Montag, 29. März 2021

Die Tribute von Panem X von Suzanne Collins

Das Lied von Vogel und Schlange
Ehrgeiz treibt ihn an.
Rivalität beflügelt ihn.
Aber Macht hat ihren Preis.

Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden.

Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen: Lucy Gray, das Mädchen im Regenbogenkleid, das zwar singen kann, aber für den Kampf ungeeignet zu sein scheint. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg seines zukünftigen Lebens entscheiden und Lucys Leben vorzeitig beenden. Es beginnt ein brutaler Kampf in der Arena, bei dem Coriolanus schnell feststellt, dass sein Schicksal untrennbar mit Lucy Grays verbunden ist.

 
Meine Meinung
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Das Buch kommt ja nicht bei allen Lesern so gut an - aber dennoch war ich als Fan der Panem Trilogie neugierig, welche Entwicklungen die Hungerspiele genommen haben und vor allem auch auf Coriolanus Snow. Ihn kennt man ja als gefühllosen Diktator, der mit Angst und Schrecken im Kapitol herrscht - einem Staat in Nordamerika in einer Zukunft, in dem sich ein Gesellschaftsmodell entwickelt hat, das auf absoluter Macht aufgebaut ist.
 
In dieser Geschichte lernt man Coriolanus kennen, als er 18 Jahr alt ist. Seine Familie ist zwar immer noch angesehen und lebt im reichen Viertel des Kapitols, doch er, seine Cousine Tigris und seine "Großmadame" haben seit Jahren täglich mit Hunger zu kämpfen und es fällt ihm zusehends schwer, nach außen seinen Status aufrecht zu erhalten.
Behütet als Kind war es für ihn ein einschneidendes und weitreichendes Erlebnis, als die Rebellion der Distrikte in einen Krieg mit dem Kapitol ausgeartet ist. Angst und Hilflosigkeit haben viele Jahre seines Lebens geprägt und den Hass gegen die Menschen aus den Bezirken außerhalb geschürt. Ein täglicher Kampf ums Überleben, auch nach dem Triumph des Kapitols, da die Geldmittel seiner Familie aufgebraucht sind, hat ihn zu einem kühlen, berechnenden Menschen werden lassen. 

Andere Familien haben jedoch natürlich Kapital aus dem Sieg geschlagen und um die Macht der Herrscherklasse immer wieder zu demonstrieren und nicht vergessen zu lassen, wer das Sagen hat, wurden die Hungerspiele eingeführt; ein grausamer Kampf auf Leben und Tod in der Arena, die zu der damaligen Zeit noch lange nicht die Ausmaße hatte, wie man sie aus der Trilogie kennt. 
 
"Im Kapitol legte man Wert darauf, dass sich alle die Spiele ansahen, doch viele drückten sich davor. Die Herausforderung bestand darin, sie für die Zuschauer spannender zu gestalten."
Zitat Seite 24

Snow wird als Mentor eines der Tribute eingesetzt - eine Chance für ihn, ein Stipendium und damit ein Preisgeld zu ergattern, die einzige Möglichkeit, weiter aufzusteigen und seine Familie wieder zu Ruhm gelangen zu lassen.  
Da die Idee, Mentoren einzusetzen, noch relativ neu ist, passieren jedoch einige Patzer, die tödliche Folgen haben, was das Interesse der Öffentlichkeit an den Spielen schürt. Auch andere Neuerungen sollen die Beteiligung der Zuschauer fördern und dem ganzen einen neuen Reiz verleihen.

Obwohl Snow von Kindheit an durch Angst und Hunger gelernt hat, die Menschen in den Bezirken außerhalb des Kapitols zu hassen, verspürt er ein gewisses Unbehagen. Er ist hin- und hergerissen zwischen Mitleid und der Ungewissheit seiner eigenen Zukunft, was seinen Mut zum Handeln sehr eingrenzt. Trotzdem kommt es zu kompromittierenden Aussagen, wie ungerecht und verabscheuungswürdig die Hungerspiele sind und ich hab mich während dem Lesen immer wieder gefragt, wie es dazu gekommen sein mag, dass er sich in einen so kaltherzigen und abgebrühten Menschen entwickelt, wie man ihn aus der Trilogie kennt. Denn auch wenn er emotionslos wirkt kommen doch immer wieder Gefühle in ihm auf, die aus dem Dunst seiner Beherrschtheit ausbrechen wollen. Die tief sitzende Furcht gewinnt allerdings immer wieder die Oberhand...
 
"Ihre Niederlage hatte ein bis dahin nicht gekanntes Gefühl der Sicherheit mit sich gebracht, und das war wunderbar gewesen. Die Sicherheit, die nur durch Übermacht entstehen konnte. Durch die Fähigkeit zu herrschen. Ja, das war das Schönste gewesen."
Zitat Seite 217

Auch seine anderen Mitschüler sind nicht alle begeistert über die Demütigungen und dem brutalen Reiz der Hungerspiele, haben aber kaum eine Chance, sich dagegen zu wehren. Im Grund wissen die meisten nämlich ganz genau, wie falsch das alles ist, aber sie scheinen mir hilflos, als wäre jeder Protest sinnlos und auch gefährlich. Dazu trägt vor allem auch die Spielemacherin Dr. Gaul bei, die für mich hier die wahre Antagonistin ist, die im Hintergrund ihre Fäden zieht. Ihre Lehre, den Krieg niemals beenden, sondern beherrschen zu müssen, lässt sie gekonnt in die Gedanken der Schüler einfließen und setzt damit den Grundstock für Verachtung und Hochmut.

