Samstag, 24. August 2019

Rezension zu Blutgöttin von Daniela Winterfeld


  Rezension zu Blutgöttin von Daniela Winterfeld



Das Wasser auf Ruann versiegt, und die Dürre verurteilt die Völker zu Hunger und Durst. Um sich die letzten Ressourcen zu sichern, führt das Großreich Sapion erbitterte Kriege gegen seine Nachbarreiche. Die Politikertochter Feyla, der Offizier Dorgen, die Sklavin Alia und der Soldat Tailin sind alle auf verschiedene Weise von dem Krieg betroffen. Jeder versucht für sich einen Ausweg aus der hoffnungslosen Situation zu finden. Aber noch wissen die Vier nicht, dass ihre Schicksale miteinander verbunden sind und die Gründe für das Verschwinden des Wassers in einer Verschwörung von ungeahnten Ausmaßen liegen …




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Blutgöttin 

von Daniela Winterfeld

Band 1 der Trilogie: Die Quellen von Malun 
Genre High Fantasy

Verlag Bastei Lübbe // Seitenzahl 591
1. Auflage Juli 2019

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"Nur wer das Wissen dieser Welt in sich versammelt, 
kann frei und unabhängig denken. 
Angst und Wut, Hilflosigkeit und Hass,
all diese Gefühle, die unseren Krieg vorantreiben,
entstehen aus Unwissenheit." S. 394


Meine Meinung
x x x x x x x x x x x x x

Ich bin grade mit dem Buch fertig geworden und ehrlich gesagt etwas sprachlos: Wow! Ist das erste was mir dazu einfällt! Die Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt und ist definitiv ein weiteres Highlight für mich im High Fantasy Genre!

Ich muss aber gleich vorwarnen an diejenigen, die eine romantische, etwas weich gespülte Handlung bevorzugen, denn Brutalität steht hier an der Tagesordnung. 
Zum einen steht das Land Ruann kurz vor dem Austrocknen und das Überleben ohne das lebensspendende Wasser ist ohnehin schon von Leid geprägt. Dazu kommen die Eroberer aus Sapion, die ihr Herrschaftsgebiet immer weiter nach Norden ausdehnen, um an die göttlichen Quellen von Malun zu gelangen, an das Wasser, das den Fortbestand der Menschheit sichern soll. 
Doch der Weg dahin ist steinig und hart, Sklaven schuften in den Wasserbergwerken, ausgeliefert den brutalen Wächtern, die ihre Grausamkeit nur zu gerne an ihnen auslassen. 

Aber auch das Heer der Sapioner ist von Gewalt geprägt, es herrschen raue Sitten unter den Kriegern selbst und vor allem die Frauen leiden sehr unter den sadistischen Spielchen, denen sie völlig ausgeliefert sind. Ohne irgendwelche Rechte stehen seelische und körperliche Übergriffe an der Tagesordnung - und der schwelende Hass pflanzt sich immer weiter fort. 

Genauso sind in den herrschenden Kasten Frauen nur Mittel zum Zweck. Auch wenn der Schein nach außen hin gewahrt bleibt, ist ihr Schicksal ein immerwährendes Gefängnis: Befehle sind zu befolgen und Strafen sind jederzeit möglich; dem Ehemann oder Vater bleibt es überlassen, wie die Züchtigung aussieht und dabei ist alles erlaubt ... 

Trotz diesem patriarchalen Bild möchte ich betonen, dass die Jungen in dieser Welt von kleinauf daraufhin geprägt werden und kaum eine Chance haben, sich dem zu entziehen. Das Verständnis dafür scheint weit hergeholt, aber schon im Kleinkindalter werden sie ihren Müttern entzogen und mit Härte, Schlägen und unaufhörlichem Drill erzogen, so dass jegliches Mitgefühl getilgt wird - allein schon, um irgendwie zu überleben. Gnade zu zeigen bedeutet den Tod und so entsteht der Kreislauf, der kein Mitleid duldet und dem kaum einer entkommen kann.  

