Samstag, 9. Mai 2020

Rezension zu Das Tor von Basma Abdel Aziz

Rezension zu Das Tor von Basma Abdel Aziz


Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit der Niederschlagung der Revolution brauchen die Bürger für jede noch so kleine Kleinigkeit in ihrem Leben – sei es die Überweisung zum Arzt oder die Erlaubnis, Brot zu kaufen – die Genehmigung des Staates. Um die zu erhalten, müssen sie sich vor einem riesigen Tor anstellen, das angeblich jeden Tag nur einer gewissen Anzahl an Anträgen stattgibt. In Wirklichkeit aber öffnet sich das Tor niemals, und die Schlange der Menschen, die in der glühenden Hitze warten, wird länger und länger, ihre Verzweiflung immer größer. Und doch will keiner von ihnen die Hoffnung aufgeben, dass das Tor eines Tages aufgehen wird ...




Meine Meinung
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Mich hat das Konzept der Autorin, einen totalitären Staat in einer Dystopie zu kreieren, mit der Idee des Tores total neugierig gemacht. Leider muss ich sagen, dass die Umsetzung mich nicht begeistern und auch nicht fesseln konnte.
Der nüchterne Stil und die teilweise umständliche Erzählweise empfand ich total anstrengend - während dem Lesen sind meine Gedanken abgeschweift, was mir wirklich selten passiert und ich musste dann auch Passagen überfliegen, weil ich ansonsten nicht bis zum Ende des Buches gekommen wäre.

Das Tor symbolisiert eine Art Allmacht, die höchste Instanz in einem System, das über alles entscheidet, was die Bürger betrifft. Wegen allen möglichen Entscheidungen müssen die Menschen Anträge genehmigen lassen oder sich einen Stempel / eine Bescheinigung holen, was den Irrwitz einer überzogenen Bürokratie aufzeigt, von der wir gar nicht so weit entfernt zu sein scheinen. Zumindest hat es für mich schon gewisse Bezüge zur unserer Gesellschaft.

Aber grade auch die Willkür dieser Allmacht steht hier im Vordergrund und die die Menschen aushöhlende Angst und ja, Demut, sich dem Willen der Oberen zu unterwerfen. Die Frage nach der Moral und der Ethik steht dem Gehorsam gegenüber, der blind sein muss, damit man (über)leben kann.
Auch das ist in unserer Gesellschaft immer wieder eine Entscheidung, die kein gutes Gefühl in mir weckt, denn man spürt grade sehr deutlich, wie sehr viele Menschen sich von wenigen abhängig machen, die mit ihrer Macht alles durchsetzen, ohne eine Demokratie zuzulassen.
In der Geschichte spürt man ebenso, wie die Menschen alles zulassen, weil sie müde geworden sind und sich lieber in das System einfügen, als die Kraft aufzubringen, ihre Ketten zu sprengen. 

Hauptsächlich geht es bei "Das Tor" um den verletzten Yahya, der sich während einem Aufstand eine Kugel eingefangen hat - und um den Arzt Tarik, der diese Kugel wegen einem gesetzlichen Erlaß nicht entfernen darf.
Yahya versucht mit allen Mitteln, eine Erlaubnis zu bekommen, während Tarik immer mehr das Gewissen quält, den Mann nicht behandelt zu haben.
Aber es tauchen auch Freunde von Yahya auf, genauso wie andere Menschen in der Warteschlange vor dem Tor, die jeder mit den unterschiedlichsten Schicksalsschlägen zu kämpfen haben.

Das ging mir leider öfter alles viel zu durcheinander, denn die vielen Namen und wechselnden Perspektiven haben es mir schwer gemacht, mir ein prägnantes Bild der Charaktere zu machen.

Die Autorin stammt ja aus Kairo und das Buch erschien im Jahr 2013, vielen Dank an Frank für den Hinweis in seiner Rezension (s. u. bei Der Büchernarr) und somit kann man die Zusammenhänge und Hintergründe erahnen, auf welchen Basma Abdel Aziz ihre Geschichte aufgebaut hat.
Leider konnte sie mich damit nicht wirklich erreichen, auch wenn die Botschaft dahinter elementar ist.

