Montag, 23. August 2021

Highlight: Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton

 


 Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton

 
Genre fiktiver Historischer Mystery Thriller
Schauplatz Passage von Indonesien nach Amsterdam 1634
Im Original The Devil and the Dark Water 
übersetzt von Dorothee Merkel

Verlag Tropen / Klett-Cotta -- Seitenzahl 608
1. Auflage August 2021
 


 
 
Klappentext 
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1634: Mord auf hoher See. Ein Schiff auf dem Weg von Indonesien nach Amsterdam. Eine dunkle Prophezeiung und ein genialer Detektiv, der selbst Gefangener ist.
Samuel Pipps und sein Assistent Arent Hayes stehen vor dem Fall ihres Lebens, denn der Teufel ist mit an Bord.
 
Aberglaube, Hexenjagd, Machtgier - Stuart Turton führt uns ins dunkle Meer der menschlichen Abgründe.


Meine Meinung
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Ich hab ja vor kurzem das erste Buch des Autors gelesen: Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle. Ein Mystery Krimi der ein komplexes Verwirrspiel präsentiert und mich sehr neugierig gemacht hat, ob Stuart Turton hier wieder etwas ähnliches für seine Leser aufs Papier gebracht hat.

Schon der kurze Klappentext ist klasse, die Widmung berührend, der Prolog perfekt einstimmend auf eine Schiffspassage, die von mysteriösen Drohungen und raffinierten Verstrickungen heimgesucht wird, die die Ängste der Passagiere schüren und bald schon den ersten Toten fordern. 
Leider ist der berühmte Samuel Pipps, bekannt durch seine ausgezeichnete Aufklärungsgabe, als Gefangener kaum in der Lage, die Rätsel zu ergründen und so muss sein langjähriger Assistent Arent Hayes all seinen Scharfsinn aufbieten, um hinter das Geheimnis zu kommen. 

Arent Hayes war mir von Anfang an sehr sympathisch. Ein großer Mann, der vor allem Stärke ausstrahlt und in seinem Leben hauptsächlich durch Schlagkraft an Ruhm gelangte, hat er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein gutes Gespür für Ehre und Loyalität. Vor allem zu seinem Freund und Mentor Samuel Pipps, um dessen Gefangenschaft ebenfalls ein dubioses Geheimnis zu schweben scheint. Mit ihm hat er die letzten Jahre verbracht und viel gelernt, während sie Dieben hinterherjagten und Mörder entlarvten. Arents Weltsicht hat sich geändert wie auch sein Verständnis für seine eigene Pflicht, etwas beizutragen.

"Könnt ihr euch vorstellen, wie es auf der Welt aussähe, wenn es noch mehr Menschen gäbe wie ihn? Wenn jeder Mensch jemanden hätte, der ihm hilft, wenn ihm etwas Schlimmes widerfährt?"
Zitat Seite 273

Ihm zur Seite steht die Frau des Generalgouverneurs, Sara Wessel, die gerne den Fesseln ihres Mannes entfliehen würde, der ihr und ihrer Tochter seit Jahren ein Leben in Abgeschiedenheit und grausamer Boshaftigkeit beschieden hat. Diese Reise bietet ihr eine Chance, die sie um jeden Preis nutzen möchte und deshalb setzt sie sich auch immer wieder über die konventionellen Gebote hinweg und versucht mit ihren Möglichkeiten, Arent in seinen Bemühungen zu unterstützen und das Schiff vor jeglichem Unglück zu bewahren.

Es gibt ein Sammelsurium an Charakteren, bei denen man aber gut den Überblick behält, auch weil vorne im Buch eine Passagierliste vorhanden ist, mit der man sich schnell zurechtfindet. Außer den Honoratioren und namhaften Passagieren gibt es streitlustige Musketiere und böswillige Matrosen, einen wahnhaften Priester und einige undurchschaubare Gestalten, die perfekt gezeichnet sind und ein anschauliches Bild jeder Persönlichkeit nahebringen. 
Dabei wird auch ein kleiner Blick in die Vergangenheit einiger Personen gewährt, die noch etwas tiefer blicken und das Bild vervollständigen lassen. Der Autor hat kein striktes schwarz-weiß Denken, sondern hält uns die Grauzonen vor Augen und gibt den Figuren Ecken und Kanten, die authentisch aber nicht immer anziehend wirken.
 