"In ausführlichen Passagen beschrieb er, wie der Krieg einen Mann verrohen ließ,
wie Sterben und Mord alltäglich wurden, bis das Leid der anderen den eigenen Seelenfrieden
nicht mehr berührte. Er beschrieb sogar die Auswirkungen, die das Leid nach sich zog,
wie man anfing, andere zu quälen, um die eigenen Schmerzen zu betäuben." S. 108

Inmitten dieser düsteren, unmenschlichen Welt lernen wir die vier Hauptcharaktere kennen, aus deren Sichtweise abwechselnd erzählt wird. Zwei Krieger, eine Sklavin und eine Tochter aus hohem Stand geben einen perfekten Einblick auf die brutalen Missstände, die in Ruann Einzug gehalten haben. Denn es war nicht immer so. 
Die Autorin versteht es großartig, das Bild dieser Welt vor den Augen des Lesers zu formen. Ein blühendes Land, geschützt von den Göttern, versunken in ein Chaos aus Hass und Blut. Dabei werden die Entwicklungen gekonnt in Szene gesetzt und in jedem Kapitel neue Spannungen geschürt. Manchmal fassungslos von dieser rohen Gewalt, aber auch voller Anteilnahme für die zarten Gefühle die kaum Platz haben in dieser Welt, hab ich das Buch kaum aus der Hand legen können. 

Der Kampf ums Überleben fordert bestialische Gesetze und Riten, deren Hintergründe erst nach und nach ans Licht kommen. Jeder scheint nur eine Marionette, eine Schachfigur zu sein, ohne jedoch das Ziel zu kennen. Ein geniales Zusammenspiel, das detailreich und anschaulich erzählt wird, ohne je langatmig zu wirken; mit drastischen Kämpfen, starken Figuren, leidenschaftlicher Liebe und Sex. Dabei kommt die Autorin komplett ohne Effekthascherei aus oder unpassender Naivität der Protagonisten. Selbst die Liebe wirkt echt und lebendig, genauso wie der Sex, ohne abgedroschene Phrasen und ich habe mit allen Figuren mitgelitten, mitgebangt und bei all ihren Tiefschlägen und Höhenflügen mitgefiebert. 

Ich bin absolut begeistert und freue mich schon immens auf die Fortsetzung, die ja zum Glück schon Anfang nächsten Jahres erscheint! Meinen Respekt für diesen grandiosen Auftakt!

Meine Bewertung
x x x x x x x x x x x x x x x

http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/5%20Sonnen

*Highlight*


Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.


Über die Autorin: Daniela Winterfeld wurde 1978 in Rheda-Wiedenbrück in NRW geboren. Sie ist in Westfalen auf einem Bauernhof aufgewachsen, zwischen Natur und Tieren und in einem riesigen Haus, auf dessen Dachboden sich die Familiengeschichte von 500 Jahren finden ließ.
So ist es kein Wunder, dass sie bereits in ihrer Jugend mit dem Schreiben begann. Später studierte sie Literaturwissenschaften mit den Nebenfächern Geschichte und Psychologie.
Bis heute dienen ihr historische Begebenheiten, Märchen, Mythologie und die menschliche Psyche als liebste Inspiration für ihre Bücher. Inzwischen lebt die Autorin mit Mann und Kindern in Berlin.
Quelle Bastei Lübbe Verlag

Band 2 "Blutsohn" erscheint voraussichtlich am 29. Februar 2020


Eine düster-mythische Märchenadaption von der Autorin ist "Der geheime Name", die mir sehr gut gefallen hat. Schaut gerne in meine Rezension 



Kommentare:

  1. Huhu =)
    Ich habe das Buch auch vor kurzem im Rahmen einer Leserunde gelesen und fand es genial. Düster und brutal? Ja, aber auch sehr komplex und spannend erzählt. Auch die Charaktere sind sehr ausgewogen, sonst hat man bei so vielen Perspektive es ja schnell, dass eine irgendwie unter geht, aber obwohl auch hier nicht alle Charaktere den selben Kapitalanteil haben, bleiben alle vier Perspektiven gleich spannend. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon sehr auf den zweiten band ♥

    Lg Sandra

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    1. Ich denke das muss man schon dazusagen, dass es brutal ist - ich hör da schon wieder die Verfechter der dominanten Frauenrollen usw ... deshalb sollte man sich da vielleicht bewusst machen auf was man sich hier einlässt ;)

      Ich fand es wirklich mega umgesetzt und ja, komplex während man die Übersicht behält und auf jeden Fall spannend weil es so auf die Pauke haut xD Ich bin auch extrem gespannt wie es weitergeht!

