewissen Dingen zu zweifeln.

Fazit
 

Es gibt einige ganz tolle Ansätze, die leider durch die Monotonie der Erzählung etwas untergegangen sind. Ich hatte mir etwas mehr gewünscht; auch wenn Andeutungen zum Nachdenken anregen, war es mir hier zu wenig. Dafür zuviel an Belanglosigkeiten und einer Flut an Buchtiteln und Relationen, die mich überflutet, statt weitergetragen haben.

Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/2%20Sonnen


© Aleshanee

Eine ganz andere Meinung dazu hat





http://www.bibliotheka-phantastika.de/wp-content/uploads/2013/02/cover_in_einer_anderen_welt_jo_walton.jpg
Golkonda Verlag, 2013
Über die Autorin: Jo Walton wurde in Wales geboren, lebte viele Jahre in England und hat sich 2002 in Kanada niedergelassen. Ihr erster großer Erfolg war der Roman Tooth and Claw (2003), der mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet wurde. Für ihren Roman Lifelode (2010) erhielt sie den Mythopoeic Award. Sie führt ein regelmäßiges Blog und schreibt für die Internetseite tor.com eine regelmäßige Kolumne. In einer anderen Welt ist ihr erster Roman bei Blanvalet.
Quelle: Blanvalet Verlag

Kommentare:

  1. Hey Alex =)
    Das klingt total anstrengend, auch wenn sich das Ganze im Ansatz gut anhört. Wäre wohl auch keine Geschichte für mich.

    Liebe Grüße
    Katie

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  2. Guten Morgen!
    eigentlich klingt der Inhalt ja ganz gut aber wie Katie schon geschrieben hat, es klingt anstrengend. Deine Kritikpunkte kann ich vollkommen nachvollziehen und ich glaube das wären Punkte, die mich genervt hätten. Schade, das so viel Potential untergegangen ist. Aber so weiß ich jetzt wenigstens, dass ich das Buch nicht unbedingt lesen muss ;-).

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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  3. Ich hab dazu grade heute noch eine sehr andere Meinung dazu gelesen, hab sie mal oben noch eingefügt, da ist jemand ganz begeistert von dem Buch ;)

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  4. Hey du:-)
    Danke für deinen Kommentar bei mir. Da musste ich erstmal deine Rezi lesen:-) Ich muss sagen bei einem musste ich doch auch nicken, dass die Auflistung der Bücher ein wenig trocken war. Ich bin nur neugierig geworden, was wohl hinter den Titeln steckt. Aber deine Ansicht kann ich da auch verstehen. Du hast vollkommen recht, ich bin auch manchmal so baff, wenn ich eine Geschichte echt nicht gut fand und dann vom Gegenteil lese;-) Aber es ist ja auch nicht schlecht. Wäre ja langweilig, wenn uns allen nur dasselbe gefallen würde, grins!
    Liebste Grüße udn einen schönen Sonntag, deine Petra

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    1. Das mit den Büchern war schon ein bisschen viel ^^ Vor allem kannte ich fast nichts davon. Wenn man die meisten kennen würde, wäre es vielleicht anders, und wenn auch irgendwie ein Bezug zur Handlung dadurch entstehen würde. Aber so ... naja, eine Erfahrung mehr ;)

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  5. Hallo Alexandra,

    oje, das klingt ja nicht so toll. Tut mir leid, dass Dir das Buch nicht gefallen hat. Ich muss sagen, jetzt nach der Rezension reizt es mich auch gar nicht mehr wirklich. Danke für Deine ehrliche Meinung.

    Liebe Grüße,
    Moni

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    1. Ja, leider ... dabei klingt es wirklich vielversprechend und ich hatte auch einige positive Meinungen dazu gelesen. Mich hat es aber nicht erreichen können. Echt schade, weil eigentlich die Geschichte an sich echt gut wäre. Aber sie ist zu sehr in den Hintergrund gerückt.

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  6. Ich habe das Buch auch gelesen und ich mochte es eigentlich ganz gerne.Es war zur Abwechslung mal nicht so übermäßig viel Fantasy.
    Allerdings finde ich auch, dass das Cover ,der Klappentext und auch das Genre einen etwas anderes erwarten lässt.Da kann ich deine Meinung schon verstehen In Fantasy ist es auf alle Fälle ziemlich fehlplaziert und ich hätte an Stelle der Autorin es eher in Jugendliteratur eingeordnet.Auch finde ich manche Stellen etwas unnötig ausgeschmückt...

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    1. Ja, die Geschichte an sich wäre auch meiner Meinung nach nicht schlecht gewesen, aber mir war das ganze drum herum einfach zu viel ... echt schade!

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  7. vielen Dank für Deine Rezension. Ich teile Deine Einschätzung und war ebenfalls ziemlich enttäuscht von dem Buch; es sind einfach zu viele Erzählstränge begonnen und nicht zu Ende geführt oder miteinander verknüpft worden, so dass sie irgendwie sinnlos erscheinen. Der Roman machte den Eindruck, der erste von einer Reihe zu sein, weil so viel offengelassen wurde, aber ich war ehrlich froh drum, dass die Autorin das Buch noch irgendwie zuende gekriegt hat, auch wenn ich das Ende weitgehend unverständlich fand. letztlich wirkt die Story auf mich wie ein Entwicklungsroman für Pubertierende, in denen ein paar zusammenhanglose magische Andeutungen eingestreut wurden und warum die Protagonistin diesen Typ toll findet, hat sich mir auch nicht erschlossen, aber das ict ja Geschmackssache +g

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    1. Ja, damit hast du absolut recht.
      Naja, warum man sich in dem Alter verliebt - oder überhaupt - ist ja für andere und oft auch für einen selbst nicht offensichtlich :)
      Da kann ein Blick, eine kleine Geste, genügen und schon ist es passiert.

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