Freitag, 29. Januar 2021

Außer Kontrolle: Die Formel von Dan Wells

Die Formel von Dan Wells


 
Meine Meinung
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Das Vorwort zeigt schon deutlich, wo der Autor hinwill. Kurz aber prägnant umreißt er den Schönheitswahn, der durch die medizinischen Fortschritte immer mehr möglich macht und eine sehr klare und traurige Botschaft unserer Gesellschaft widerspiegelt:
 
Niemand möchte der sein, der er ist.
Zitat Seite 8
 
 
--- 267 Tage bis zum Weltuntergang, 9:01 Uhr, Manhattan ---
 
Mit diesem Countdown startet das erste Kapitel, in dem wir uns in der Firmensitzung von NewYew befinden. Das Unternehmen stellt Cremes und Make-Up her und ist ein mächtiger Konzern in der Kosmetik Branche. Die Diskussion im Firmenrat veranschaulicht direkt die Profitgier und die Philosophie dieser Menschen der Führungsriege von NewYew und stellt das Mittel vor, dass der Chefwissenschaftler Lyle Fontanelle entdeckt hat. 
Eine bahnbrechende Entwicklung hat dem Chemiker eine Formel entstehen lassen für eine Creme, die direkt auf die DNA zugreift und die Kollagen-Bildung der Haut fördert und somit Falten komplett verschwinden lässt. 
Doch die Bedenken, die Lyle seinem Boss entgegenbringt, stoßen auf taube Ohren.

"Verkauf ein Heilmittel, und du zerstörst dir selbst den Markt. Verkauf ein Mittel zur Behandlung, und du hast einen Kunden auf Lebenszeit."
Zitat Seite 11

Das verursacht gleich mal ein sehr ungutes Gänsehautgefühl wenn man sich überlegt, wie viele Firmenchefs in der Branche der Pharmaindustrie ein ähnliches Credo verfolgen. 

Lyle schafft es auch nicht, sich dagegen zu wehren. Überhaupt ist er für mich ein sehr schwacher Charakter, was leider auch recht bald und deutlich zum tragen kommt. Seine teenagerhafte Verliebtheit seiner Assistentin gegenüber und sein Unvermögen, zu seiner Überzeugung zu stehen, lässt das ganze bald außer Kontrolle geraten. 
Die Tests sind so gut wie abgeschlossen, die Vermarktung läuft auf Hochtouren und die Einbringung auf dem Markt rückt näher - als plötzlich einige Testpersonen merkwürdige Symptome aufzeigen, die in keinem Zusammenhang zu stehen scheinen. 

Ob die Idee von Dan Wells so weit her geholt ist? Wer weiß ... es wird so viel geforscht auf Gebieten, von denen wir noch viel zu wenig wissen und wohin uns diese Experimentierfreudigkeit noch bringt steht in den Sternen. Was hier dann tatsächlich passiert und welche Auswirkungen diese neuartige Creme hat, ist jedenfalls außergewöhnlich und gruselig! Vor allem aber leider auch die Reaktion der Menschen, die trotz der Abstrusität glaubwürdig wirkt, weil man den Wahn nach äußerlicher Schönheit jeden Tag auf der ganzen Welt mitverfolgen kann. 

Der Stein ist jedenfalls ins Rollen gebracht und kaum mehr aufzuhalten. Der Countdown zum Weltuntergang läuft und Dan Wells präsentiert die vielen Arten der unterschiedlichen und unüberschaubaren Probleme, die mit Eingriffen in die DNA einhergehen können. Ganz abgesehen von der moralischen Komponente. 