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  2. HAllo Alex,
    vielen Dank für diese mitreißende Rezension! Nach dem ich sie gelesen habe, hätte ich jetzt auch Lust das Buch zu lesen. Ich finde es gut, dass du ganz ehrlich sagst, wie brutal es zugeht und dass man es aus der Sicht, die hoffentlich jeder von uns vertritt, eigentlich nicht vertreten sollte, wie dort miteinander umgegangen wird, dass es aber für die Umstände, die in der Welt herrschen, eben einfach nachvollziehbar ist, dass einiges sich so entwickelt, wie es geschieht.
    Das gibt einen guten Blick und macht gleichzeitig noch mal deutlich, dass man als Leser natürlich nicht hinter diesen Ansichten stehen muss, um das zusammenspiel der verschiedenen Elemente in der Welt genial arrangiert zu finden.
    Das Buch wandert mal auf meine Merkliste :)
    Lg Dana

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    1. "Mitreißende Rezension" <3 Das ist aber mal ein tolles Kompliment, dankeschön! :)

      Ja, mittlerweile muss (?) man sowas wohl dazu schreiben - wobei ich im Gegenzug auch gerne gesagt bekomme, ob romantischer Kitsch dabei ist, weil das meide ich ja sehr ;)

      Ich muss auch sagen: ich hab noch nie ein Buch gelesen (von den wirklich vielen) in dem das Böse, das Brutale, verklärt wurde. Es ist immer im Zusammenhang mit der Mittelalter-Welt, Fantasy-Welt oder auch Dystopie vorgekommen wo jeder "normale" Leser erkennt, dass das Momente, Szenen, Menschen sind, die nicht zur Nachahmung dienen sondern abschrecken soll. Bzw. zeigen wie es nicht laufen soll oder auch, wozu Menschen fähig sind - aus welchem Grund auch immer.

      Manche mögen solche brutalen Geschichten nicht und deshalb ist es natürlich wichtig, dass man es mit reinschreibt ... ist ja sonst doof, weil die Erwartungshaltung ganz anders ist.

      Freut mich jedenfalls dass ich dich neugierig machen konnte. Ich mag sowas ja schon muss ich sagen, weil es immer wieder so kleine Schockmomente hat. Genauso wenn man sich einen Thriller oder Horrorfilm anschaut ;)

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    2. Ich gebe dir Recht, es schadet in jedem Fall nicht, es dazu zu schreiben. Ob man es nun muss... das wäre wohl wieder eine eigene Diskussion wert :D Ich denke, man sollte das eben für sich entscheiden, ob es sehr präsent war oder nicht. Ich könnte nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass ich immer daran denke, zu erwähnen, wenn etwas "zu" kitschig ist oder eben eher brutal. Bei Thrillern denkt man da dann wohl eher dran und auch wenn es doch irgendwie im Vordergrund steht. Wenn man sowas nicht lesen mag, wird man auf jeden Fall Abstand von dem Buch nehmen, daher schadet es sicher nicht :) Und irgendwie wäre es ja auch schade, wenn alle Geschichten gleich wären. So findet jeder Leser Bücher, die ihm zusagen...

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  3. Liebe Alex,

    wow, was für eine Rezension! Ich kann mich Dana da nur anschließen: Total mitreißend!

