Freitag, 15. Januar 2021

Nocturna - Das Spiel des Fuchses von Maya Motayne

Wenn Tag und Nacht aufeinandertreffen, beginnt das Spiel des Fuchses – und es ist tödlich.

 
Es ist Jahre her, dass Finn zuletzt ihr eigenes Gesicht erblickt hat. Denn die Gesichtsdiebin verfügt über Magie, die es ihr erlaubt, ihre Erscheinung beliebig zu verändern. Doch nicht nur sie weiß, wie nützlich dieses Talent ist: Ein finsterer Unterweltboss hat Finn in seiner Gewalt. Sollte die Gesichtsdiebin daran scheitern, einen Auftrag für ihn auszuführen, wird sie ihrer Kräfte für immer beraubt werden. Der gutmütige Prinz Alfehr, Thronfolger wider Willen, wendet ebenfalls zwielichtige Magie an: Er will seinen verschwundenen älteren Bruder, den Kronprinzen, finden, obwohl alle glauben, er sei tot. Als sich Finn und Alfehr gegenüberstehen, ist es, als würden Kräfte so unterschiedlich wie Tag und Nacht aufeinanderprallen. Und diese Wucht setzt eine ungeahnt böse   Magie frei ...
  
 
 
Wir alle tragen Gutes und Böses in uns, Licht und Dunkelheit. Das macht uns zu Menschen. Und denkt immer daran: Ganz gleich, wie tief wir in der Finsternis versinken, es ist nie zu spät, das Licht zu suchen.
Zitat Seite 75
 
 
 Meine Meinung 
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Die Geschichte hatte einen guten Start und hat mir direkt einen bildhaften Überblick gegeben. Wir befinden uns im Lande Castallan in der Hauptstadt San Cristóbal und begleiten die Diebin Finn und den Prinzen Alfher, die sich bei einem verbotenen Kartenspiel ungewollt über den Weg laufen. 

Der Prinz, der leider "Alfie" genannt wird (wodurch ich immer ein Kind vor Augen hatte und der Name wirklich überhaupt nicht passte), hat den Tod seines Bruders nicht verkraftet und schreckt vor allem davor zurück, dass er nun der nächste Thronfolger sein wird. Seine Entscheidungen sind deshalb risikofreudig und wirken nicht immer so erwachsen, wie man erwarten würde, dennoch hab ich ihn sehr ins Herz geschlossen. Trotz der Königsbürde und dem behüteten Aufwachsen hat er sich viel Mitgefühl bewahrt und kann seine Emotionen kaum vor anderen verbergen.

Ganz anders Finn, deren Leben aus einem Überlebenskampf besteht, und darin, anderen nie ihr wahres Gesicht zu zeigen. 
In dieser Welt können nämlich alle Menschen Magie wirken, vor allem elementare Magie, die sie mit ihren Instinkten lenken können. Doch es gibt auch magische Formeln, die man lernen kann und das sogenannte "Propio". Eine persönliche, besondere magische Fähigkeit, die bei jedem anders ausfällt und irgendwann in jungen Jahren zum Vorschein kommt. Diese Idee fand ich sehr faszinierend, vor allem, weil die Art der Gabe auch von der Persönlichkeit desjenigen abhängt bzw. von den tief gehenden Erlebnissen.
Finns Propio ist es, ihr Gesicht und ihre Gestalt verändern zu können, so dass sie ständig wie jemand anders aussieht und dadurch vor ihrem wahren Ich Abstand findet. 

Ihre Vergangenheit, wie auch einiger anderer, ist durchsetzt von schlimmen Erfahrungen und so trägt sie sie ständig mit sich und sich hat gelernt, auf ihre Art damit umzugehen. Ihren bissigen Schutzpanzer und ihr hartherziges Geschick halten sie am Überleben, dennoch wirkt sie umso sympathischer, je näher man sie kennenlernt. 

Die Handlung geht gut voran, wirkt mir aber stellenweise schon sehr zurechtgebogen. Darüber konnte ich aber gut wegsehen, da das "Zusammenspiel" der Charaktere spannend zu verfolgen war und immer wieder Überraschungen neue Entwicklungen nach sich gezogen haben.
Was mich etwas gestört hat waren die Wiederholungen, die öfter mal eingeflossen sind, die es nicht gebraucht hätte. Auch die "lateinamerikanische Note", die durch spanische Redewendungen oder Begriffe herausstechen soll, hab ich nicht wirklich spüren können. Das hat mir zu dem Schauplatz und zur Atmosphäre nicht so recht gepasst. Für mich war es ein ganz tolles Setting, das leicht auch ohne dem ausgekommen wäre.

Die böse Magie, die die Castallaner und die ganze Welt bedroht, ist eine sehr coole Idee, wie überhaupt das ganze Magiesystem. Hier gabs zwar auch ein paar kleine Unstimmigkeiten, zumindest hab ich  manches nicht so ganz begriffen wie was genau funktioniert, aber im großen und ganzen ist es gut durchdacht und war erfrischend neu. 

Vor allem auch die zwischenmenschlichen Momente fand ich an manchen Stellen sehr berührend. Gerade was die Diebin und den Prinzen angeht, die jeder für sich eine ungewohnte Entwicklung und Erfahrungen durchmachen müssen, zeigen viel Empathie und das Gespür der Autorin, tiefer zu blicken als nur auf den Schein. 

