Dienstag, 5. Januar 2021

Cold Case: Böses Blut von Robert Galbraith

Robert Galbraith
Böses Blut von Robert Galbraith

Cormoran Strike ist gerade zu Besuch bei seiner Familie in Cornwall, als er von einer Frau angesprochen wird, die ihn bittet, ihre Mutter, Margot Bamborough, ausfindig zu machen, die 1974 unter mysteriösen Umständen verschwand.

Strike hatte es noch nie mit einem Cold Case zu tun, geschweige denn mit einem, der bereits vierzig Jahre zurückliegt. Doch trotz der geringen Erfolgsaussichten ist seine Neugier geweckt, und so fügt er der langen Liste an Fällen, die er und seine Arbeitspartnerin Robin Ellacott gerade in der Agentur bearbeiten, noch einen hinzu. Robin selbst hat mit einer hässlichen Scheidung und unerwünschter männlicher Aufmerksamkeit zu kämpfen – und dann natürlich mit ihren Gefühlen für Strike …
 
 
 
 
Meine Meinung
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War der vierte Band schon 1000 Seiten stark, hat man hier nochmal 200 Seiten mehr darauf gepackt - und das bei einem Krimi! Wirklich selten und nein, es war weder langatmig noch hätte es einer Kürzung bedurft. Ich fand es von Anfang an spannend und ich liebe es, bei der Ermittlungsarbeit hautnah dabei zu sein!
 
Cormoran Strike und Robin sind ja mittlerweile gleichberechtigte Partner in der Detektei und lieben ihre Arbeit. Dass sie sich auch gegenseitig anziehend finden, bleibt immer noch ein Tabu Thema, doch das leichte Prickeln, das zwischen den beiden immer wieder entsteht und die Angst davor, was ein falscher Schritt auslösen könnte, ist einer der Punkte, der kleine, persönliche Spannungen erzeugt - ohne zu sehr in Liebes-Klischees abzudriften.

Vor allem aber ist der Fall spannend, denn das Verschwinden der Ärztin Margot Bamborogh ist über 40 Jahre her und niemand weiß, ob sie damals ermordet wurde oder vielleicht sogar aus eigenem Willen verschwunden ist. Die beiden Ermittler haben ein Jahr Zeit, um den alten Fall aufzuklären und es ist mühselig, nach so langer Zeit, noch Fakten aus den Erinnerungen der damaligen Zeugen zu bekommen. 
Dieses Bild, das aus den ganzen akribischen Nachforschungen und Befragungen entsteht, entwirft einen guten Eindruck auch für mich als Leser, so dass man perfekt miträtseln kann, was wohl passiert sein mag. Hierbei sieht man auch, wie gekonnt Joanne K. Rowling (R. Galbraith ist ihr Pseudonym) lebensechte Persönlichkeiten entwerfen kann: ihre Gefühle, ihre Ängste, ihre Hoffnungen; durchtränkt mit Vorurteilen von außen, aber auch verinnerlichten Dogmen, die jede Entscheidung so schwierig machen.
Es gab zwar auch ein paar "konstruierte" Missverständnisse, grade was Cormoran und Robin angeht, um die Konflikte zu schüren, worüber ich aber gerne weggesehen habe, weil das wirklich nur am Rande auftaucht. Ansonsten aber sind die Empfindungen und Reaktionen der Charaktere glaubwürdig und ihrer Lebensgeschichte angepasst. Ich fand sie allesamt sehr originell und authentisch!

Ich kam auch prima wieder in die Geschichte rein, denn anfangs werden einige wichtige, persönliche Ereignisse aus den Vorbänden eingeflochten, so dass man schnell wieder den Faden aufnehmen kann. Wie schon erwähnt zieht sich der Fall in die Länge, bleibt dabei aber - für mich - sehr spannend, da man immer mehr Details aufdeckt und Hintergründe erkennt, ohne noch recht zu wissen, wo das ganze hinführt. 
Nebenbei erfährt man dieses Mal einiges über Strikes Familie, wodurch man ihm sehr nahe kommt und erlebt eine Menge menschlicher Situationen, die berühren und alle Facetten der Gefühlswelt widerspiegeln. 

Ich weiß natürlich, dass Joanne K. Rowling einiges in Bezug ihrer Kommentare zu Transgender Fragen vorgeworfen wird und auch ich gehe nicht  mit all ihren Aussagen konform: ABER dass dieser neue Band aufgrund von "transphoben" Stereotypen in solchen Misskredit gekommen ist, verstehe ich überhaupt nicht. Das Buch sollte vielleicht erstmal gelesen werden, bevor man darüber herzieht... Das wenige, was ich darüber in der Presse gelesen habe, projiziert hier für mich etwas rein, was gar nicht da ist. Aber die "Wahr"nehmung ist nunmal für jeden Betrachter anders. Vielleicht seh ich auch etwas falsch, aber es gab nichts, das mir negativ aufgefallen wäre, oder was nicht auch in vielen anderen Krimis in ähnlicher Weise vorgekommen ist, ohne in dieser Richtung anzuecken.

