Dienstag, 12. Februar 2019

Das Wunder der Menschlichkeit ~ Wie Eulen in der Nacht von Maggie Stiefvater

Verlagsinfo: In ihrem neuen Fantasy-Roman erzählt Spiegel-Bestseller-Autorin Maggie Stiefvater eine atmosphärisch-düstere Geschichte über Angst und Magie, Liebe und Mut.

Jeder träumt von einem Wunder, aber nicht jeder ist bereit dafür.

Wem nur noch ein Wunder helfen kann, der findet stets seinen Weg in die Wüste Colorados und zur außergewöhnlichen Familie Soria. Doch die Wunder der Sorias sind unberechenbar und wer sie aus eigener Kraft nicht vollenden kann, zahlt einen hohen Preis.

Auch Daniel Soria bewirkt diese Wunder mit der Ernsthaftigkeit und Hingabe, die es braucht. Doch dann bricht er die wichtigste Regel seiner Familie: Er mischt sich in ein Wunder ein. Dadurch entfesselt er eine Magie, die seinen Tod bedeuten könnte.

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Wie Eulen in der Nacht

von Maggie Stiefvater

Im Original All the Crooked Saints
übersetzt von Katharina Volk
Genre Jugendbuch / Fantasy
Schauplatz Colorado, 1962

Verlag Knaur // Seitenzahl 304
1. Auflage November 2018

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Meine Meinung

Trotz einiger negativer Kritiken bin ich bewusst positiv an das Buch herangegangen - ich hab ja schon einige Bücher von der Autorin gelesen und ich mag ihren Stil sehr und ich weiß, dass ihre Geschichten oft unter einer kuriosen Oberfläche verborgen sind und in der Tiefe wirken. Bei diesem Buch hier kann ich nachvollziehen, dass so mancher sich nicht in diese besondere Gemeinschaft der Familie Soria mitten in der Wüste Colorados hat mitreißen lassen wollen, und auch ich war anfangs noch etwas skeptisch, wo das ganze hinführen soll - aber dann, auf einmal, hat es so einen Sog entwickelt und ich konnte zwischen den Zeilen so viele zwischenmenschliche Wahrheiten entdecken, dass ich das ganze Zusammenspiel plötzlich in einem ganz anderen Licht gesehen habe.

Zu Beginn ist es wirklich nicht einfach, denn das kauzige Jonglieren mit Wörtern und die schrullige Logik hinter den Ereignissen erscheint so verdreht, dass man den tiefen Sinn dahinter erstmal kaum erkennt, der nur ab und an aus der verworrenen Dunkelheit hervorblitzt.
Und ja, um Dunkelheit geht es, diesen schwarzen Fleck auf weißer Weste, den dunklen Punkt in unserer Seele mit dem wir hadern, ohne ihn genau zu kennen bzw. kennen zu wollen.

Das "Wunder", das die Heiligen der Familie Soria schon seit sehr langer Zeit wirken, macht den Menschen diese Dunkelheit bewusst, macht sie sichtbar, allerdings auf eine sehr abstrakte, ja obskure Weise. Denn das wahre Wunder steht danach noch bevor, indem der Mensch nun selbst auf die Lösung kommen muss, indem er das Dilemma erkennt, in dem er steckt. Denn auch wenn es sichtbar ist und endlich an die Oberfläche kommt, heißt das noch lange nicht, dass man bereit ist, seine gewohnten Muster zu ver- und die Angst und die Scham hinter sich zu lassen.
Ein Wunder allein reicht eben nicht, sondern es ist nötig, selbst etwas zu tun, sich selbst zu reflektieren, zu akzeptieren und etwas ändern zu wollen. Von außen kann noch so viel einwirken, am Ende ist doch jeder selbst für sich verantwortlich. 

Der Schreibstil ist hierbei wirklich gewöhnungsbedürftig und auch ich habe anfangs etwas gebraucht, um mich einzufinden. Schon die Beschreibung der einzelnen Familienmitglieder der Sorias zu Anfang ist äußerst diffus und dennoch so auf den Punkt, wie auch alle anderen Charaktere im Laufe der Geschichte eine sehr präzise Facette aus dem menschlichen Kaleidoskop bilden. Jeder von ihnen wird auch kurz mit seinem Grundbedürfnis protokolliert und damit, was er sich auf gar keinen Fall wünschen würde. Als ich selber darüber nachgedacht habe, was dort bei mir wohl stehen könnte, ist das gar nicht so leicht zu benennen.
Aber in jeder Figur, so verschieden sie auch sind, hab ich ein mich ein Stück weit wiedergefunden, was sehr aufschlussreich auch für mich persönlich war und über das ich sicher noch eine Weile nachdenken werde.