"Nagi hatte erwartet, dass wenigstens einer die Regeln brechen würde, dass wenigstens einer der Wartenden die Halbstarken unterstützen oder zumindest mit ihrem Aufruf zur Revolte gegen diese kuriose Situation sympathisieren würde, aber nichts geschah."Seite 122

Meine Bewertung
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http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/2%20Sonnen



Ebenfalls rezensiert von




 

Das Tor

von Basma Abdel Aziz

Genre Dystopie
Im Original الطابور
Aus dem Arabischen von Larissa Bender 

Verlag Heyne --- Seitenzahl 288
1. Auflage April 2020 (Original 2013)



Kommentare:

  1. Schade, es heute sich sehr gut an und hat mich neugierig gemacht. Aber Deine Rezension hält mich jetzt eher davn ab. Schade, denn das Thema ist ja wirklich brisant und stets aktuell

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    1. Bei Frank und Verlorene Welten, die ich oben verlinkt habe, findest du zwei Meinungen die sehr viel positiver sind, ist also sehr Geschmacksache ;)

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  2. Hallo Aleshanee,

    und hier ist Deine :D Ja, einfach zu lesen war das Buch sicher nicht und Du gehst ganz schon hart mit dem Buch ins Gericht. Vielleicht liegt es an meiner Vorliebe für Sachbücher, dass ich mit dem nüchternen Sprachstil etwas besser zurecht gekommen bin ;)

    Viele Grüße
    Frank

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    1. Naja, hart, ich weiß nicht *lach* Es lag ja nicht nur an der Nüchternheit vom Stil, sondern auch an der Umsetzung überhaupt. Ich hab immer wieder den Faden verloren, überlegt wer war jetzt nochmal wer, was war mit dem oder mit der, usw.
      Ich konnte auch keine Atmosphäre spüren oder einen Draht zu einer der Figuren aufbauen und die Botschaft, die ich dahinter sehe, kam für mich nicht so durch wie ich gehofft hatte. Deshalb kann ich von mir einfach nicht mehr Sternchen geben. Auch wenn ich die Idee an sich gut fand.

      Die Cover von verschiedenen Auflagen findest du übrigens: auch bei goodreads ;) Wobei ich hier tatsächlich nicht die erste deutsche Ausgabe sehe, die Verlorene Werke entdeckt hat.

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  3. Hallo Aleshanee,

    ein ebenso gutes Beispiel für den Irrwitz einer überzogenen Bürokratie ist, finde ich zumindest im Film " Asterix erobert Rom" gezeigt worden.

    ....wo unsere Helden in die Behörde müssen um ein bestimmtes Formular zu erhalten ....

    Klasse erzählt und total lustig zudem.

    LG..Karin...

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  4. Hey Liebes,
    das Buch subt bei mir noch. Ich bin gespannt, wie es mir gefallen wird. :)

    Hab ein schönes Wochenende

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    1. Ich hoffe, dass es bei dir mehr Begeisterung auslöst <3

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  5. Hallo liebe Aleshanee,

    schade, dass dich das Buch nicht überzeugen konnte, ich hätte es interessant gefunden, eine ägyptische Dystopie zu lesen. Wobei mich der Inhalt auch nicht so hundertprozentig anspricht, die Idee aber trotzdem ganz faszinierend klingt.

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hey :) Grade der Inhalt und die Thematik haben mich sehr angesprochen. Aber ich hab mir einfach was völlig anderes vorgestellt wie die Handlung sein und aufgebaut wird ...
      Ich bin schon gespannt auf noch mehr andere Rezensionen, wie andere das sehen :)

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    2. Bisher sind die Reaktionen (erwartungsgemäß) recht durchwachsen. Klar, ist ja auch kein einfaches Buch.
      Übrigens finde ich es recht witzig, dass Amazon mir anzeigt, dass das Buch oft zusammen mit "Ich bin Gideon" gekauft wird. Zufall, dass ich mir in den letzten Tagen diese beiden Bücher hin und wieder angeschaut habe? :)

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    3. Haha, das ist ja echt seltsam! Ich hab auch bei Amazon reingeschaut was es sonst noch so für Meinungen dazu gibt - und mir wurde auch Gideon mit angezeigt! Da musste ich sogar direkt an dich denken, Frank, weil ich das Gideon Buch bei dir schon gesehen hab. :D

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