Es gibt natürlich medizinische Notfälle, bei denen man sehr froh sein kann über die Fortschritte, die wir Menschen in diesem Gebiet machen. Welche Kreise das ganze aber mittlerweile zieht und wie sehr uns die Medien und die Werbung hier beeinflussen, ist geradezu grotesk. Ich hab auch meine Problemzonen und hätte gerne mehr dies und weniger das. Aber etwas (chirurgisch) an seinem Körper zu ändern, dem stehe ich schon mit sehr viel Skepsis gegenüber. 
Dass die Hochglanzfotos auf Zeitschriften retuschiert sind weiß man, nimmt es aber augenscheinlich nicht wahr und die ganzen Modellmaße, die uns überall ins Auge springen, sind nicht "die Norm" und müssen es auch nicht sein! Die Vielfalt ist doch das, was die Natur so schön macht und eine äußerliche Korrektur ist nicht immer der Weg, das innerliche "Dilemma" zu verbessern. 

Dan Wells hat einen sehr einfachen, geradlinigen Schreibstil. Die Handlung geht zügig, wenn auch teilweise konstruiert voran, die Charaktere sind sehr klischeekonform und das Hauptaugenmerk in dem Buch ist wirklich das Thema, mit dem man konfrontiert werden soll. Ein wichtiges Thema, mit dem wir uns selbst oft viel zu sehr schaden und hadern und ja, ich weiß, wie schwer es manchmal sein kann, seinen eigenen Körper so zu lieben wie er ist. Aber er trägt uns, er ist unsere ganz persönliche Heimat und hat neben seine Macken auch viele schöne Seiten, die man nicht vergessen sollte :)
 
Was ich unbedingt noch loswerden möchte ist dieser "Weltuntergang-Countdown". Ich finde es ja immer witzig, dass diese Bezeichnung gebraucht wird, wenn der Menschheit eine Apokalypse droht. Die Welt wird nicht untergehen, wenn wir Menschen verschwinden. Die Welt wird noch sehr sehr lange weiterbestehen, auch und grade ohne uns. Vielleicht ist es grade deshalb so wichtig, dass wir der Erde zeigen, dass wir auch gut mit ihr umgehen können.

Trotz sehr wichtiger Thematik und spannendem Aufbau hat es durch die stereotypen Charaktere und der mir etwas zu oberflächlichen Art an manchen Stellen nicht für die volle Sternezahl gereicht.
 

Meine Bewertung
∞ ∞ ∞ ∞ ∞ ∞ ∞
 

 


 
Ebenfalls rezensiert von
 
 
 

 
Die Formel von Dan Wells
 
Genre Wissenschaftsthriller - Science Fiction
Im Original Extreme Makeover --- übersetzt von Jürgen Langowski
Verlag Piper --- Seitenzahl 524
 
1. Auflage im Original November 2016 

 




 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Aleshanee,

    nun jeder hat seine Macken und Eigenarten und den perfekten Menschen innerlich wie äußerlich gibt es nicht....deshalb ist jeder Mensch auch einzigartig, finde ich.

    Schade das viele Leute, dass nicht so sehen bzw. begreifen. Und deshalb Veränderung wollen um jeden Preis...

    Und solche Sendungen wie GNTM wieder viele Mädels anlocken.....Groß...Schlank..usw.

    Das ist leider das Maß alles Dinge...zumindest für diese Art von Sendung..

    Jeder ist schön...in diesem Sinne auch einen schönen Tag...bleibt gesund..LG...Karin..

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    1. Eine sehr schöne Einstellung, Karin. Ich sehe das genauso.

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  2. O.K. noch ein kleiner Nachtrag von mir....
    Gerade wenn man eine bahnbrechende Erfindung im Medizin-Sektor macht...wer möchte da plötzlich Rückschläge erleiden....

    Gutes Beispiel dafür ist "Contergan".....die Werbung und alles war im Rollen und dann soll es plötzlich Probleme geben........wer gibt sowas gerne zu.......?

    Zum Teil wurde ja sogar behauptet die Frauen wären selber schuld und so.......
    Da ist keiner für die Frauen/Familien in die Presche gesprungen, wie es so schön immer heißt.

    Ähnlich wie in dem Roman von Dan Wells...

    LG...Karin...

