Montag, 8. März 2021

Mega spannend: Sanctuary von V. V. James

Sanctuary von V. V. James

 
Als Daniel Whitman, der gefeierte Footballstar der Sanctuary Highschool, auf einer Party unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, ist die ganze Stadt in Aufruhr. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen tragischen Unfall hin, doch jeder in Sanctuary weiß, dass Dans Ex-Freundin Harper die Tochter einer stadtbekannten Hexe ist. Ist Harper, die mehr als einen Grund hatte, wütend auf Dan zu sein, möglicherweise selbst eine Hexe? Hat sie ihn gar durch den Einsatz von Magie getötet? Als Harper schwere Anschuldigungen gegen Dan vorbringt und die Polizei in diesem Fall zu ermitteln beginnt, steht Sanctuary kurz vor einer neuen Hexenjagd ...

 
 
 
 
Meine Meinung
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Ich weiß nicht, warum, aber mit einer Kleinstadt voller Intrigen und einer stadtbekannten Hexe hab ich mir irgendwie etwas skurril witziges erwartet - dabei taucht man hier immer mehr in bittere Wahrheiten ein, sobald man hinter die schönen Fassade blickt und die bunt schillernde Seifenblase der Kleinstadt-Idylle beginnt zu platzen.
 
Der Tod des beliebten Footballstars Daniel Whitman scheint kein Unfall gewesen zu sein, da seine Ex-Freundin, die Tochter der stadtbekannten Hexe Sarah, kurz vor seinem Tod mit ihm in Streit geriet. 
Das ganze Szenario scheint anfangs gar nicht so viel herzugeben, aber es fesselt von Anfang an und entwickelt eine Sogwirkung, die mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen ließ! 

Das ganze spielt ja in unserer Welt, mit der Variante, dass nach der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit eine Wende eintrat und die Hexen nach und nach von der Gesellschaft akzeptiert wurden, allerdings mit gesetzlichen Regelungen. Sie dürfen ihrem Handwerk nachgehen und Magie einsetzen, jedoch - natürlich - nur im positiven Sinn. Sarah Fenn ist die einzige Hexe in Sanctuary und hat einen kleinen Laden, der auch sehr gerne besucht wird. Sie wirkt auf mich sehr liebenswürdig und hilft mit ihren Zaubern gerne allen, die sie um Rat bitten. 
 
"Die moderne Gesellschaft glaubt, sie habe bessere Möglichkeiten als die Zauberei gefunden, um uns den Weg durchs Leben zu erleichtern: Medikamente gegen die Trauer, Apps für die Liebe, Versicherungen gegen Krankheit, Lotterien für den Wohlstand."
Zitat Seite 39
 
Dass ihre 17jährige Tochter Harper keine Magie in sich trägt hat sie sehr erschüttert, doch sie arrangieren sich damit. Deshalb ist es auch für Sarah unmöglich zu glauben, ihre Tochter hätte etwas mit dem Tod von Daniel zu tun, bei dem anscheinend nicht alles mit rechten Dingen zuging. 

Als sich plötzlich ein Zeuge meldet, der Harper sehr belastet, ziehen die Gerüchte ihre Kreise und es beginnt eine Hexenjagd, die mit Angst, Verzweiflung und Trauer geschürt wird. Wie sehr manche hier von Hass getrieben werden und welche Konsequenzen sich daraus ergeben ist wirklich unglaublich und hat mich immer tiefer in diesen Sumpf der hinterhältigen Verleumdungen gezogen. Ein sehr anschauliches Beispiel, wie ein Verdacht sich plötzlich verselbständigt und immer weitere Kreise zieht und die ganzen Einwohner der kleinen Stadt in einen mörderischen Mob verwandelt. 

Was hinter den ganzen Ereignissen steckt wird nach und nach aufgedeckt und hat eine sehr bittere Ursache, die mich an eine bekannte Serie erinnert hat. Ich möchte sie jetzt nicht nennen, da das wahrscheinlich spoilern würde, aber das ganze enthält wichtige Themen, die leider immer noch viel zu oft unter den Teppich gekehrt werden. Man erfährt jeden Schachzug aus erster Hand, da die Kapitel aus der Sichtweise der verschiedenen Personen erzählt werden, hauptsächlich von Sarah, Maggie und Abigail.

