Dienstag, 23. Juli 2019

Rezension zu Licht und Schatten von Zoran Drvenkar

Licht und Schatten von Zoran Drvenkar


Es ist der Winter 1704 und der Tod sitzt auf dem Wipfel einer Tanne und wartet geduldig auf die Geburt eines Kindes. Er ist nicht der einzige – ein Raunen wandert um die Welt und die Schatten lauschen mit gespitzten Ohren.

Schon in jungen Jahren macht sich Vida auf den Weg, um die Wahrheit zu finden. Sie hört den Ruf der Toten und begegnet ihrer eigenen Zukunft. Mit dreizehn lehren ihre Tanten sie die Mudras der Verbannung und sich ohne Waffen zu verteidigen. Denn Vida wurde geboren, um das Licht auf die Welt zurückzubringen. Aber niemand rechnet damit, dass sie ihren eigenen Weg geht und selbst dem Tod die Stirn bietet.







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Licht und Schatten

von Zoran Drvenkar

Genre Jugendfantasy
Empfohlen ab 14 Jahren
Schauplatz Russland, Anfang 18. Jahrhundert

Verlag Beltz & Gelberg // Seitenzahl 584
1. Auflage Juli 2019
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Meine Meinung
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Das wird eine mega schwierige Rezension für mich, weil ich gar nicht weiß, wie ich diese geniale Geschichte für euch in Worte fassen soll - wie ich euch einen kurzen Einblick in so eine außergewöhnliche Idee geben kann, die mich von der ersten Seite total fasziniert hat!

Wir begegnen Vida zum ersten Mal im Winter 1704 als sie das Licht der Welt erblickt, doch schon ihre Geburt wird vom Tod geprägt. Dieser wird sie auch weiterhin begleiten, denn durch die Gabe ihrer Mutter hat sie eine Bestimmung geerbt, deren Handhabe großes Geschick und einen starken Charakter fordert.
Mit ihrem Vater Solomon hat sie dafür die besten Aussichten, denn ihre Kindheit und ihre Entwicklung sind so wunderschön beschrieben und zeigen, wie frei ein Kind aufwachsen und sich entfalten kann. In seiner innerer Ruhe und seinem Vertrauen wächst Vida zu einer starken Persönlichkeit heran, die lernt, dass nur die Angst selbst es ist, die einem so viele Entscheidungen und das Leben schwer machen können.

"Solomon lebte nach seiner eigenen Philosophie: Wenn Vida stürzte, sollte sie stürzen und sich
wieder aufrappeln; wenn sie in die falsche Richtung lief, sollte sie es von allein merken und
dann umkehren. Er verbarg seine Besorgnis hinter einem Gleichmut, den Vida ihm mühelos
von den Augen ablesen konnte." S. 77

Ich hab ja schon ein paar andere Bücher des Autors gelesen und war deshalb völlig überrascht von dieser neuen Seite, denn der Schreibstil ist sehr ausdrucksstark, aber mit einer gewissen Leichtigkeit, bildhaft, aber mit genug Raum für eigene Vorstellungen und dabei märchenhaft poetisch aber auch märchenhaft grausam. Ja, es gibt einige Stellen die schonungslose Grausamkeit zeigen: der Zeit, in der es spielt angepasst aber auch der Handlung geschuldet runden sie die Atmosphäre ab, die von einer gewissen Melancholie aber auch einer Unbekümmertheit geprägt ist, die sich vom Leben treiben lässt.
Das klingt jetzt wahrscheinlich, als würde das nicht zusammenpassen, aber Zoran Dvrenkar vereint das alles in einer wunderschönen Hommage an das Gute im Menschen, an das Licht, das beständig gegen das Dunkle kämpft.