    Ich vermute mal, dass dann da auch sex. Gewalt drin vorkommt?
    Nach Deinen ersten Abschnitten dachte ich sofort, das Buch muss ich lesen. Aber der Abschnitt bezüglich den Frauen lässt mich dann doch zögern.
    Wenn Frauen nichts weiter als Sklaven sind und man die Ohnmacht merkt, das kann ich nicht gut lesen.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Dankeschön <3

      Jap, da kommt auch sexuelle Gewalt drin vor. Es ist unterschiedlich, denn es gibt Sklavinnen (im Heer), die sozusagen nur dafür da sind dass die Männer sich sexuell abreagieren.
      Aber es gibt auch die Protagonistin, die eine Sklavin in den Wasserabbau-Bergwerken ist und sich auf ihre Art zu wehren weiß und eine sehr starke Persönlichkeit vermittelt.
      Wie auch die die Frau aus der Oberschicht, die nach außen hin ein "schönes Leben" hat, sich aber eben auch den Männern der Familie unterordnen muss. Man leidet sehr mit ihr mit, aber auch sie entwickelt eine Stärke, worauf ich jetzt aber durch Spoilergefahr nicht näher eingehen kann.

      Für mich zeigt es einfach, dass trotz Gesellschaftsmustern etwas in beiden Geschlechtern steckt, die eine Rolle festsetzen und es immens viel Kraft kostet, sich daraus zu lösen und befreien zu können. Mich stören Gewaltdarstellungen in Büchern nicht, deshalb finde ich das nicht so schlimm, es zeigt einfach sehr deutlich was passiert und vermittelt dadurch noch einen intensiveren Eindruck.

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    2. Dann ist das nichts für mich. Aber ich habe Deine Rezension auf Twitter geteilt: https://twitter.com/100_Morgenwald/status/1167008652189941760

      (Ich vermisse Dich auf Twitter. Aber verstehe Deine Entscheidung gut. Mir geht es so mit FB)

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    3. Das ist ja lieb, dankeschön! <3

      Ich vermisse es eigentlich so gut wie gar nicht :D Nur fehlen mir einige Nachrichten, die ich immer über ein paar twitter Acc immer sporadisch gelesen hab.
      Das meiste geht bei mir dann doch über den Blog und FB, FB finde ich einfacher zu handhaben für mich und auch übersichtlicher. Und von dort kommen einfach auch viele auf den Blog xD

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  4. Hallo Aleshanee,

    siehst Du mal und ich dachte, dass dieses Buch eventuell zu seicht ist und habe es deswegen eher gemieden. Vielleicht nehme ich es mir nun doch vor ;)

    Viele Grüße
    Der Büchernarr

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    1. Ich erwarte ehrlich gesagt auch nie wirklich viel - in der Richtung - und ich versuche Romantasy aus dem Weg zu gehen.
      Von der Autorin hatte ich aber schon was anderes gelesen und hab gehofft, dass es anders ist. Und das ist es auf jeden Fall! Würde mich freuen wenn du es damit versuchst

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  5. Liebe Aleshanee,
    so ein Fantasybuch suche ich schon lange. Deine Rezi klingt so beigeistert, sodass ich es auch gleich lesen möchte! Aber schon wieder eine neue Reihe?? hahaha

    Ich freue mich sehr, dass du mit dem Buch bei meiner LinkPARTY August mitgemacht hast. :-) Wärst du so lieb und schreibst das noch irgendwo oben in der Rezi rein?

    GlG, monerl

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    1. Tjaha, vom Empfinden her erscheinen wirklich nur noch Reihen, grade im Fantasy Bereich :D

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  6. Ahoi Aleshanee,

    das klingt wirklich heftig; genau so, wie es die Leseprobe bereits erahnen ließ.
    Ich warte mal ab, wie dir dann Band 2 gefallen wird - noch eine Reihe anzufangen fällt mir wie monerl schwer xD

    Ronja von oceanloveR

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    1. Jupp, es fängt schon derb an und das bleibt auch so - also wenn man sowas mag kann ich es nur empfehlen, ich fands richtig gut! Und ich denke und hoffe, dass das auch im zweiten Band so bleibt :D

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