Samstag, 17. März 2018

Rezension: Artemis von Andy Weir

Artemis 

von Andy Weir

übersetzt von: Jürgen Langowski
Genre: Science Fiction

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 432
Taschenbuch: 15,00 €
Ebook: 11,99 €

1. Auflage: März 2018






Klappentext

Jazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer.Und verdammt ungemütlich, wenn man kein Millionär ist. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu. [...]
Plötzlich steckt Jazz mitten drin in einer tödlichen Verschwörung, in der nichts Geringeres auf dem Spiel steht, als das Schicksal von Artemis selbst.




Meine Meinung
 

Viele kennen das Buch oder den Film "Der Marsianer". Ein ziemlich aufregendes und erschöpfendes Abenteuer auf dem Mars, das durch den Autor mit vielen technischen Erklärungen zwar in die Länge gezogen wurde, mich aber trotzdem begeistern konnte.

Dieses Mal spielt die Handlung auf dem Mond und der dort einzigen Stadt Artemis, die sich auf fünf Kuppeln verteilt, in der die ca. 2000 Bewohner leben. 
Jazz ist eine davon und sie hält sich als "Trägerin" über Wasser, d. h. sie befördert Waren von einem Ort zum anderen - unter anderem auch Schmuggelware von der Erde zu potenziellen Kunden, die auf die ein oder andere illegale Sache auch in der Mondstadt nicht verzichten können.
Sie erzählt alles aus der Ich-Perspektive auf ihre sehr eigenwillige Art. Sie hat in ihrer Jugend ziemlich viel Mist gebaut und war mir, trotz einer positiven Ausstrahlung, bis zum Ende nicht so richtig sympathisch. Natürlich muss sie sich irgendwie durchs leben schlagen, aber die Art und Weise war nicht immer auf meiner Wellenlänge. Das lag jetzt nicht unbedingt an ihrer zweifelhaften Moral oder ihrer Neigung nachtragend zu sein ... aber sie erinnert doch manchmal noch an einen trotzigen Teenager. Ihr Alter war für mich auch recht schwierig einzuschätzen und man erfährt erst relativ spät, dass sie 26 ist. 

Im Klappentext steck ein böser Spoiler, deshab hab ich den Satz komplett weggelassen und ich würde euch auch raten, nicht nachzuschauen. Die erste Hälfte der Geschichte hat sich für meine Begriffe dadurch auch ziemlich hingezogen, denn auch dieses Mal verzichtet der Autor nicht auf die vielen technischen Raffinessen, mit denen Jazz handeln geprägt ist. 
Ab der Hälfte tritt eine überraschende (wenn man den Klappentext nicht kennt) Wendung ein die für Spannung sorgt, wobei das große Finale dann doch wieder durch zu viele Details ausgebremst wird und an Spannung verliert. 

Das war schon etwas schade, denn an sich ist die Schreibweise sehr locker und flüssig; erfrischend einfach und unterhaltsam - wenn man von den technischen Erklärungsversuchen absieht. Wobei ich immerhin insgesamt zumindest die Hälfte davon verstanden hab. 
Allerdings gab es etwas zu oft passende Zufälle und nicht alle Reaktionen, sei es von den Figuren oder Konsequenzen der Handlung, kamen mir in ihrer Auswirkung logisch vor. 

Interessant dagegen fand ich die Darstellung über das Leben in den Kuppeln, die zur Hälfte unter der Oberfläche vergraben sind. Gerade in Bezug auf den Sauerstoff fand ich einiges wirklich faszinierend. Zum einen wie die Versorgung geregelt wird und zum anderen die vielen kleinen Beispiele, die Andy Weir einstreut, und damit zeigt, welche interessanten Einflüsse dieses chemische Element auf scheinbar belanglose Gewohnheiten nimmt. Genauso welche Auswirkungen die geringe Schwerkraft auf dem Mond hat; davon weiß man natürlich einiges, aber auch hier gab es witzige und kuriose Einzelheiten, die mich überrascht haben! 
Dazu kommen die Beschreibungen der Wohngelegenheiten, der Berufe oder auch der Justiz und vor allem der Polizeigewalt, die in dieser "abgeschiedenen" Kleinstadt recht unkompliziert abläuft - jedenfalls kann ich mir jetzt so eine belebte Station auf dem Mond realistisch vorstellen. 

Insgesamt wirklich unterhaltsam, flott geschrieben, aber eben leider doch sehr viel ausgebremst durch die Liebe zum technischen Detail und der akribischen Beschreibungen. Hätte er sich da etwas kürzer gefasst, würde ich es als spannenden Sci-Fi Thriller beschreiben, aber die Spannung hat sich leider doch etwas zurückgehalten. Die Ideen waren aber wieder großartig, vor allem wenn ich daran denke, welches Hintergrundwissen hinter der Geschichte schlummert.



Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/3%20Sonnen


© Aleshanee



Über den Autor: Andy Weir war bereits im Alter von fünfzehn Jahren als Programmierer und später als Softwareentwickler für diverse Computerfirmen tätig, bevor er mir seinem Roman »Der Marsianer« einen internationalen Megabestseller landete. Seither widmet er sich ganz dem Schreiben und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Physik, Mechanik und die Geschichte der bemannten Raumfahrt – Themen, die sich auch immer wieder in seinen Romanen finden. Sein Debüt »Der Marsianer« wurde von Starregisseur Ridley Scott brillant verfilmt.
Quelle: Heyne Verlag

Ebenfalls von ihm gelesen "Der Marsianer" ---> zu meiner Rezension  ✮✮✮✮

Kommentare:

  1. Hi Aleshanee,

    das deckt sich gut mit meinen eigenen Eindrücken. Sowohl was die vielen technischen Beschreibungen angeht (die hat es in dem Buch einfach nicht so gebraucht wie beim Marsianer), als auch das oft kindische Benehmen von Jazz. Irgendwie habe ich ihr viele Dinge nicht abkaufen können und ihr Verhalten oft als unnatürlich empfunden.

    Den Spoiler aus dem Klappentext, den du weggelassen hast, habe ich bei mir allerdings auch drin, weil ich die Info gar nicht als Spoiler empfunden habe. Ich weiß auch nicht ob mich der Klappentext ohne diese Info angesprochen hätte, aber da scheiden sich bestimmt wieder die Geister. ^^

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Sam

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    1. Ahh okay, schön zu sehen dass wir da ähnlich empfunden haben, auch wenn es mit etwas mehr Begeisterung besser gewesen wäre ^^

      Der kleine "Spoiler", doch ich muss sagen der hat mich schon gestört, denn was da steht passiert erst ca. bei der Hälfte der Handlung. Das ist mir zu früh und ich hätte nicht mit dieser Entwicklung gerechnet, wenn ich es nicht gewusst hätte. Es hätte mich überrascht! Und das wurde mir vorweg genommen und sowas find ich immer sehr schade! Gerade wenn es wirklich erst so spät vorkommt. Wenns relativ am Anfang ist, find ich das auch nicht tragisch, allerdings würde auch eine Andeutung reichen, irgendwas was einen als Leser neugierig macht. Aber man muss es ja nicht so direkt beim Namen nennen - finde ich ;)

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    2. Warum hab ich jetzt geschrieben "das ist mir zu früh" ^^ Ich meinte natürlich zu spät *lach*

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  2. Hallo Aleshanee,

    das ist ja schade. Ich hatte so gehofft, dass dieses Buch einen vom Hocker reißt, da ich "Der Marsianer" mega toll fand. Gerade den Hauptcharakter fand ich so toll gestaltet. Da wäre ich von "Artemis" bestimmt enttäuscht gewesen.
    Ich verstehe auch nicht, warum in Klappentexten so viel gespoilert wird. Das ärgert mich dann auch.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Rubine

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    1. An sich fand ich die Ideen ja gut, nichts außergewöhnlich originelles, aber da hätte man meiner Meinung nach mehr draus machen können.
      Minuspunkt war einfach die Protagonistin, die mir zu skurril und uneins war - und eben die technischen Details, die gerne sein dürfen, aber eben nicht die Spannung bremsen sollten.

      Dir auch ein schönes Wochenende! ;)

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  3. Ah, ok. Ich habe das wirklich nicht mehr so gut in Erinnerung. Mir kam das Ereignis sehr viel früher vor, aber vielleicht liegt das auch daran, dass es mich gar nicht so überrascht hat. Ich glaube, ich werde das gleich aber mal bei mir ändern. So wie dir geht es ja vielleicht auch anderen. :-)

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    1. Ich bin sicher dass andere das vielleicht auch als nicht so schlimm ansehen, aber ich bin da halt meistens recht unbedarft was den Verlauf angeht - ich hatte da noch gar kein Szenario im Kopf, als ich den Klappentext gelesen hatte. Ich will da eigentlich immer nur ungefähr wissen worum es geht und nicht auf Ereignisse hingewiesen werden, die alles in eine neue Richtung bringen. Gerne allgemein gehalten aber eben nicht so direkt ;)
      Wenn es im Klappentext steht rechne ich damit, dass es relativ am Anfang passiert und wenn das nicht der Fall ist: warte ich drauf. Und das ärgert mich dann weil ich die ganze Zeit nur auf diesen Moment warte, der diese "Änderung" mit sich bringt und alles was vorher passiert gar nicht mehr als so wichtig wahrnehme.