Es ist eine raue Welt, die von Männern beherrscht wird, die vor allem Macht und Stärke demonstrieren, die hier auch mit der ein oder anderen Brutalität demonstriert wird. Aber der Autor zeigt auch, wie sich die Frauen dieser Dominanz zur Wehr setzen können - auf die unterschiedlichste Art und Weise.
Aber auch der Luxus ist eine Knechtschaft, der seine Beute in seinen Fängen hält:

"Vielmehr war der Reichtum ihr Herr und Meister, und seine Stimme war die einzige, auf die sie hörten. Freundschaften wurden auf sein Geheiß geopfert, Prinzipien in den Staub getrampelt, um ihn zu schützen. Ganz gleich, wie viel sie besaßen, es war niemans genug."
Zitat Seite 180

Der Schreibstil ist wieder großartig, um in diese düstere Atmosphäre einzutauchen; gespickt mit Metaphern und kleinen Details, die die Situation auf dem Schiff lebendig werden lassen und mich beim Lesen völlig in die geschickt inszenierten Mysterien haben eintauchen lassen. 
Ich hab während dem Lesen die Wanten knarren und das Meer rauschen hören, den Wind in den Segeln gespürt und den Mief der schmuddeligen Seeleute in der Nase gehabt. Ich war dabei in den düsteren Kammern, die nur von Kerzenschein erhellt werden, in den voll gestopften Frachtkammern, in denen Spuren zu verfolgen waren und in den ängstlichen Wahrnehmungen der Passagiere, die die List des Teufels fürchten. Jeden Schritt habe ich mit Spannung verfolgt und jede Gemütsregung miterlebt.

"Schuld war wie Dreck. Sie kroch einem unter die Haut und man wurde nicht mehr sauber. Sie führte dazu, dass man alles hinterfragte, was geschah, dass man Mängel entdeckte, wo keine waren, und sich Fehler einbildete, die man nicht begangen hatte."
Zitat Seite 395

Durch die wechselnden Sichtweisen ist Vielseitigkeit geboten, so dass man auch sehr gut mitraten kann - und man auch zwangsläufig falschen Fährten folgt, die ein Gespinst aus teuflischen Intrigen und unheilvollen Ahnungen aufleben lassen. 
Wenn man Freund und Freind nicht mehr unterscheiden kann, keine Möglichkeit zur Flucht bleibt auf einem Schiff inmitten des weiten Ozeans und umgeben von kampflustigen Streitern, die nur auf eine günstige Gelegenheit warten, während unheilvolle Omen sich häufen, wird die Situation immer auswegloser. Die Geschichte hat mich wirklich komplett in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen!
Diese komplexe Struktur hat der Autor wirklich gut drauf, wobei es hier nicht so verwirrend ist wie in seinem ersten Buch. Ich konnte dem Verlauf prima folgen und trotz der vielen neuen und verstrickten Erkenntnisse zwar den Hintergründen näherkommen, war aber am Ende von der Auflösung überrascht. 
Eine perfekt konstruierte Klärung hat alle Geheimnisse offenbart und keine Fragen offen gelassen.

Stuart Turton hat sich in historischen Details einige Freiheiten gelassen, was er auch im Nachwort betont und sich einiges für seine Geschichte etwas zurechtgebogen. Es ist ein Roman, kein Tatsachenbericht, und mir fällt sowas eh meist nicht auf, vor allem, wenn mich alles andere so packt ;)
Übrigens ein sehr lesenswertes und sympathisches Nachwort!
 
Für Fans der Reihe um Matthew Corbett von Robert McCammon kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen - und für alle anderen, die sich auf eine verhängnisvolle Schifffahrt einlassen können.


Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Literaturtest.de für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider. 


Ebenfalls rezensiert von




Ebenfalls vom Autor gelesen - eine sehr komplexe Kriminalgeschichte, die mit ihrer Atmosphäre und der Ausarbeitung der Figuren glänzt:


Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschuss die ausgelassene Feier beendet. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. 
Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat [...] eine seltsame Nachricht erreicht: »Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.« 
Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen.

12 Kommentare:

  1. Hallo liebe Aleshanee,

    das Cover ist ja mal ein absoluter Hingucker. Ich war sehr gespannt auf deine Rezension, obwohl ich ja eher selten zu Krimis, Thrillern und historischen Romanen greife. Auch Geschichten, die nur auf dem Schiff spielen sind eigentlich vom Setting her nicht so unbedingt meins. Und dann habe ich deine Worte gelesen!

    Mein Lesestapel duldet momentan keine Neuzugänge. Der SuB schwankt bedrohlich und ich versuche gerade so ein wenig die Kontrolle zu wahren, was weitere neue Bücher angeht. Aber ich muss sagen, dass das ein Buch wäre, was mich von deinen Worten her extrem anspricht.

    Da scheint alles zu stimmen: Der Schreibstil, die Figuren, das Setting aber auch der Handlungsstrang.