Dann gibt es natürlich noch diesen seltsamen Fluch, wonach die Sorias den Pilgern, die wegen den Wundern zu ihnen kommen, nicht helfen dürfen. Mit ihrer (Auf)Gabe geht also eine Last einher, die schwer zu (er)tragen ist und die im Laufe der Zeit auch den Zusammenhalt in der Familie immer mehr beeinträchtigt hat. Dass einer von ihnen nun diese Regel bricht löst eine Kettenreaktion aus, die alles zu zerbrechen droht und doch Stück für Stück wieder zusammenfügt, was längst zerbrochen war.
Das alles geschieht vor dieser surrealen, einsamen Kulisse in einem winzigen Dorf mitten der unwirtlichen Wüste Colorados, die in ihrer scheinbaren Leere genügend Raum gibt für Wachstum, Erkenntnisse und den Mut, seine Ängste zu überwinden.

Wie gesagt hab ich mich anfangs etwas schwer getan, doch wenn man mal in diese wundersame Geschichte reingefunden hat, packt sie einen tief im Herzen und zeigt auf ganz besondere Art und Weise, wie befreiend es sein kann, seine Schattenseiten ins Licht zu rücken und sie damit überwinden zu können.


Meine Lieblingszitate

"Sie versuchten nicht, andere Leute zu verändern,
und urteilten nur sehr selten über andere,
außer deren Werte hätten direkten Einfluss auf ihr eigenes Leben." S. 55

"Immerhin finden Menschen Spiegel seit jeher faszinierend. 
Michael hatte noch nie von außen betrachten können, wie es aussah, 
wenn man unablässig arbeitete, damit man nichts fühlen musste ..." S. 113 

"Daniels Kummer hatte die Träne so fest werden lassen,
dass die Buschratte sie tatsächlich tragen konnte.
Also schleppte sie die Träne heim in ihr Nest,
nur um später festzustellen, 
dass Nachkommen auf einem Bett aus Traurigkeit nicht gut gedeihen." S 136


Meine Bewertung

http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen

© Aleshanee



Über die Autorin: Maggie Stiefvater, geboren 1981, wurde mit ihrer "Nach dem Sommer"-Trilogie sowie dem Roman "Rot wie das Meer" international bekannt und von der Presse gefeiert. Die New York Times-Bestsellerautorin lebt mit ihrer Familie in den Bergen Virginias.
Quelle: Knaur Verlag

Auch von ihr gelesen und geliebt:

Die Reihe "Die Wölfe von Mercy Falls" in den vier Bänden
"Nach dem Sommer", "Ruht das Licht", "In deinen Augen" und "Schimmert die Nacht"

Sowie die Reihe "Raven Boys" in vier Bänden
"Wen der Rabe ruft", "Wer die Lilie träumt", "Was die Spiegel wissen" und "Wo das Dunkel schläft"




Kommentare:

  1. Hallöchen Aleshanee,

    oh man, deinen Eindruck hast du wirklich großartig beschrieben. So toll sogar, dass sich eine kleine Stimme in meinem Kopf meldet und ich mich frage, ob ich meinen Eindruck vom Buch vielleicht noch einmal überdenken sollte.
    Aber nein, es bleibt dabei =). Seit der Raven Boys Reihe weiß ich ihren Schreibstil sehr zu schätzen und auch in diesem Buch, waren ihre Stärken für mich absolut sichtbar. Bloß leider waren es dieses Mal die Charaktere, die mir etwas zu distanziert blieben und auch das Tempo der Geschichte war mir zu gemächlich.
    Ich finde es aber großartig, dass du so offen an die Geschichte herangegangen bist.

