Sonntag, 20. Januar 2019

Rezension zu Extinction von Kazuaki Takano

Gesellschaftskritischer Roman über die Evolution, die Waffenlobby und die Manipulation in der Politik

Jonathan Yeager wird im Auftrag der amerikanischen Regierung in den Kongo geschickt. Bei einem Pygmäenstamm sei ein tödliches Virus ausgebrochen. Die Verbreitung muss mit allen Mitteln verhindert werden. Doch im Dschungel erkennt Yeager, dass es um etwas ganz anderes geht: Ein kleiner Junge, der über unglaubliche Fähigkeiten und übermenschliche Intelligenz verfügt, ist das eigentliche Ziel der Operation. Kann es sein, dass dieses Geschöpf die Zukunft der Menschheit bedroht? Yeager weigert sich, das Kind zu töten. Er setzt alles daran, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Eine gnadenlose Jagd auf die beiden beginnt.






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Extinction

von Kazuaki Takano

Genre Science Fiction Thriller
Original Genocide // übersetzt von Rainer Schmidt

Verlag Penguin // Seitenzahl 560
1. Auflage im Original 2011

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Meine Meinung

Ich habe lange überlegt, ob ich das Buch lesen soll oder nicht - und ich bin jetzt nach dem Lesen etwas zweigeteilt. Zum einen hat der Autor viele brisante und wichtige Themen mit eingeflochten, über die Evolution und den Irrglauben der Menschen, dass wir an der Spitze der Schöpfung stehen. Aber auch über die psychologischen Auswirkungen von Angst und wie diese unser Handeln beeinflussen - sei es, um unser eigenes Überleben zu verteidigen, sei es, ganze Völker auszurotten, da "wir" uns bedroht fühlen. 
Die Macht, wenn sie denn jemand hat, ist ein zweischneidiges Schwert - wie die Waffe auch kann man sie zum Guten, aber auch zum Schlechten einsetzen. 

"Der Mensch ist ein Wesen,
das immer kämpfen wird, wenn ihm etwas fehlt."
Philosoph Xunzi, S. 268

Die Ansätze, mit denen Kazuaki Takano hier viele Beweggründe erklärt sind wirklich gut und zeigen deutlich, wo die Missstände sind, die durch den schwärenden Hass Ausdruck finden in den Kriegen und der Verzweiflung vieler Menschen. Es ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn ich denke in solchen Szenarien immer noch einen Schritt weiter und hier war er mir in manchen Momenten zu oberflächlich. Natürlich kann er als rasanten Thriller keine Abhandlung über die psychologische Entwicklung des Menschen einbauen, trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass sich das Denken in eine zu einfache Richtung lenken lässt, wenn man es so leichthin zu erklären versucht. 

Aber das ist ein sehr von mir individuelles Gefühl, weil ich mich sehr mit diesem Thema auseinander setze. Dafür wurden in anderen Bereichen wirklich sehr viele spezifische Details und auch Fachjargon verwendet und bis ins Einzelne erklärt, was teilweise schon recht zäh zu lesen war. Vor allem im Handlungsstrang von dem jungen Japaner Kento Koga, der durch die Forschungen seines Vaters in die Ganze Sache verwickelt wird, fand ich doch meist recht farblos durch die vielen medizinischen Ausführungen. 

Erzählt wird ja aus verschiedenen Sichtweisen, und so auch von der Eliteeinheit von vier Soldaten, die zu der geheimen Mission nach Afrika geschickt werden. Jonathan Yeager ist einer von ihnen und mit ihm, wie auch mit den meisten anderen Figuren, bin ich nicht wirklich warm geworden. Er war Soldat und ist jetzt eine Art Söldner für Privatunternehmen und ist dringend auf das Geld angewiesen, um seinem kranken Sohn zu helfen. Natürlich hat er in vielen Situationen mein Verständnis gehabt, aber trotzdem war mir - und nicht nur bei ihm - diese dramatisierten Phrasen zu übertrieben. 
Viel zu wenig dafür hab ich von dem Kind erfahren, das scheinbar übermenschliche Fähigkeiten besitzt und dessen Existenz alleine die ganze Menschheit gefährdet. Mehr möchte ich dazu nicht verraten - aber ich hatte mir hierzu doch etwas mehr erhofft, auch wenn es ansatzweise schon einige gute Einblicke gab.