"All ihre guten Manieren, Erziehung, familiärer Hintergrund, alles, worauf Sie stolz sind - im Bruchteil einer Sekunde fortgewischt, und übrig bleibt nur, was Sie eigentlich sind. Ein Junge mit einem Stück Holz, der einen anderen Jungen totschlägt. So ist der Mensch in seinem Naturzustand."
Zitat Seite 288

Es hat mich sehr gefesselt, auch wenn grade anfangs keine großen Spannungsbögen vorhanden waren, bis es plötzlich zu einem Vorfall kommt, der mich so unerwartet und kalt erwischt hat, wie ich es von Suzanne Collins gewohnt bin. Vor allem, da das ganze in einem so nüchteren Stil erzählt wird, dass die Brutalität so unvermittelt und überraschend kommt und das Bild wieder scharf stellt.
Die großen Gefühle dafür blieben bei mir jedoch aus, was wirklich schade ist, aber das monotone Schema macht es fast unmöglich für mich. 

Dieser Band gibt dennoch einen sehr guten Einblick auf die Geschichte von Panem und die Entwicklungen dieser Gesellschaft. Auch wenn Snow´s Charakter mich nicht animiert, ihn als Freund haben zu wollen, kann ich ihn definitiv besser verstehen und seine Beweggründe nachvollziehen. Ein gutes Beispiel, wie Propaganda funktioniert und wie leicht Manipulationen umzusetzen sind. 

Ich bin gespannt, wie die Trilogie jetzt, mit dem "Vorwissen" auf mich wirkt und freu mich schon auf den re-read! :)
 
 
Meine Bewertung
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Ebenfalls rezensiert von
 
 



 

Die Tribute von Panem X - Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins

 
Die Vorgeschichte zur Trilogie Genre Dystopie - Jugendbuch
Im Original The Hunger Games - The Ballad of Songbirds and Snakes
 
Verlag Oetinger --- Seitenzahl 608
1. Auflage Mai 2020
 

 
 
Die Tribute von Panem
 
X - Das Lied von Vogel und Schlange
1 - Tödliche Spiele
2 - Gefährliche Liebe
3 - Flammender Zorn
 
 

 

Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee,

    jetzt hast du es auch gelesen. Es freut mich, dass es dich ebenfalls fesseln konnte. Bei einigen Lesern ist es insgesamt nicht so gut weggekommen. Ich finde, Snows Charakterentwicklung und den Anfang der Hungerspiele sind sehr gut umgesetzt. Der monotone Stil hat mich gar nicht so gestört. Ich hatte mit den musikalischen Einschüben weniger Freude. Irgendwie hoffe ich sogar, dass es ein weiteres Mal nach Panem geht. Ich bin gern in dieser Welt unterwegs.

    Liebe Grüße & schönen Abend,
    Nicole

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    1. Ja, endlich *lach*
      Es hat mich definitiv gefesselt weil Snow einfach ein sehr interessanter Charakter ist - nicht unbedingt sympathisch, aber er hat zu der Zeit ja noch ein bisschen was gutes in sich, bei dem sich halt doch immer mehr die schlechten Eigenschaften durchsetzen. Was von seiner Kindheit durchdringt macht das aber eben nachvollziehbar.

      Bei den meisten negativen Rezensionen hab ich gelesen, dass sie mit ihm gar nicht klar kamen, weil er ihnen so unsympathisch war, dabei hat er schon einige Facetten mit denen er ringt.

      Oh ja stimmt, die Lieder Texte hätte es für mich auch nicht gebraucht :D

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  2. Hayy,

    bisher habe ich mich ein wenig davor gedrückt, dieses Buch zu lesen.
    Obwohl ich die die Trilogie echt gern hatte und mich auch ein nicht vollständig moralisch guter Protagonist interessiert, hat mich der Preis dann doch abgeschreckt. Und die Tatsache, dass dieser Prequel Teil erst nach der Originalgeschichte entstanden ist. Da können sich viel eher "Fehler" einschleichen, die dann mit späteren Ereignissen nicht mehr zusammen passen...

    Vielleicht gebe ich dem Buch ja mal eine Chance...

    Xoxo Shade

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    1. Hm, vor "Fehlern" hatte ich keine Angst, das liegt ja soweit in der Zeit zurück, das hat eher weniger Bezug auf die direkten Verwicklungen in der Trilogie ... mir ist auch nichts aufgefallen. Aber ich weiß auch kaum noch Details *lach* Deshalb steht jetzt auch der re-read an :D

      Ja, der Preis hat es in sich, ich hab das Buch ja vor ca. einem Jahr bei einem Gewinnspiel gewonnen gehabt... ansonsten wäre es vielleicht noch auf meiner Wunschliste.

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    2. Ich habe die Trilogie auch schon vor Ewigkeiten gelesen. Damals habe ich mir gleich einen (wunderschönen) Schuber geholt und den innerhalb von ein paar Tagen durchgelesen. Vielleicht sollte ich sie auch noch einmal re-readen.

      Ich glaube ich warte einfach, bis entweder der Preis stark runtergeht oder ich es irgendwo gebraucht kaufen kann.

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