    LG
    Anja

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    1. Dankeschön Anja! Ich kann gut verstehen dass man hier sehr geteilter Meinung ist. Da muss der Funke einfach überspringen und das passiert nunmal nicht bei jedem Buch ;)
      Aber ich hab mich sehr gefreut es dennoch ausprobiert zu haben - anfangs hab ich mich ja doch etwas schwer getan, aber wenn man reinfindet, ist es wirklich toll! <3

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  2. Hallo Aleshanee!
    Danke für deine Rezension, sie hat mich motiviert das Buch auch mal zu lesen. :) Ich hab es ja jetzt schon öfters in den Regalen und in den Foren gesehen, aber mit Maggie Stiefvater hatte ich irgendwann mal keine so guten Erfahrungen gemacht, deswegen habe ich mich nicht so dafür interessiert.
    Aber das was du hier beschrieben hast, klingt echt nicht schlecht.
    Viele Grüße, Aurora ^-^

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    1. Oh, na dann bin ich ja gespannt ob du dich da ranwagst ^^ Es ist wirklich sehr skurril und ihr Stil ist extrem eigen - da muss man sich drauf einlassen können. Sehr viele mochten die Geschichte ja nicht und es fällt mir auch schwer, sie zu empfehlen. Entweder entwickelt man beim Lesen ein Gespür dafür oder es kommt eben nicht ... würde mich jedenfalls freuen, wenn es dir auch gefällt :)

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  3. Liebe Aleshanee,

    ach, Deine Rezension freut mich! Um dieses Buch schleiche ich schon lange rum. Als ich jetzt überlegt habe, ob ich es anfrage, habe ich die ganzen negativen Rez. gesehen ... und dachte trotzdem... das könnte was sein. Für ein RezEx war ich nun leider zu spät, aber ich werde mir das Buch kaufen, nachdem ich "Die Dornen der Rosen" gelesen habe. (SuB Vermeidungsstrategie. ;) Gleich lesen, was ich neu kaufe.)
    Toll finde ich, dass Du dich in jedem Charakter wieder finden konntest. Dieser Abschnitt hat mich irgendwie berührt.

    ... Ach was rede ich. Ich habe es gerade bestellt. :D :D

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Ah, cool! Na dann bin ich echt gespannt ob du auch was damit anfangen kannst :D
      Ja, jeder der Figuren hatte was, obwohl sie so grundverschieden sind, aber eben auch so vielfältig, dass man immer wieder Züge entdeckt, die auch zu einem selber gehören könnten. Ich fand das ja mega genial gemacht, grade die Figuren. Das kommt im ersten Moment gar nicht so rüber, da muss man dann schon ein bisschen zwischen den Zeilen lesen.
      Ich hoffe jedenfalls, dass es dich auch so begeistern kann <3

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  4. Ich freue mich, dass das Buch so gut bei dir ankam. Ich habe es wirklich gern gelesen und auch wenn ich es icht zu meinen Lieblingen der Autorin zähle, so konnte ich die bisherige weit verbreitete Kritik nicht ganz nachvollziehen. Umso schöner ist es dann, wenn jemand mal die positiven Punkte hervorholt :)

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    1. Dankeschön! Das war so ein Buch, das erst wirken musste - bei mir - umso besser gefällt es mir jetzt und ich bin froh dass ich es ausprobiert habe, trotz der vielen negativen Kritik :)

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  5. Hallo Aleshanee,
    ich habe gemerkt, dass die Bücher von Maggie Stiefvater einfach nichts für mich sind. Hier hat ja schon die Feen-Reihen nicht gefallen.
    In diesem Buch fand ich die Handlungszeit gut dargestellt, aber mich haben die vielen Charaktere überfordert. Ich habe bis zum 12. Kapitel durchgehalten, aber die Handlung konnte mich einfach nicht überzeugen.
    Die Wölfe-Reihe habe ich komplett aussortiert. Eine Freundin von mir meint, ich sollte es mal mit Rot wie das Meer versuchen. Sie ist ein großer Fan, aber ich glaube, ich lasse es.
    Geschmäcker sind eben verschieden, und die Bücher von Maggie Stiefvater treffen meinen Geschmack einfach nicht. Dann soll es wohl so sein. :-)
    Deine Rezension fand ich sehr interessant zu lesen. Diese Feinheiten sind mir entgangen. Das liegt sicher auch daran, dass mich das Buch nicht sofort packen konnte und ich mich dann nicht mehr richtig darauf eingelassen und bis zum Abbruch eher überflogen habe.
    Liebe Grüße
    Tinette

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    1. Ich hab auch ein paar Autoren, mit denen werde ich einfach nicht warm, da ist dann eben einfach so.

      Ohhhh, sehr schade! Grade die Wölfe Reihe fand ich ja so toll! Aber es bringt auch nichts wenn man den Stil nicht mag, da hat es dann wohl auch keinen Sinn...