"Nach dem Weltfrieden zu rufen, ist leichter, 
als sich mit seinem Nachbarn zu vertragen", ..." S. 389

"Aber gute Taten gelten ja nur deshalb als tugendhaft, weil sie 
der menschlichen Natur zuwiderlaufen. Wenn es biologisch normale 
Handlungen wären, würden wir sie nicht loben." S. 390

"Die modernen Menschen sind erbärmliche Kreaturen, 
die die letzten 200 000 Jahre damit zugebracht haben, sich gegenseitig umzubringen." S. 390

Auch wenn das natürlich sehr misanthropische Aussagen sind, sind sie doch sehr deutlich und nah am Kern unserer Probleme ... Die Diskussionen in der Handlung sind deshalb auf jeden Fall wichtig um zum Nachdenken anzuregen und sich die Waffenlobby vor Augen zu führen, die das Schicksal aller Länder in ihren Händen halten. Manipulation der Massen vorausgesetzt ist es kein Wunder, dass die Kriegstreiberei immer so weitergeht und man nur Hoffen kann, dass sich ein friedvolles Geben und Nehmen durchsetzen wird. Anfangen müssen wir bei uns selber und vor allem bei den Kindern.

Durch die langatmigen fachlichen Erklärungen und die teilweisen naiv wirkenden Phrasen war es manchmal etwas zäh, andererseits hat es aber viel Potenzial in kleinen Schüben auf viele Missstände hinzuweisen, die wir oft einfach nicht sehen wollen.

Meine Bewertung

http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/3%2F4%20Sonnen



© Aleshanee


Über den Autor:  Kazuaki Takano, geb. 1964 in Tokio, arbeitet in Hollywood und Japan als Drehbuchautor. Für seine Romane erhielt er renommierte Preise. »Extinction« stand in Japan monatelang auf den Bestsellerlisten und wurde u.a. als bester Thriller des Jahres ausgezeichnet.
Quelle: randomhouse.de





Kommentare:

  1. Hallo Aleshanee,

    schön, dass du dem Buch eine Chance gegeben hast! Ich muss dir hier in so vielen PUnkten zustimmen. Das Buch ist bei mir schon relativ lang her, aber ich weiß noch, dass es mir einerseits etwas zu typisch Wissenschafts-Thriller war - also, dieses Naive - , andrerseits hat es mich durch die Perspektivenwechsel und den thematischen Hintergrund dann doch unterhalten und gebannt. Ich glaube, wer dieses Genre so richtig, richtig mag, wird sich damit wohlfühlen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Spannend gemacht war es auf jeden Fall, das finde ich auch.
      Aber ja, sehr viele Stereotypen, viele ausschweifende Erklärungen mit Fachbegriffen und dann eben auch eine sehr "einfache Richtung", bei der ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.
      Zum aufmerksam machen auf diese Themen sicher sehr gut, aber ich mag da einfach noch etwas mehr ;)

      Es gab ja viele begeisterte Stimmen dazu und es wirft auf jeden Fall eine Menge Fragen auf und regt zum Nachdenken an!

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  2. Hallo Aleshanee,
    klingt nach einem Buch, das viel Geduld und Mitdenken erfordert. Für mich momentan nichts, da muss man in der richtigen Stimmung sein.
    LG
    Daniela

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    1. Naja, an sich ist es recht "einfach" von der Handlung her.
      Die ganzen fachbegrifflichen Erklärungen kann man sich sparen, denke ich, ich habs ja selber nicht verstanden und mir hat nix gefehlt *lach*

      ABER es wirft natürlich einige Fragen auf, die durchaus zum weiterdenken anregen und sehr tiefgründige Probleme ansprechen. Wenn man sich auch darauf einlassen will und nicht nur die "Unterhaltung" der Geschichte sieht, dann sollte man sich den richtigen Zeitpunkt dafür suchen.

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  3. Hey! Ich bin eben auf deinen Blog gestoßen und finde das Design wirklich cool mit dem blauen Hintergrund. :)
    Das Buch hatte ich vor einiger Zeit schon gelesen und muss noch eine Rezension schreiben, haha. Aber ich kann schon mal sagen, dass ich deine Meinung dazu größtenteils teile. Da ich was Medizinisches studiere, fand ich die langen Ausführungen darüber natürlich interessant. :D Aber da war ich vermutlich dann doch eine der Einzigen.
    Fand die Rezension echt gut geschrieben und werde auch weiterhin auf deinem Blog lesen. Wenn du willst kann ich dich zu meinem Blogroll hinzufügen.
    Viele Grüße,
    Aurora von www.papiermosaik.blogspot.com

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    1. Vielen Dank, das hört man gerne <3

      Ja, wenn man sich in der Materie auskennt ist es sicher interessant, manche Ausführungen waren ja auch für mich sehr spannend, grade das mit der Evolution. Aber manchmal wars mir einfach zu viel ^^

      Ich hab direkt auch mal bei dir vorbeigeschaut und folge gerne!

      Ist ja ein ganz frisch geschlüpfter Blog :D Und ich hab gesehen, dass du den Goldenen Kompass sehr gerne gelesen hast, gleich mal ein Pluspunkt, ich liebe die Reihe ;)

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