Dienstag, 25. Juni 2019

Rezension zu Der Fluch des Hauses Foskett von M. R. C. Kasasian

Der Fluch des Hauses Foskett von M. R. C. Kasasian


Sidney Grice ist zurück, und seine Laune ist nicht besser geworden. 

Die Stimmung in der Gower Street 125 ist mies. Seit Sidney Grice durch seine Ermittlungen einen unschuldigen Mann an den Galgen gebracht hat, laufen die Geschäfte schlecht. Der scharfsinnigste Detektiv des viktorianischen England liegt stundenlang apathisch in der Badewanne. Selbst zum Einsetzen seines Glasauges fehlt ihm die Kraft. March Middleton, Sidneys Patentochter, langweilt sich zu Tode … Bis zu dem Tag, an dem ein Mitglied des bizarren Clubs »Finaler Sterbefallverein« sein Leben aushaucht – mitten in Sidneys Wohnzimmer. Immerhin haben Sidney und March endlich wieder etwas zu tun. Und das nicht zu knapp, denn es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Die Ermittlungen führen das ungleiche Paar von London bis nach Kew in ein unheimliches Herrenhaus, dessen Eigentümerin, die enigmatische Baroness Foskett, eine alte Bekannte Sidneys ist. 




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Der Fluch des Hauses Foskett
von M. R. C. Kasasian

Band 2 der historischen Krimireihe "Gower St Detective"
Schauplatz London 1882
Im Original The Curse of the House of Foskett
übersetzt von Alexander Weber

Verlag Atlantik // Seitenzahl 494
1. Auflage August 2017
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 Meine Meinung
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Der erste Band hatte mich ja schon positiv überrascht, der zweite hier hat mich dann regelrecht begeistert :D

Wir sind im London des Jahres 1882 unterwegs und folgen March Middleton, die ihren detektivischen Einsatz mit ihrem Vormund Sidney Grice zusammen verfolgt. Eine winzige Spur erinnern die beiden an Sherlock und Watson, denn March berichtet alles über Spuren, mutmaßliche Indizien und mögliche Täter. Sidney Grice hingegen ermittelt mithilfe der Deduktioin, wie man sie eben von Holmes kennt - und trotzdem kann man die "Pärchen" nicht miteinander vergleichen.

March ist eine starke Person, die sich in ihrer Rolle als Frau gerne über Konventionen hinwegsetzt - und durchaus auch mal eine Zigarette raucht oder ein Glas Gin trinkt, auch wenn es sich für ihren Stand nicht gehört. Vor allem hat sie ein schlagkräftiges Mundwerk, mit dem sie sich sehr gut zu helfen weiß.
Sie scheint keine rechte Schönheit zu sein, was ihr auch immer wieder recht uncharmant ins Gesicht gesagt wird, doch sie hat damit kein großes Problem und weiß sich sehr gut zu wehren.

Sidney Grice hat in seinem Mündel einen perfekten Gegenpart gefunden, denn er ist für seine Spitzfindigkeit bekannt, die oftmals auch in grobe Beleidigungen münden. Sein Kredo ist Wahrheit, egal wie verletzend oder unpassend sie eingesetzt wird, und das schnöde Geld. Man kann ihn tatsächlich geizig nennen und die Verstorbenen, deren Schicksal er aufzuklären erhofft, interessieren ihn nur hinsichtlich der Entdeckung der Fakten und der möglichen Belohnung.
Allerdings, wie es meist bei so hartherzig wirkenden Menschen der Fall ist, steckt auch in ihm ein weicher Kern, doch er tut alles, damit ihn auch ja keiner entdeckt.

March allerdings konnte ab und an schon einen Blick hinter seine Fassade erhaschen und da sie auf ihn angewiesen ist hat sie gelernt, mit ihm zurecht zu kommen.
Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist einfach genial. Ironie und trockener Humor prägen ihre Gespräche und es macht unheimlich viel Spaß, das beim Lesen mitzuerleben.

Die Handlung ist dieses Mal sehr komplex durch die vielen Beteiligten, aber man kommt gut mit, auch wenn es zackig vorangeht. Der Schreibstil wirkt wirklich energisch, denn es gibt keine ruhigen Phasen zwischendurch sondern es geht unermüdlich vorwärts. Auch die kurzen Kapitel unterstützen das Tempo und die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin.

Ich finde es auch sehr schön an die damalige Zeit angepasst und es gibt viele eingestreute Details über das öffentliche Leben, die Klassengesellschaft, die Umgangsformen und viele Überzeugungen wie das Frauenwahlrecht oder die ärztliche Versorgung, die ein sehr anschauliches Bild transportieren. Ich hab mich jedenfalls direkt in die Vergangenheit versetzt gefühlt und war immer mittendrin im Geschehen.