      Ich hab auch schon Rezensionen zu anderen Büchern gelesen, die in den Geschichten dann Momente wahrgenommen haben, die völlig an mir vorbei gegangen sind. Da spielt es einfach eine Rolle, ob der Autor auf meiner Wellenlänge liegt und mich mit dem, was er schreibt, erreichen kann. Das ist eben nicht bei jedem so, ist ja auch bei Menschen die man im Leben so trifft auch nicht bei allen gleich ;)
      Hier hab ich einfach einen guten Draht gefunden und viele Dinge für mich herauslesen können. Das hat mich natürlich sehr gefreut!

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  6. Hallo Alex :D

    ja, ich lasse mich auch mal blicken ^^'. Habe gerade gemerkt, dass ich einiges verpasst habe in den letzten Wochen und starte gerade eine kleine Aufholjagd *lach*.
    Bei diesem Buch scheint es mir, dass man wirklich sehr zwischen den Zeilen lesen muss. Das merkt man allein schon bei den Zitaten (ich musste sie tatsächlich zweimal lesen um sie vollkommen zu verstehen *hust* xD).
    Ein Buch für Leute mit Geduld, die genau das an einem Buch mögen, wenn sie tiefer graben müssen :D. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das was für mich ist. Neugierig machst du mich schon irgendwo, aber die Skepsis bleibt auch, ob ich diese Geduld aufbringen kann und auch so schlau bin, die Sachen zwischen den Zeilen alle aufzugreifen ^^'. Da traue ich mir nämlich selber nicht (wenn ich schon die Zitate zweimal lesen muss xD).
    Schwierige Entscheidung. Erstmal werde ich es wohl sein lassen. Aber ich danke dir für diese positive und ausführliche Rezension ^^.

    Liebe Grüße
    Insi

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    1. Dankeschön Insi <3

      Hab schon grade gesehen dass du fleissig kommentiert hast, das freut mich sehr! :)

      Ich denke wirklich, dass man hier langsam lesen muss, ja auch mit Geduld, denn wie gesagt dauert es etwas, bis man reinkommt. Ob man das Gespür entwickelt was sie hintergründig aussagen möchte ... das ist echt schwer zu sagen. Ich glaube ja immer, da muss so eine Verbindung bestehen zu einem selber, sonst erkennt man es wahrscheinlich nicht. Es ist wirklich schwer ausdrücken.
      Manche Bücher treffen einen tief im Herzen und andere gehen gefühllos an einem vorbei - je nachdem wie man auf die Botschaft anspricht. Und natürlich eben wie der Autor das rüberbringt und ob man da auf einer Wellenlänge liegt.

      Auch wenn ich es großartig fand, empfehlen kann ich es schlecht, weil es einfach so eigen ist, dass da jeder selber entscheiden muss ob er es damit versucht ;)

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  7. Hallo Alex,

    da musste ich doch glatt mal nachlesen, wie du das Buch empfunden hast. :)

    Ich muss sagen dass ich schon sehr große Probleme mit dem Schreibstil hatte und ich lange Zeit nicht wusste was mir die Autorin eigentlich sagen wollte. Das mit der Dunkelheit in jedem von uns konnte ich zwar noch herauslesen, aber ich konnte den Bezug zu den Charakteren nicht aufbauen.

    Aber wie du schon geschrieben hast, zum Glück sind Geschmäcker verschieden und ich freue mich, dass das Buch seine Liebhaber findet.

    Lange Zeit stand die Wölfereihe auf meiner Wuli, die ich jetzt zumindest weit nach hinten geschoben habe. ;)

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. *lach* Da ich ja grade "Der dunkle Turm" lese, da weiß ich auch noch nicht wo das hinführt und bin schon am Ende von Band 3 ;) Also manchmal funktioniert dieses Konzept, manchmal nicht. Hab dir bei deinem anderen Kommentar grade auch schon kurz was dazu geschrieben: man muss da einen Draht finden zu dem was der Autor schreibt, denke ich, und manchmal funktioniert das, manchmal eben nicht. Ich hab das auch nicht immer und finde in Geschichten nicht rein, die andere großartig finden ... Meinungen sind da eben so unterschiedlich wie wir Menschen ;)

      Ohhh grade die Wölfe Reihe ist so toll <3 Das sage sogar ich obwohl es da viel um die Liebe geht! Die ist auch im Gegensatz zu dem hier sehr einfach geschrieben ^^ Aber ich weiß schon wie das ist, es warten einfach zu viele Bücher :D

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