"Wenn der Wille stark wird und sich in Entschlossenheit verwandelt,
dann schlägt er Wurzeln." S. 165

Er hat hier auch eine wirklich schöne Idee zum Hintergrund die mich begeistern konnte und die das Weltbild und das Verhalten der Menschen auf neue (alte) Weise beleuchtet. Außerdem schafft er es, immer wieder spannende Momente einzubauen und mich als Leser völlig zu überraschen, denn man weiß lange nicht wo das ganze am Ende hinführen wird. Auch die Figuren haben alle ihre Geheimnisse, die erst nach und nach aufgedeckt werden und zu einer unvorhergesehenen Entwicklung beitragen.

Die Angst ist das, was viele "böse Gedanken" in unsere Herzen einziehen lässt und den Mut, sich davon zu lösen, bedeutet eine Menge Kraft, aber auch die Freiheit, das Schöne, das Leben zu genießen. An kleinen Botschaften mangelt es wahrlich nicht in diesem Buch und ich hab mir einiges daraus mitgenommen, über dass sich das Nachdenken lohnt.

"Vladek hatte nicht gesehen, was vor ihm lag, er hatte versucht, das Jetzt zu überspringen
und in eine leichtere Zukunft zu fliehen.
Es gibt keine leichtere Zukunft, dachte er, es gibt nur diese Gegenwart, aus der wir 
das Beste machen können." S. 436

Ein wirklich wunderschönes Buch, ein Märchen, ein Abenteuer - ein Schicksal, das Trauer ebenso begleitet wie Freude, Wut und Gelassenheit, Hass und Liebe. Auf jeden Fall anspruchsvoll und trotzdem für die Altersempfehlung lesenswert, aber auch für alle, die die Hoffnung auf das Gute nicht aufgeben wollen.


Meine Bewertung
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http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen

*Highlight*



Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.


Über den Autor:  Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit dreißig Jahren arbeitet er als freier Schriftsteller und schreibt Romane, Gedichte, Theaterstücke und Drehbücher über Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Er wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lebt in der Nähe von Berlin in einer ehemaligen Kornmühle.
Quelle: Beltz & Gelberg Verlag

Von dem Autor hat mich auch diese beiden Thriller begeistert: Sorry und Still

Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee,

    eine schöne Rezension.
    Verstehe ich es richtig, dass der Tod eine Gestalt hat? Weil ganz oben steht, er sitzt auf dem Wipfel der Tanne. Oder ist es nur eine Metapher?
    Wenn er eine echte Gestalt hätte, fände ich das mega cool.
    Dein erstes Zitat gefällt mir ganz besonders gut!!

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa,
      ja, der Tod kommt vor, aber nicht so, wie es vielleicht rüberkommt im Klappentext: erwarte da nicht so viel ;)
      Das Zitat hat so wunderbar seine Philosophie beschrieben und die ersten Jahre, die man mit Vida erlebt, wie sie aufwächst, sind einfach toll <3

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  2. Hallo liebe Aleshanee,

    hui, ich habe dieses Buch erst vor kurzem entdeckt und bin allein schon deshalb darauf aufmerksam geworden, weil ich die "Der letzte Engel"-Dilogie des Autors damals sehr mochte. Nach dem Lesen der Leseprobe wusste ich immer noch nicht so ganz, was ich davon halten sollte, außer, dass der Stil außergewöhnlich ist, aber auf eine ganz andere Art außergewöhnlich als bei "Der letzte Engel". Deine Rezension macht mich jetzt aber definitiv sehr neugierig!

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hi Dana! "Der letzte Engel" mochte ich auch, wobei ich den zweiten Band nicht mehr ganz so gut fand. Das hier wirkt definitiv ganz anders, aber eben trotzdem außergewöhnlich. Er hat eine sehr intensive Art, zu erzählen, und das ist hier besonders schön, finde ich :)
      Das freut mich!

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  3. Guten Morgen Alex,

    deine Rezi hat mich noch einen Tick neugieriger gemacht und ich möchte das Buch auch sehr bald lesen, da ich den Schreibstil des Autors sehr mag, weil sehr speziell.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Das freut mich sehr, Uwe! Da wünsch ich dir ganz viel Spaß und bin gespannt, was du zu der Geschichte sagst :)

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