Freitag, 9. März 2018

Rezension: Die verlorenen Legionen von David Hair

Die Brücke der GezeitenDie verlorenen Legionen

von David Hair

Band 7 der Reihe "Die Brücke der Gezeiten"
Im Original: Ascendant's Rite (The Moontide-Quartet 4) Part One
übersetzt von Michael Pfingstl
Genre: heroische High Fantasy

Verlag:  Blanvalet
Seitenzahl: 608
Taschenbuch: 15,00 €
Ebook: 11,99 €
1. Auflage: Feb 2018



--- ohne Spoiler! ---


Zum Hintergrund der Geschichte


Die Welt Urte hat sich vor langer Zeit auf zwei Kontinente gespalten: das nördliche Yuros mit einem kalten Klima und das südliche Antiopia. Getrennt von einem wilden Ozean hat sich die Bevölkerung auf beiden Seiten unterschiedlich entwickelt und auch im Glauben trennen sie wortwörtlich Welten.
Vor 500 Jahren jedoch entdeckte eine Sekte die Gnosis, eine Art Magie; doch deren Trank forderte viele Tote und nur dreihundert haben überlebt.
Ein Drittel davon berauschte sich an der neu gewonnen Macht, eroberte den nördlichen Kontinent und gründete das neue Reich Rondelmar. Das zweite Drittel zog sich in friedlichen Absichten unter Antonin Meiros zurück und bildete den Ordo Costruo.
Das restliche Drittel konnte nur dann über Magie verfügen, wenn es von einem sterbenden Magi die Seele trank. Von den anderen verabscheut zogen sich diese in den Schutz der Verborgenheit zurück.
Antonin Meiros schuf schließlich gemeinsam mit seinem Ordo Costruo die Gezeitenbrücke, die die beiden Kontinente miteinander verbindet, um einen friedlichen Handel der beiden Völker voranzutreiben. Doch Macht und Neid ließ den rondelmarischen Kaiser Legionen nach Süden treiben, wo es zu erbitterten Schlachten und Plünderungen kam.

Doch die Brücke ist nur alle 12 Jahre während der Mondflut passierbar und beim zweiten Kriegszug fielen dem Kaiser seine eigenen Vasallenstaaten in den Rücken.

928 steht die nächste Mondflut bevor und die Leviathan Brücke erhebt sich aus dem Meer - der Norden rüstet sich zum Krieg und der Süden tut alles, um ein erneutes Blutvergießen zu verhindern.



Meine Meinung - ohne Spoiler!

Der Krieg in Antiopia ist in vollem Gange und es sind auch nur noch 9 Monate, bis die Leviathan Brücke wieder in den Fluten des Meeres versinkt, und die beiden Kontinente wieder trennt.

Wie schon in den anderen Bänden wird dem Leser am Anfang wieder ein kurzer Einblick über die Verhältnisse in Urte gegeben sowie ein Rückblick auf die Ereignisse des vorherigen Bandes. So kommt man perfekt wieder in die Geschichte. 

Der Prolog ist auch sehr spannend, denn der handelt jedes Mal von der Ratssitzung, die vor (!) der Mondflut auf Yuros abgehalten wurde und man so Band für Band mehr darüber erfährt, was die Machthaber des nördlichen Kontinents tatsächlich in ihren Kriegszügen geplant hatten.

Die Schlachten prägen gerade diesen Band und es wird an allen Fronten gekämpft. Großartige Bilder entstehen hier durch die zaubernden Schlachtmagi, die sich aufregende Kämpfe liefern, aber es gibt auch taktische Feldzüge und viele diplomatische Ränke, Belagerungen und Duelle, die mit viel Detailreichtum und sehr anschaulich erzählt werden. Hierbei wird auch sehr deutlich, wie der Krieg tatsächlich ist - denn die heroische Vorstellung der Kämpfer wird auf dem Schlachtfeld recht schnell neu definiert: die Ängste und Schmerzensschreie, der Gestank der sich von den Ausscheidungen der Toten über das Schlachtfeld ausbreitet und die zahllose Verschwendung von Leben, wenn man ganze Heerscharen sterben sieht. Mein einziger kleiner Kritikpunkt hier, dass das manchmal doch recht ausschweifende Formen annahm - wobei die Spannung aber immer präsent war!
Denn Überraschungen hat der Autor immer noch parat. Man kann sich nie sicher sein, wie sich etwas entwickelt - ob die Figuren nicht doch noch einen Ausweg finden oder jemand liebgewonnenes der Tod ereilt. 