Sarah steht jedenfalls sehr alleine da, denn selbst ihre Freundinnen aus ihrem Hexenzirkel ziehen sich von ihr zurück - nur die Polizistin Maggie, die zu den Ermittlungen hinzu gezogen wurde, ist von der Unschuld ihrer Tochter überzeugt. Was immer dringender wird zu beweisen, denn obwohl es im Staate Connecticut keine Todesstrafe mehr gibt, gilt als einzige Ausnahme eine schadenswirksame Ausübung der Magie.
 
"Magie ist ein Austausch. Etwas wird gegeben, etwas wird genommen, ..."
Zitat Seite 90

Viele der zwischenmenschlichen Aspekte sind hier deutlich zutage getreten was Vertrauen und Freundschaften betreffen. Vor allem auch der Glaube vieler Eltern, ihre Kinder in- und auswendig zu kennen, doch das tut man nie ... eigentlich kann man froh sein, wenn man sich selbst durchschaut, denn meist in man nicht mal zu sich selber ehrlich. 
Aber auch Vorurteile sind hier natürlich ein wichtiger Bestandteil, denn selbst Maggie, die hinter der Hexe und ihrer Tochter steht und sie zu schützen versucht, glaubt eine listige Frage auf die "Listigkeit der Hexen" zurückzuführen. Ich denke mal, listig kann so ziemlich jeder Mensch sein ... aber daran sieht man, wie sehr solche Denkweisen prägen, die die Generationen überdauern.

Den Aufbau fand ich, wie gesagt, äußerst spannend, denn es tut sich immer wieder neues auf und man weiß nicht, wohin die nächsten Erkenntnisse führen werden. Aber auch die modellierte Welt der Gesellschaft, in der die Hexen hier Tür an Tür mit den anderen wohnen, ist gut und glaubwürdig konstruiert. Es gibt eine Organisation, die sich um Hexen-Belange kümmert, Hexen, die sich auch in Ermittlungen einbringen dürfen und einige Einblicke in die Zauber und Rituale, die ausgeübt werden. 
Die Autorin weist im Anhang darauf hin, dass sie dabei auf verschiedene historische Quellen zurückgegriffen hat und alle Praktiken fiktiv und keiner magischen Bewegung zuzuordnen sind. 

Der Schluss war auch nochmal überraschend und hat das ganze für mich perfekt abgerundet!
 
 
Meine Bewertung
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Ebenfalls rezensiert von
 
 
 

 

Sanctuary von V. V. James

 
Genre Urban Fantasy Thriller
Schauplatz fiktive Kleinstadt in Connecticut
Im Original Sanctuary - übersetzt von Sabine Thiele
 
Verlag Heyne --- Seitenzahl 444
1. Auflage März 2020 


 

6 Kommentare:

  1. Ich hatte das Buch, als es erschien, kurz im Blick gehabt. Aber dann ist es von meinem Radar entschwunden. Offenbar zu unrecht ;)

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    1. Es kommt wohl drauf an ... nicht jeder ist so begeistert. In einer Rezension hab ich auch gelesen "es war total langweilig" O.O
      Also ich fands großartig spannend aufgebaut und mit viel ernsterem Hintergrund als ich gedacht habe. Es hat mich jedenfalls nicht losgelassen xD

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  2. Vom Klappentext hätte ich auch eher was Komisches erwartet und von Cover und Titel was ganz anderes (irgendwie eine von der Aussenwelt abgeschlossene Gesellschaft, ein Zuflucht - Sanctuary halt). Aber was drin steckt, klingt auch sehr interessant, vor allem wenn man es als Metapher auf moderne "Hexenjagden" lesen kann.

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    1. Schon oder? Das suggeriert doch irgendwie was witziges wie Desperate Housewives oder sowas xD

      Die Metapher auf moderne Hexenjagd? Da steh ich jetzt auf dem Schlauch, ich weiß nicht so genau was du damit meinst? ^^ Eher fühlt man sich an andere Jahrhunderte erinnert, man die Entwicklung hier im Buch verfolgt O.O

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  3. Hallo Alex,

    das Buch hatte ich bisher nicht wirklich auf dem Schirm. Dass, was du schreibst, hat mich neugierig gemacht, da ich Geschichten mit Hexen recht gerne mag. Es wandert auf meine WuLi und mal schauen, ob und wann es bei mir einziehen wird.

    Danke für deine Rezi und liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Also ich fands wirklich richtig gut! Es ist tatsächlich scheinbar sehr unbekannt und das hat es nicht verdient ;) Ich hoffe, du kommst mal dazu!

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