Man erfährt auch durch die zwischendurch eingeworfenen Gedanken von March zu ihrem früheren Geliebten Edward mehr über das schlimme Schicksal, dass die beiden auseinandergebracht hat - wie auch schon im ersten Teil. Marchs Rolle und ihre verhängnisvollen Entscheidungen werden dadurch immer deutlicher.

Die Auflösung war überraschend, auch wenn ich dann am Ende kurz davor schon auf die Lösung gekommen bin - und es wird keine Frage offen gelassen. Allerdings gibt es noch einen fiesen Cliffhanger ganz am Ende, der mich super neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.


Meine Bewertung
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http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen



© Aleshanee

Über den Autor: Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. 
Quelle: Hoffmann und Campe Verlag 

Gower St Detective


2 - Der Fluch des Hauses Foskett
3 - Tod in der Villa Saturn
4 - Die Geheimnisse der Gaslight Lane
5 - Dark Dawn over Steep House

Kommentare:

  1. Hey Aleshanee,

    wenn das Buch im deutschen Raum spielen würde wäre es sicher was für mich. Ich liebe historische Krimis. Auch liebe ich temporeiche Storys wo man durch die Seiten geschliffen wird.

    England ist jetzt allerdings nicht meine bevorzugte Gegend. Aber ich werde mal schauen ob sie Band 1 in der Bibliothek haben, da kann man dann nicht viel falsch machen. ;-)

    LIebe Grüße Tanja

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    1. Hi Tanja! Ich bin da ehrlich gesagt nicht beschränkt auf Schauplätze - am liebsten liebe ich ja tatsächlich Krimis in London, egal ob in der Gegenwart oder Vergangenheit :) btw in der Zukunft wäre das auch mal cool fällt mir grade ein *lach*

      Ich würde sogar ganz gerne mal andere Städte als Schauplatz haben, irgendwelche komplett woanders ...

      Jedenfalls, der Schreibstil ist hier sehr eigen, aber ich find ihn super und wenn man sich mal reingelesen hat, fliegt man nur so durch! Zumindest gings mir so :)

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  2. Huhu, heute schaff ich es endlich auch mal, mich bei dir länger umzuschauen:-) Du hast ja wirklich viel gelesen im Juni. Ich bewundere es generell, wie aktiv du bloggst, denn ich komme nicht mal annähernd dazu, obwohl ich gern würde... Diese Reihe hab ich schon einige Male angesehen, war mir aber unschlüssig... ich denke irgendwie bei Krimis in England immer an Flavia. Sonst bin ich an sich aber nicht so der Krimi-Fan, ich mag aber das Flair (50er Jahre, England usw) und den Schreibstil bei Alan Bradley sehr. Diese Reihe liebe ich ja, wobei das ja eine Jugendreihe ist... Aber würdest du sagen, es geht in diese Richtung und eignet sich auch für Flavia-Fans? Lg, Kathrin

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    1. Das ist ja schön, das freut mich :)
      Hihi, dabei blogge ich mittlerweile etwas weniger, ich hatte die erste Zeit jeden Tag einen Beitrag, aber das ist mir inzwischen auch zuviel geworden ...

      Hm, das ist schwierig zu sagen. Flavia ist ja, wie du schon sagst, eine Jugendbuch Reihe und kann man hiermit gar nicht vergleichen. Vor allem die Spitzfindigkeiten zwischen den beiden Protagonisten ist toll hier, aber das muss man mögen.

      Wenn du Flavia magst würde ich dir vielleicht eher zu der Reihe von Wells & Wong raten, auch eine Krimireihe mit jungen Mädchen, die Detektiv "spielen". Geschrieben hat sie Robin Stevens und der erste Band heißt "Mord ist nichts für junge Damen"

      Oder auch der Einzelband "Lasst uns schweigen wie ein Grab" von Julie Berry, auch wirklich toll!

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  3. Hey! Ja, die Wells&Wong-Reihe steht schon auf meiner Liste :) "Lasst uns schweigen wie ein Grab" kenne ich bereits. So ganz kam es aber an Flavia nicht ran, aber das wird vermutlich auch schwierig, sie ist ja auch einzigartig:-)))

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    1. Also ich fand "Lasst und schweigen ..." auch richtig gut! Es war halt etwas anders - aber trotzdem hat es mir riesig viel Spaß gemacht :)

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