Natürlich geht die Enträtselung der Skytale des Corineus weiter, dem Artefakt, dessen Entschlüsselung zur Ambrosia führt: dem Trank, der im besten Fall in die Aszendenz führt. Der höchsten Stufe der Magie und damit demjenigen eine ungeheure Macht verleiht. 
Aber auch die Beziehungen zwischen den Figuren werden intensiver, sie entwickeln sich weiter und neue Freunde und Feinde werden gefunden. Intrigen, Lügen und wahre Liebe, hier ist wirklich alles dabei und ich möchte betonen, dass die Rolle der Frauen in dieser Geschichte die ganze Facette der Dramen des Lebens beinhaltet; nicht überall wird das weibliche Geschlecht als gleichberechtigt gesehen, ja sie werden aufs übelste benutzt und geschändet - trotzdem gibt es hier immer wieder selbstbewusste und selbstbestimmte Gefährtinnen, die über sich selbst hinauswachsen. Sie lassen sich nicht unterbuttern und sind gleichberechtigte Heldinnen, die über das Schicksal der Welt mitentscheiden!

Eine Welt, in der auch die verschiedenen Religionen und Götter eine große Rolle spielen. Der eingefleischte Glaube, der über die Jahrhunderte in den verschiedenen Völkern für engstirniges Denken gesorgt hat, wird vor viele Fragen gestellt die sich nicht so einfach lösen lassen. Der Autor hat sich hier von unseren Weltreligionen inspirieren lassen und der Balanceakt ist ihm wirklich gelungen, zu zeigen wie schwierig es ist, zu hinterfragen und hinter die Fassaden zu sehen - gerade wenn man von etwas absolut überzeugt ist. Dabei aber immernoch die Bedeutung erkennen lässt, wie der Glaube innerlich stärken kann. 

Außerdem zeigt er auch sehr deutlich, wie wichtig es sein kann, seine Meinung auch ändern zu dürfen. Fehler einzugestehen, die ein ganzes Leben geprägt haben, ob bewusst oder unbewusst und dass es nie zu spät ist, sich gegen falsche Überzeugungen aufzulehnen!

Ein wahrlich episches Werk mit einem fesselnden Sprachstil erzählt und einer komplexen, aber gut aufgebauten Handlung, so dass man alles überblicken und logisch nachvollziehen kann. Dazu die unterschiedlichsten Charaktere, die auf all ihren unterschiedlichen Ebenen der Gefühlswelt überzeugen können. Großartig!

Im Anhang gibt es dann noch Erklärungen zur Geschichte der Kontinente, der Zeitrechnung, der Hauptreligionen, der gnostischen Künste (Magie) und ein Glossar zu den verschiedenen Sprachen und ein Personenregister, so dass man bei Fragen immer wieder nachschlagen kann.


Zitate

"Macht ... unumschränkte Macht ... ist Gift für die menschliche Seele", flüsterte er nach einer Weile.
"Niemand, der in der Lage ist, nach eigenem Gutdünken über Leben und Tod zu entscheiden,
bleibt davon in seinem Kern unversehrt." S. 153

"Schweigen und für einen Narren gehalten zu werden ist immer noch besser,
als zu reden und sich als einer zu erweisen, wie sein Vater immer gesagt hatte." S. 156

"Ich denke, das Böse ist etwas, für das man sich entscheidet", sagte Elena vorsichtig.
"Und manchen fällt diese Entscheidung leichter als anderen." S. 454


Bewertung

 http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen

*Highlight*




© Aleshanee

Vielen  Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.


Über den Autor: Der neuseeländische Schriftsteller David Hair wurde für seine Jugendromane bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Brücke der Gezeiten ist seine erste Fantasysaga für Erwachsene. Nach Stationen in England, Indien und Neuseeland lebt er nun in Bangkok, Thailand.
Quelle: Penhaligon Verlag 


Die Brücke der Gezeiten

1 ~ Ein Sturm zieht auf
2 ~ Am Ende des Friedens
3 ~ Die scharlachrote Armee
4 ~ Die Waffen der Wahrheit
5 ~ Der Zorn des Propheten
6 ~ Der unheilige Krieg
7 ~ Die verlorenen Legionen
8 ~ Die Brücke der Gezeiten

Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee, jetzt hast du mich schon wieder auf ein Buch neugierig gemacht! Ich finde das auch sehr gut, wie du das machst, dass du die ganze Reihe unter dem Buch nochmal auflistet. Manchmal erfährt man gar nicht, dass es eine Fortsetzung ist oder man muss erstmal suchen, um sich einen Überblick über die verschiedenen Teile zu verschaffen.
    Bei dir fühle ich mich immer rundum versorgt mit allen Infos. Echt jetzt. Danke dir!

    Liebe Grüße,
    Rubine

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    Antworten
    1. Gerne!
      Ja, das mache ich zum einen für mich selber :) Aber natürlich auch für euch. Ich mag das gar nicht, wenn ich ein Buch sehe und es auf die Wunschliste setze und irgendwann später erfahre ich durch Zufall, dass es zu einer Reihe gehört und vielleicht sogar erst ein späterer Band ist. Dankeschön ♥

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