      Deshalb lese ich Klappentexte so ungerne :)

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  4. Das hört sich an, als wäre man mit dem gekürzten Hörbuch perfekt bedient, weil vermutlich genau das der Schere zum Opfer fällt, was Du an Längen und allzu großer Detailverliebtheit bemängelt hast. Sci-Fi Thriller sind genau mein Fall - ich werde es trotzdem mal mit dem Print versuchen, sonst habe ich immer das Gefühl, ich hätte was verpasst.

    LG Gabi

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    1. Ja, das kann gut der Fall sein!
      In solchen Fällen freu ich mich auch immer über Verfilmungen, weil da diese ganzen Längen komplett weg sind. Auch beim "Marsianer" war das zum beispiel der Fall. Wobei da die technischen Erläuterungen ja noch interessanter waren, für mich, weil es ja direkt mit seinem Überleben zu tun hatte und ich auch spannend fand wie er das alles macht.

      Das gleiche gilt z. B. auch für "Ready Player One", hier hatte ich auch das Gefühl mehrerer Längen und ich denke, bei dem Film der ja bald ins Kino kommt, wirkt sich das gekürzte positiv aus :)

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  5. Huhu Alex :D

    schade, dass es dich nicht so überzeugen konnte wie der "Marsianer". Der war ja wirklich super und hat mir ja auch richtig gut gefallen. Und schon da ist mir die Liebe zum technischen Detail aufgefallen, was es für mich an manchem Stellen etwas langatmig machte. Aber da ging es noch. Blöd, dass es in "Artemis" so stark Überhand nimmt... Natürlich steht dieses Buch auf meiner Wunschliste, aber nach deiner Kritik werde ich das wohl nochmal überdenken, ob das was für mich ist. Du hast mir mit deiner Rezi auf jeden Fall weiter geholfen :D

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Zwischendurch ging es schon gut voran, aber es gab halt zwei Szenen, die eigentlich spannend hätten sein können und durch diese akribischen Beschreibungen der Vorgehensweise und der Techniken sich echt extrem in die Länge gezogen haben - und dadurch natürlich die Spannung gebremst wurde ... Das war schon sehr schade.

      Dazu kam dann auch noch die Prota, mit der ich nicht so klarkam, ich bin ja gespannt, wie das andere sehen werden. Auf deine Meinung wäre ich auch gespannt :)

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  6. Hallo Aleshanee,

    danke für deine gute Rezension! Ich habe mit dem Buch schon geliebäugelt, weil "Der Marsianer" bei mir Wow-Status erhalten hat. Aber nein, dass lasse ich sein. Die technischen Beschreibungen stören mich da gar nicht so, aber wenn es um zu viele Zufälle geht, das gibt mir schon zu denken.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Das war wirklich schade!
      Also ein paar Zufälle stören mich jetzt zum Beispiel nicht so, wenn der Rest stimmt. Aber das war einfach alles zusammen nicht so rund: Zwei wirklich ausufernde Szenen mit der Technik, der kleine Spoiler im Klappentext der mich genervt hat und ich dann schon so lange wusste worauf es hinauslaufen wird, die etwas komische Prota und dann noch die kleinen Zufälle ... das war einfach nicht das richtige für mich ^^

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  7. Bei mir liegt das Buch noch auf dem SuB. Ich bin trotz der ganzen Meh-Bewertungen noch recht gespannt drauf. :D
    Hab einen tollen Abend. <3

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    1. Oh, na dann bin ich sehr gespannt wie du es finden wirst! :D
      Wünsch dir einen schönen Wochenstart!

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  8. Bei mir hat das Buch auch "nur" 3 Sterne bekommen, allerdings fand ich die Technik nicht schlimm, mich konnten die Beziehungen und das Private weniger überzeugen. Ich habe zuerst "Artemis" gelesen, was ich zwar gut fand, aber nicht sooo gut, und danach erst "Der Marsianer" und letzteres fand ich wirklich sensationell! <3 Wenn du möchtest, kannst du bei meiner Rezension zu "Artemis" vorbeischauen, eine zu "Marsianer" folgt auch bald. https://buecherreisende.wordpress.com/2018/03/04/rezension-artemis-von-andy-weir/

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    1. Ich fand es insgesamt irgendwie ... naja, eben alles nur so halb gut ^^
      Es gab halt zwei Stellen die sich gezogen haben wegen den ganzen technischen Details, und die hätten richtig spannend sein können, wenn er das weggelassen hätte.
      Die persönlichen Ebenen waren auch nicht immer meins, aber war mal erfrischend anders, auch wenn es ihm nicht so richtig geglückt ist, das so rüberzubringen wie er es wahrscheinlich wollte ...

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