    Du hattest mich auch bereits beim ersten Zitat: "Könnt ihr euch vorstellen, wie es auf der Welt aussähe, wenn es noch mehr Menschen gäbe wie ihn? Wenn jeder Mensch jemanden hätte, der ihm hilft, wenn ihm etwas Schlimmes widerfährt?"

    Leider habe ich oftmals das Gefühl, dass viele Menschen nur an sich selbst denken, dass sie die Augen zumachen, wenn sie etwas sehen, was sie aus ihrer eigenen "Komfortzone" rauszieht. Dabei kann man jederzeit selbst in eine Situation kommen, in der man Hilfe benötigt und ich denke dann merkt man auch, was es bedeutet, wenn jemand ohne groß Fragen zu stellen, seine Hilfe anbietet. Die Romanfigur ist mir jetzt schon sympathisch und hat meine Neugierde geweckt :o)

    Eine sehr schöne Buchvorstellung von dir <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Joa, das ist halt so ein Mix aus genau diesen Genres ;) Aber ich fands echt mega gut! Er schreibt wirklich klasse und die Atmosphäre, die Charaktere, das ist alles so nah und man fühlt sich immer mittendrin. Ich war echt begeistert :D

      Einfach mal auf die Wunschliste packen ... ich kenne das ja selber mit dem SuB und den (zu vielen) Neugängen.

      Das Zitat fand ich wirklich großartig. Wenn jeder einen zur Seite hat, der einem hilft, das wäre schon eine viel bessere Welt <3

      Dankeschön!

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  2. Liebe Aleshanee,

    eine schöne Rezension, bei der man mit jeder Zeile merkt, wie sehr du die Lektüre genossen hast! Ich bin jetzt auf den letzten 100 Sieten und muss sagen, dass die Spannung für mich langsam gestiegen ist, ich aber jetzt sehr neugierig bin, wie sich alles auflöst. Ich mag - genau wie du - sehr die Atmosphär eund den tollen Schreibstil mit hohem Wiedererkennungswert!

    Ich bin gespannt, was uns der Autor in Zukunft noch so bieten wird!

    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Ich danke dir! Und ja, ich habs wirklich genossen und war von Anfang an gefesselt. Die Spannung, ja, die baut sich langsam auf, aber das hat mich hier nicht gestört, weils insgesamt einfach auch toll geschrieben ist.

      Ich freu mich auch schon drauf, noch mehr von ihm zu lesen!

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  3. Eine tolle Rezension, klingt sehr interessant! :)

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  4. Hallo Aleshanee,

    du hast mich wirklich sehr neugierig gemacht. Natürlich zieht der Vergleich mit Matthew Corbett besonders bei mir. Und dass es nicht so verwirrend, wie das Turton-Buch ist, finde empfinde ich jetzt mal als Pluspunkt. :)

    Liebe Grüße & schönes Wochenende,
    Nicole

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    1. Mischief managed xD

      Dass Corbett bei dir zieht war mir klar - und vielleicht auch bei anderen. Deshalb hab ich ihn auch genannt *g* Ich vergleich ja ungerne, aber ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass wenn einem die Corbett Reihe gefällt, man auch hiervon begeistert ist!

      Definitiv nicht so verwirrend und gut überblickbar, auch wenn wieder viele Fäden gesponnen werden. Auf jeden Fall eine Latte höher gelegt :D

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  5. Liebe Aleshanee

    Deine Begeisterung lässt sich ja gar nicht überlesen, wirklich schön, wie du deine Rezension formuliert hast. So persönliche Meinungen schaffen doch gleich immer einen schönen Bezug und vermitteln die Freude (oder auch Enttäuschung) um so deutlicher.

    "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" steht schon ewig auf meiner Wunschliste. Wahrscheinlich sollte ich einfach einmal damit beginnen und schauen, wohin mich der Autor führt ;-)

    Alles Liebe an dich
    Livia

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    1. Dankeschön Livia! Freut mich dass ich mein Lesegefühl transportieren konnte :D Ich fands wirklich großartig!

      Evelyn Hardcastle ist schon etwas anders, vor allem verwirrender - dennoch sehr sehr gut geschrieben! Ich bin gespannt wie du es findest!

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  6. Hallo liebe Aleshanee,

    als Fan historischer Krimis und außerdem von Seefahrerbüchern scheint das Buch hier ja die perfekte Kombination für mich zu sein. Das durfte gleich mal auf meinen SuB wandern.
    Danke für die Vorstellung.

    Liebe Grüße,
    Rebecca

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    1. Na dann passt es für dich wirklich perfekt! Es ist ein sehr gelungener Genre Mix!

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