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    1. Ja, da hängt halt immer eine Menge Geld mit dran ... und die Profitgier ist hier einfach meist der treibende Faktor.
      Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen, was die schon alles am erforschen sind ^^

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  3. Hey Aleshanee,

    Das Buch klingt wahnsinnig spannend und genau nach meinem Geschack, habe es aber auch oft bei diesen Thrillern, dass mir am Ende dann ein bisschen zu viel Verfolgungsjagd dabei oder wie es hier der Fall zu sein scheint, dass die Personen teilweise zu stereotyp sind oder es ein wenig zu konstruiert wirkt. Gibt es in dem Buch denn auch ein Nachwort, dass ein bisschen zu den wissenschaftlichen Grundlagen aufklärt? Sowas finde ich bei solchen Büchern immer sehr wichtig.
    Und ich gebe dir Recht. Es ist fraglich, ob es ein Weltuntergang ist, wenn nur die Menschheit verschwindet. Das wäre wohl eher eine Wohltat.Wahrscheinlich ist die Definition eher, die Welt, wie man sie kennt, geht unter und das ist ja der Fall, wenn die Menschheit verschwindet, dann passt der Begriff wieder. Habe aber auch schon ein Buch gelesen, da war das ganze Universum betroffen. Das nenne ich mal ne Apokalypse. :D

    LG, Moni

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    1. Hm, zu viel Verfolgungsjad fand ich jetzt gar nicht mal - es hat sich schon kontinuierlich entwickelt und war spannend zu verfolgen, durchwegs.
      Die Charaktere sind allerdings wirklich sehr stereotyp und das ganze auch öfter mal konstruiert. Über letzteres konnte ich ein bisschen wegsehen, da er es machen "musste" um das zu sagen, was er sagen will. Wobei es sicher auch anders geklappt hätte.

      Es gibt ein Vorwort und ein Nachwort, in denen ein bisschen was dazu erklärt wird, aber recht kurz. So ganz nachzuvollziehen ist es nicht was hier passiert, trotzdem spannend, und man weiß ja nie ^^

      Also ich mag es nicht, wenn vom "Weltuntergang" gesprochen wird, wenn es uns Menschen betrifft ^^ Wir dominieren zwar grade, aber es gibt zigmillionen andere Geschöpfe und die Welt, also die Erde, geht eben nicht unter wenn wir weg sind. Dass Menschen sich mit der "Welt" definieren finde ich immer sehr suspekt :D

      Haha, ja wenn das Universum betroffen ist, dann schaut es wirklich düster aus xD

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    2. Ich weiß was du meinst, aber es gibt glaube ich genügend, die sich als Zentrum der Welt sehen.
      Das Buch, wo das ganze Universum betroffen war, hat mich tatsächlich über den Begriff mal nachdenken lassen. Ich habe das zumindest lange Zeit einfach so als Begriff übernommen. Schaue ja auch gerne so schöne Katastrophenfilme wie "2012" oder "The Day after Tomorrow".

      LG, Moni

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    3. Solche Filme oder überhaupt solche Szenarien fand ich eine zeitlang auch total spannend. Mittlerweile halt nicht mehr so, es kommt aber drauf an. Das ist so ein Bauchgefühl, ob mich was anspricht oder nicht, ich kann das gar nicht so genau benennen. Aber ich lass mich ganz gerne davon leiten :)

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  4. Hallo Aleshanee,

    das Thema finde ich total spannend und ich bin ja ein gleich immer angefixt, wenn die Apokalypse eingeläutet wird. Nur die stereotypen Figuren schrecken mich extrem ab. Schade, dass in dem Genre oft nicht mehr Feingefühl bei der Ausarbeitung zur Geltung kommt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Das erwarte ich in dem Genre oft schon gar nicht mehr, was wirklich schade ist. Denn damit könnte man echt noch so viel rausholen! Ein bisschen mehr Feinschliff hier an manchen Ecken hätte definitiv gut getan.

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