Jedenfalls hab ich hier einen mega guten, fesselnden Krimi gelesen, der viele aktuelle Problematiken mit eingebracht hat, der homosexuelle Menschen als natürlich und gleichberechtigt auftreten ließ, ohne einen Sonderstatus draus zu machen und viele sehr feinsinnige Nuancen zwischenmenschlicher Konflikte aufgearbeitet hat, die nur mit viel Empathie so ungekünstelt wirken konnten. 
Dazu eine Auflösung, die absolut überraschend kam und alles perfekt aufgeklärt hat. 
 
Ein detaillierter Einblick in eine weitreichende Ermittlung mit vielen Einblicken auf die Vielfalt menschlicher Emotionen und folgenschweren Entscheidungen.


 Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.
 
 
Ebenfalls rezensiert von
 
 
 

 

Böses Blut von Robert Galbraith

 
Band 5 der Krimireihe um Cormoran Strike
Im Original Troubled Blood
übersetzt von Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz
Schauplatz England
 
Verlag Blanvalet --- Seitenzahl 1200
1. Auflage Dezember 2020
 

 
 
Die Cormoran Strike Reihe
 
5 - Böses Blut
 

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    das klingt nach einem spannenden Buch. Vielen Dank, dass du mir wieder eine neue Reihe nahe gelegt hast. Schau ich mir definitiv näher an.

    Wünsche schöne Woche.

    LG Lisa

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    1. Ich bin ein großer Fan der Reihe! Krimis lese ich mittlerweile ja eher selten, aber wenn man im Laufe der Zeit auch die Ermittler immer besser kennenlernt und sich da auch viele Konflikte anbahnen, dann ist es einfach spannend :)

      Übrigens ebenfalls empfehlen als Krimireihe kann ich die mit Sebastian Bergman von Hjorth & Rosenfeldt

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  2. 1200 Seiten!!! Ich werde es auch lesen, aber ich bekomme es aus der Bücherei und da unser Lockdown jetzt um noch eine Woche verlängert worden ist, wird es wohl im Januar nichts mehr mit dem Buch werden :( Da ich aber alle Bände um Cormoran Strike gelesen habe, werde ich auch die 1200 Seiten des neuen Buches lesen!!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Jap, ein mega Wälzer! Aber es wurde nie langweilig!!!

      Ich drücke die Daumen, dass die Bücherei bald wieder öffnen kann und dann ganz viel Spannung und Lesespaß und viele viele Lesestunden :D

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  3. Hallo liebe Aleshanee,

    vielen lieben Dank fürs verlinken - ich habe dich ebenfalls bei mir verlinkt. :)

    Ich bin da ganz deiner Meinung - dieser Krimi hat genau die passende Länge und war zu keiner Zeit langatmig. Auch die Figuren fand ich sehr gut ausgearbeitet. Ein richtiges Lesehighlight. :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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  4. Liebe Aleshanee,
    ich stimme deiner Meinung zu! Auch ich habe das Buch genossen, jede einzelne Seite der 1200 Seiten. Es baut sich alles langsam auf, man bekommt dadurch einen sehr guten Überblick. Rowling erzählt einfach sehr gut. Ich habe nie das Gefühl, dass sie zu viel ausgelassen hat. Manchmal habe ich dieses Gefühl bei Büchern, wenn die Sprünge in der Geschichte zu groß werden, dass ich denke, genau das, was ausgelassen wurde, hätte mich interessiert. Insbesondere bei Alina Bronskys Büchern habe ich immer dieses Gefühl.
    Es war toll, mehr von Strikes Familie zu erfahren. Und mir gefällt auch die Entwicklung des Handlungsstrags von Robin und Cormoran. Kann kaum den nächsten Band und die weitere Verfilmung der Serie abwarten. :-D
    Liebsten Dank auch für die Verlinkung. Habe dich auch bei mir verlinkt.
    GlG, monerl

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    1. Sehr schön beschrieben liebe Monerl, ein grandioser Krimi wieder mal. Sie kann das echt sehr gut, was ich anfangs gar nicht erwartet hatte in einem so völlig anderen Genre.

      Vielen Dank auch fürs verlinken <3

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  5. Ich bin Cormoran Strike verfallen. Der neueste Roman ist ein absolutes Highlight - klare Leseempfehlung.

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    1. Oh wie schön! Das freut mich, dass er dir auch so gut gefallen hat!

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    2. Ich finde auch die Hörbücher sowohl auf Deutsch als auch im Original toll.

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