Das Verhalten der Protagonisten war mir allerdings manchmal zu jugendlich gefärbt. Ich weiß gar nicht genau, wie alt Finn ist, ich schätze sie auf 17-18 und Prinz Alfher auf 23, das wurde, glaub ich, sogar mal erwähnt. Durch die Erfahrungen wirkt Finn älter und "Alfie" dafür jünger und an sich ist das auch in Ordnung und passt zu ihnen, dennoch war es insgesamt nicht so stimmig für mich, da es durch die Brutalität und die Hintergründe einfach erwachsener gewirkt hat. Schwierig das in Worte in zu fassen :)

Schön war vor allem auch die Botschaft, dass der Glauben Berge versetzen kann. Wenn auch nur ein Mensch an einen glaubt, an das Gute, das in einem steckt, dann wagt es sich umso schneller hervor. Auch wenn es schade ist, dass manche diesen Stupser brauchen, kann eine kleine Geste umso größeres hervorbringen. 
Ebenso sich selbst anzunehmen wie man ist, mit allen positiven und negativen Aspekten, die nunmal zu einem gehören.

Wenn du wütend wirst, bist du immer noch dieselbe Person. Du bist nicht nur so, aber eben zum Teil. Wenn du das abstreitest, kannst du auch gleich deine komplette Persönlichkeit ablehnen.
Zitat Seite 367

Zum Ende hin gab es ein großartiges und spannendes Finale, das mir leider zu einfach gelöst wurde. Aber vielleicht gibts ja dazu dann noch mehr im zweiten Teil. Der Schluss war jedenfalls super gelungen und macht mega neugierig, was für weitere Abenteuer hier noch auf uns zukommen.


 Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.
 
 
Ebenfalls rezensiert von
 
 
 

 

Nocturna - Das Spiel des Fuchses von Maya Motayne

 
Band 1 der High Fantasy Serie "Die gefälschte Magie"
Im Original Nocturna - A Forgery of Magic 1 -- übersetzt von Urban Hofstetter
Verlag Blanvalet -- Seitenzahl 512 -- 1. Auflage Dezember 2020
 

 

Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee,

    (Blogger spinnt manchmal ein bisschen, deshalb weiß ich nicht, ob es meinen ersten Kommentar jetzt gepostet hat, falls ja, dann lösche den hier einfach ;) )

    Das Buch kenne ich noch gar nicht, aber nachdem ich deine Rezension gelesen habe, habe ich richtig Lust es zu lesen. Danke für die Vorstellung.

    Viele Grüße,
    Rebecca

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    1. Hi! Dein erster Kommentar ist wohl leider verloren gegangen, hab auch nochmal im Spam geschaut - nix da :/

      Das Buch war wirklich sehr unterhaltsam, vor allem die beiden Protas mag ich sehr - ich hoffe es geht bald weiter mit der Fortsetzung :) Wobei es hier zumindest einen Abschluss vom aktuellen Geschehen gab.

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    2. Auch gut, dann passt das mit dem Kommentar jetzt so :)

      Das klingt gut, also kein extremer Cliffhanger am Ende?

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    3. Nein, kein Cliffhanger :) Aber Vorgeplänkel auf weitere Abenteuer, nichts konkretes, aber dass es eben weitergeht!

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    4. So was finde ich perfekt. Das macht Lust auf mehr, ohne dass man so ganz in der Luft hängen gelassen wird.

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  2. Hi Aleshanee,

    ich habe das Buch auch diesen Monat gelesen und sehe die Kritik-Punkte überwiegend wie du, war insgesamt aber etwas ernüchterter und habe nur 3 Sterne vergeben. :) Meiner Meinung nach war da viel Potenzial nach oben.

    Liebe Grüße
    Alica

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    1. Naja, dadurch, dass ich beim Lesen ja doch meinen Spaß hatte und die Protagonisten gerne mag hab ich dann auch gerne 4 Sterne gegeben :)

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  3. ... Nocturna ... Nocturna ... gab es da nicht schon ein Buch mit diesem Namen? Tatsächlich, es gibt das Buch "Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten" - warum achten Autoren bzw Verlage nicht drauf, Titel doppelt zu vergeben? Sehr verwirrend ;)

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    1. Haha, also grade, wenn ich in goodreads Bücher suche, sehe ich zig Titel die doppelt sind ;) Da gibt es so viele... aber irgendwann gehen auch einfach die Namen aus bei der Masse an Büchern ^^

      Musst mal eingeben bei goodreads "Nocturna", da gibts eine Menge!

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    2. Aber es gibt schon Titel bzw. Namen, die deutlich häufiger auftauchen als Titel - ich denke nicht, dass so viele Bücher erscheinen können, wie es Worte dafür gibt ;)

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    3. Bei der Masse an Büchern die jedes Jahr erscheint, und das seit Jahrzehnten, denke ich ist es normal, wenn sich da Titel doppeln, in jedweder Form.
      Ich hab auch immer wieder mal was gelesen in den letzten Jahren, dass Autoren und Autorinnen plötzlich darüber gestolpert sind, dass es den Titel "ihres" Buches schon gab/gibt. Letztens hat sich sogar eine beschwert deswegen, dabei gab es das andere Buch schon viel länger :D

      Mir ist es nur einfach aufgefallen,wie gesagt bei goodreads, wenn man da nach einem Titel sucht kommt ja direkt eine Auswahlliste drunter, und da gibts oft Dopplungen.
      Bei Covern übrigens auch :D

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