Montag, 18. März 2019

Rezension zu Mord in der Mangle Street von M. R. C. Kasasian

London 1882

Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich die junge March Middleton in die Obhut ihres Patenonkels: Sidney Grice, Englands berühmtester Detektiv, der vor einem neuen Rätsel steht. Eine Frau ist brutal ermordet worden, der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Mit jeder neuen Wendung des Falls ist Sidney stärker von der Schuld des Ehemanns überzeugt und March von seiner Unschuld. In die dunkelsten Ecken des East End führen die Ermittlungen die junge Frau mit dem Faible für Gin und den bärbeißigen Spötter mit dem Glasauge. Wer von ihnen wird wohl recht behalten? 
(Klappentext) 




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Mord in der Mangle Street 

von M. R. C. Kasasian

Band 1 der historischen Krimireihe "Gower St Detective"
Schauplatz London
Im Original The Mangle Street Murders
übersetzt von J. Sabinski und A. Weber

Verlag Atlantik // Seitenzahl 400
1. Auflage August 2016

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Meine Meinung

Bei historischen Krimis die in London spielen kann ich ja immer sehr schlecht widerstehen und ich freu mich sehr, dass mich das Buch begeistern konnte - wenn auch auf völlig andere Weise als sonst. Denn die Art wie der Autor hier erzählt ist schon sehr eigenwillig, wie auch die Charaktere jeder für sich einen standhaften Stursinn haben, der kaum zu überbieten ist.

Da wäre einmal March Middleton, die als Ich-Erzählerin ihre Erlebnisse mit dem überheblichen "persönlichen Ermittler" Sidney Grice erzählt, die sich 1882 in London zugetragen haben. Als junges Ding und grade zur Waise geworden folgt sie seinem Angebot, bei ihm als Mündel zu wohnen und gerät auch recht schnell in eine Mordermittlung, deren Verlauf ungeahnte Folgen nimmt. 
Sie ist mir direkt sympathisch gewesen, denn durch die unorthodoxen Erziehungsmethoden ist sie etwas ihrer Zeit voraus und lässt sich nicht so leicht als kleines Mädchen oder dumme Frau, die nur hübsch auszusehen hat, abstempeln. Ihre Vorliebe für Zigaretten und Gin lässt sie sich deshalb auch nicht nehmen, kann sich aber an die gesellschaftlichen Sitten soweit halten, um nicht unangenehm aufzufallen. 

Trotzdem kann sie sich mit ihrer Gutmütigkeit nicht immer zurückhalten, an Sidney Grice selbstgefälliger und unbarmherziger Art Anstoß zu nehmen. Seine Art der Ermittlungen ist geprägt von der Entlarvung der Lügen und dem Einstreichen seiner Gage - und seiner Überheblichkeit immer im Recht zu sein. Dabei wirkt er ungerührt ob des Schicksals der Opfer sowie der Hinterbliebenen in einer spröden und unnachgiebigen Art, was sich auch in seinem Lebensstil zeigt. 

Dennoch ermitteln die beiden akribisch und obwohl auch die Art des Schreibstils eher nüchtern ist und sich wenig mit Details zu der Zeit aufhält, hat es mir gefallen und er hat es auch geschafft, mit kleinen Bemerkungen und Szenen den historischen Schauplatz näher zu bringen.

"Ich verriet ihm nicht, wie widerlich mir ein Klosett im Haus war. 
Kein Wunder, dass man so viel von Seuchen in London hörte, 
wenn alle Häuser derart unhygienisch bestückt waren." S. 29


Im Mittelpunkt stehen aber konsequent die Ermittlungen, die ich mit Spannung verfolgt habe und auch wenn ich schon relativ früh Vermutungen zur Lösung hatte, hat es Spaß gemacht die Spuren zu verfolgen.
Die nüchterne Art hat die vielen grausamen Details der Morde, die zum Teil sehr explizit beschrieben sind, dann auch gar nicht so schockierend wirken lassen - ich war die meiste Zeit beim Lesen darauf konzentriert, welche Indizien und Beweise auftauchen und wie sich diese verbinden lassen. 

Es ist sehr untypisch geschrieben, hatte dadurch aber auch seinen Reiz und mir hats einfach richtig gut gefallen. Gelungen fand ich auch wie Marchs Gedanken immer wieder die Gespräche oder Szenen kurz unterbrochen haben; da sie aus der Ich-Perspektive erzählt hat das auch gar nicht gestört sondern die Eindrücke immer wieder abgerundet und gezeigt, dass sie eine sehr gute Beobachtungsgabe hat.
Auch erfährt man durch ihre Tagebucheinträge, die immer wieder eingestreut werden, mehr über ihre Vergangenheit, wo auch noch einiges an Licht gebracht werden muss, was sicher noch in den Fortsetzungen zum tragen kommt.

Ich freu mich jetzt jedenfalls auf den nächsten Fall, den ich sicher bald lesen werde :)

Meine Bewertung

http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/4%20Sonnen


© Aleshanee


Über den Autor: Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. 
Quelle: Hoffmann und Campe Verlag


Gower St Detective

1 - Mord in der Mangle Street
2 - Der Fluch des Hauses Foskett
3 - Tod in der Villa Saturn
4 - The secrets of Gaslight Lane
5 - Dark Dawn over Steep House


Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee,

    also ich mag Scherenschnitte total gern in einer Covergestaltung...und deshalb ist das auch ein Hingucker für mich.

    Danke für das Vorstellen,deshalb...LG..Karin..

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    1. Oh ja, das gefällt mir meistens auch sehr gut :)
      Aber auch der Inhalt ist klasse - ich mag es ja, wenn es ungewöhnlich ist ^^

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